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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Von "Lotterleben" keine Spur
Zwischenüberschrift:
Die Lotter Straße erschließt bevorzugte Wohngegenden am Westerberg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Jahrhundertelang war die Lotter Straße die Hauptausfallstraße Osnabrücks nach Westen. Wer aus den Niederlanden nach Hannover wollte, fuhr hier lang. Erst in den letzten Jahrzehnten übernahm die Martinistraße als Zubringer zum Autobahnanschluss diese Rolle.
Während die Anlieger der Martinistraße vierspurige Autokolonnen vor ihre Haustüren gesetzt bekamen, blieb die Lotter Straße relativ beschaulich, wenn auch nicht so verkehrsarm wie auf der historischen Aufnahme vom Anfang der 1930er-Jahre. Außer dem korrekt am Fahrbahnrand geparkten Fahrrad rechts vor dem Hotel ist kein Fahrzeug für den Individualverkehr auszumachen. Man ging zu Fuß oder fuhr mit der Straßenbahn.
In der Bebauung sind große Übereinstimmungen zwischen damals und heute zu erkennen. Woraus man zu Recht schließen darf, dass es hier kaum Bombenschäden im Krieg gab. Die stattlichen Bürgerhäuser mit zweieinhalb oder dreieinhalb Geschossen sind das Ergebnis der planmäßigen Stadterweiterung in den 1860er- und 1870er-Jahren. Die Industrialisierung brachte ein sprunghaftes Anwachsen der Bevölkerung mit sich. Nach der Aufhebung des Festungsgebotes (1843), das Bauen nur innerhalb des befestigten Stadtkerns erlaubte, wurde das Gartenland zwischen Lotter und Katharinenstraße mit Wohnquartieren überplant.
Das Haus Klute etwa, vorn rechts im Bild an der einmündenden Adolfstraße gelegen, ist in der Substanz seit 1872 unverändert. Die Stuck-Fenstereinfassungen und - Gesimse hatten sogar den Zweiten Weltkrieg überlebt. Man nahm sie dann aber ab, als 1950 der Erweiterungsbau in die Lücke hinter dem Altbau gesetzt wurde. " Das war halt der Zeitgeschmack", sagt Hans Klute, in vierter Generation Hotelier, " der Altbau sollte neben dem sachlich-modernen Neubau nicht allzu alt wirken."
Auf dem historischen Bild ist in der Baulücke das Kegelhäuschen zu entdecken. Hier schoben die " Kegeljungen" ihren Dienst: Sie mussten die umgeworfenen Kegel wieder aufrichten, die Kugeln zurückrollen und bekamen dafür einen recht guten Stundenlohn und ab und an wohl auch Bierreste zu trinken. Oder sogar einen Schnaps bei " Alle Neune". Die Kegelbahn war Teil des " Kaffeegartens" hinter der Mauer. " Hier können Familien Kaffee kochen" lautete der Werbespruch in jenen Jahren, als die Masse der Gäste sich ihren gemahlenen Kaffee mitbrachte. Kaffee war so teuer, dass der Durchschnittsbürger ihn sich nicht als Fertiggetränk in der Wirtschaft leisten konnte. Um genügend Kundschaft zu bekommen, ließen die Wirte sich darauf ein, für wenige Groschen Brühwasser und Geschirr zu stellen.
Die heutige Lotter Straße hat ein Profil entwickelt, das in Osnabrück selten geworden ist. Als wichtige Verbindungsstraße zwischen Innenstadt und den Wohngebieten von Westerberg und Weststadt ist sie keineswegs verkehrsarm.
Dennoch " funktionieren" die mehr als 60 Einzelhandelsgeschäfte zwischen Heger Tor und Saarplatz. Sie konnten sich gegen den Kaufkraft-Sog der City-Lagen behaupten und ziehen teilweise über die Nahversorgungsfunktion hinaus Fachpublikum an. Im Vergleich zu anderen Osnabrücker Ausfallstraßen sind Leerstände eher selten und meist nur von kurzer Dauer. Umsatzausfälle während der zweijährigen Bauphase habe es natürlich gegeben, resümiert Hans Klute, der auch zweiter Vorsitzender der Interessengemeinschaft Lotter Straße ist, aber die allermeisten Betriebe hätten sie verkraftet.

Bildtext:

Die Lotter Straße um 1930. Der Blick geht Richtung Heger Tor. Vorn links mündet die Voigts-Rhetz-Straße ein, rechts die Adolfstraße.Das Foto hat uns Alfred Spühr zur Verfügung gestellt.

Fotos:

Alfred Spühr
Autor:
Joachim Dierks


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