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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Vom Vorbild zur Vaterlandsverräterin
Zwischenüberschrift:
Ehemalige DDR-Spitzensportlerin Dagmar Kersten in der Domschule
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. 2011 ist kein Olympia-Jahr. Die Klasse 9 HA der Domschule beschäftigt sich dennoch mit dem Thema Olympia. Alle vier Jahre veranstaltet Martin Sander, Lehrer an der Domschule, ein Projekt zu den Olympischen Spielen. Er hat in diesem Jahr Dagmar Kersten, Spitzensportlerin aus der ehemaligen DDR, eingeladen.
Die Lebensgeschichte von Dagmar Kersten bot den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, authentische Einblicke in das Leben der ehemaligen DDR zu gewinnen. Kerstens Karriere als Turnerin begann mit neun Jahren im Turninternat des SC Dynamo Berlin. Sie gehörte zehn Jahre lang zu den sportlichen Vorbildern der DDR, gewann bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul die Silbermedaille am Stufenbarren und eine bronzene mit der Mannschaft im Mehrkampf.
Ihre Karriere beendete sie kurz vor der Wende, als sie einen Ausreiseantrag nach Westdeutschland stellte. " Ich galt als Vaterlandsverräterin, wurde von der Stasi beobachtet und war auf einmal kein Vorbild mehr", erzählte Dagmar Kersten der Klasse. Mitgebracht hatte sie neben ihren beiden olympischen Medaillen auch ihre Stasi-Akte und ihre Krankenakte aus DDR-Zeiten.
Bereits seit einiger Zeit beschäftigt sich Dagmar Kersten damit, die Kehrseite der Medaille nicht nur zu betrachten, sondern auch publik zu machen. Die Schüler hörten ihr gespannt und auch schockiert zu, als sie über das ehemalige totalitäre System spricht: " Die Missstände in der DDR habe ich am eigenen Leib miterlebt", sagte sie. " Alles war nur auf Leistung ausgelegt. Wenn ich nicht so funktioniert habe, wie mein Trainer es wollte, hat er mich psychisch misshandelt, beleidigt und beschimpft." Die Schikane durch ihren Trainer machte Kersten zwei Jahre lang mit, dann setzte sie sich gegen alle Regeln im DDR-Sportsystem durch und bekam einen anderen Trainer.
Fassungslosigkeit breitete sich auf den Gesichtern ihrer Zuhörer aus, als sie ihre Vergangenheit als Dopingopfer, als Versuchskaninchen auf dem Weg zu sportlichen Höchstleistungen, beschrieb.
Auch wenn die heute 40- Jährige die damaligen Erlebnisse überwunden hat und damit abschließen konnte, möchte sie nicht einfach sagen, " das war damals halt so". Sie betonte: " Es kann nicht sein, dass diese Dinge vergessen werden, nur weil ich jetzt mein Leben im Griff habe."
Heute ist Dagmar Kersten, die kurz nach der Wende erst nach Celle zu ihrer Mutter und dann nach Stuttgart ging, ausgebildete Sekretärin, NTB-Ausbildungsreferentin beim Niedersächsischen Turnerbund und in vielen weiteren Fortbildungen für den Sport in den Vereinen in Niedersachsen unterwegs.
Mit dem Streben nach Siegen um jeden Preis hat sie abgeschlossen. Wenn sie Kurse gibt und junge Menschen unterrichtet, möchte sie ihnen vor allem eines vermitteln - eine Weisheit, die sie selber erst erlernen musste: " Man soll schauen, was man selber möchte, was gut für einen ist und gut für die Mitmenschen. Das ist wichtiger, als nur auf Siege und Medaillen hinzuarbeiten."

Bildtext:

Bitte ein Autogramm: Dagmar Kersten kam gut an in der Domschule.

Foto: Elvira Parton
Autor:
Felicitas Körner


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