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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"40 000 Jobs durch nachwachsende Rohstoffe"
Zwischenüberschrift:
Sonnleitner rechnet mit Anbau von Energiepflanzen auf drei Millionen Hektar
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Deutsche Bauernverband (DBV) setzt sich für den umstrittenen Bio-Ethanol-Sprit E 10 ein. Dieser sei klimaschonend und biete Bauern ein zusätzliches Einkommen, sagte DBV-Präsident Gerd Sonnleitner im Interview unserer Zeitung. Umweltverbänden, aber auch Mineralölkonzernen und ADAC warf er Panikmache vor.
Herr Sonnleitner, der Bio-Sprit E 10 mit einem Anteil von zehn Prozent Ethanol am Benzin droht zum Flop zu werden. Der Umweltverband BUND bezweifelt gar den Umweltnutzen. Welche Einsparmöglichkeiten sehen Sie bei Treibhausgasen?
Was die Umweltverbände verbreiten, ist völlig inakzeptabel. Denn es handelt sich um eine falsche Darstellung möglicher Einsparung von Treibhausgasen. Tatsächlich sparen wir im Vergleich zu fossilen Energieträgern durch den Einsatz von Bio-Ethanol 50 bis 60 Prozent der Klimagase ein. Außerdem verschweigen die Umweltaktivisten, dass wir pro Hektar Bio-Ethanol-Erzeugung zugleich - je nach Ertrag und Produkt - zwischen zwei und vier Tonnen höchstwertiges Futter-Eiweiß produzieren. Dies brauchen wir dann nicht aus Brasilien, Argentinien und anderen Ländern zu importieren.
Sie sind also ausnahmsweise mit den Grünen auf einer Linie, die Bio-Sprit für alternativlos halten?
Der Bio-Kraftstoff ist notwendig, um das Klima zu schonen und die Abhängigkeit von Erdöl exportierenden Ländern einzuschränken. Zwar ist das nicht der ganz große Wurf. Zumindest sind wir dadurch aber nicht so krisenanfällig, weil wir nicht ausschließlich von fossilen Energieträgern abhängig wären. Uns wird vom BUND und anderen Umweltverbänden immer vorgehalten, auf den Flächen für nachwachsende Rohstoffe würden Dünger und Pflanzenschutzmittel ausgebracht. Die Kritiker vergessen, dass bei der Herstellung von Benzin aus Öl nicht nur ein enormer Ausstoß von Kohlendioxid verursacht wird, sondern auch riesige Verfahrenskosten entstehen und sogar blutige Kriege die Folge sind.
Ein Nachteil von E 10 ist offenbar, dass es den Verbrauch erhöht. Ist der Bio-Sprit marktfähig?
Da hat die mangelnde Kommunikation der Mineralölfirmen viel Negatives bewirkt. Und jetzt bieten sie das Extra-Benzin Super Plus zu einem überhöhten Preis an. In anderen Ländern fährt man mit einem weitaus höheren Anteil an Bio-Ethanol. Dort sind jedoch alle zufrieden. Nur bei uns gibt es Panikmache sowohl seitens der Mineralölfirmen als auch des ADAC und der Umweltverbände. Das ist alles unfair und falsch.
Von 17 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche in Deutschland werden auf zwei Millionen Hektar nachwachsende Rohstoffe angebaut. Wie viel Fläche könnte zusätzlich für Bioenergie-Pflanzen verwendet werden?
Zwar wird bereits auf zwei Millionen Hektar Biomasse produziert. Doch die Nahrungsmittelproduktion ist sogar noch gestiegen. Wir rechnen deshalb damit, dass wir auf bis zu drei Millionen Hektar Energiepflanzen anbauen können, ohne die Nahrungsmittelerzeugung zu beschränken - durch eine effektivere Bewirtschaftung und Ertragssteigerung bei den Agrarrohstoffen.
Welches Einkommenspotenzial hat Bio-Ethanol für die Bauern?
Es geht nicht nur um Bio-Ethanol, sondern um die gesamte Energie-Schiene. Manchmal passt Bio-Energie besser zum Standort als Nahrungsmittel-Produktion. Vor allem bedeutet sie für einen Bauernhof ein zusätzliches Standbein und ein von der Lebensmittelproduktion unabhängiges Einkommen. Allein in der Bioethanolwirtschaft sind 10 000 Arbeitsplätze neu aufgebaut worden, insgesamt für nachwachsende Rohstoffe 40 000 Jobs. Insgesamt dürften dann nachwachsende Rohstoffe einen Anteil von acht bis zehn Prozent am Umsatz der Landwirte in Deutschland haben.
Können Sie eine zusätzliche Flächenkonkurrenz für Nahrungsmittel durch E 10 ausschließen?
Ganz sicher. Was immer verdrängt wird: Allein in Deutschland wird ein Drittel der Nahrungsmittel weggeworfen. Schauen Sie einmal auf Schulhöfen nach, wie viele Lebensmittel vergeudet werden. Im Übrigen kann man den Hunger weltweit nicht von hier aus regeln. Früher wurden die Bauern beschimpft, weil über Exporterstattungen Nahrungsmittel in betroffene Länder geliefert wurden. Da hieß es, wir machen andere Landwirtschaften kaputt. Jetzt, da wir den Export nicht mehr subventionieren und Nahrungsmittel sowie Bioenergie erzeugen, heißt es plötzlich, wir seien für den Hunger verantwortlich.
Aber wird nicht auch derzeit noch EU-Milchpulver nach Afrika ausgeführt?
Das sind doch Märchen. Die wenigen Mengen, die geliefert worden sind, waren Notmaßnahmen, um die wir gebeten wurden. Also kein reguläres Geschäft. Sofern Milchpulver heute noch verkauft wird, geht dies an Russland oder arabische Staaten, die Geld haben.

Bildtext:

Wirft Mineralölkonzernen Abzocke vor: Bauernpräsident Gerd Sonnleitner setzt auf Bio-Sprit wie E 10.

Foto:

dpa
Autor:
Klaus Jongebloed


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