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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die erste schnurgerade Straße
Zwischenüberschrift:
Prachtbauten säumten die Wittekindstraße vor 110 Jahren
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Ihre Entstehung verdankt die Wittekindstraße der Tatsache, dass Osnabrücks erster Bahnhof bei seiner Eröffnung 1855 weit außerhalb der bebauten alten Stadt lag. Das Viertel zwischen Hannoverschem Bahnhof und Neumarkt war das erste auf dem Reißbrett geplante Erweiterungsgebiet jenseits des mittelalterlichen Stadtbefestigungsgürtels.

Die historische Ansicht zeigt den schnurgeraden Verlauf der vom Hannoverschen Bahnhof (im Rücken des Betrachters) kommenden Wittekindstraße, die auf das Justizgebäude am Neumarkt zuläuft. Vierzig Jahre lang hieß die Straße folgerichtig Bahnhofstraße, bis 1895 der neue Hauptbahnhof den Hannoverschen ablöste und der Name Bahnhofstraße nicht mehr so recht passte. Erst da kam die Wittekindstraße zu ihrem auch heute noch geltenden Namen, der an den Sachsenherzog Widukind, den Gegenspieler Karls des Großen, erinnert.

Beim rosa kolorierten Gerichtsgebäude in der Bildmitte fällt auf, dass seine Mittelachse damals von einem Dreiecksgiebel über einem hervortretenden Mittelrisalit beherrscht wurde. Nach den Kriegszerstörungen wurde die dem Neumarkt zugewandte Fassade sehr viel schlichter wiederhergestellt. " Eigentlich fehlt da etwas in der Mitte", so dachten viele Osnabrücker, die noch den architektonisch stimmigen Originalbau kannten.

Im gleichen Zeitraum wie das 1874 bis 1878 errichtete Justizgebäude nahmen die repräsentativen Gebäude beiderseits der Wittekindstraße Gestalt an. Wie in den meisten deutschen Mittel- und Großstädten sollte die auf den Bahnhof zulaufende Hauptstraße den ankommenden Reisenden mit einem großzügigen Entrée empfangen, das die engen gewundenen Gassen des mittelalterlichen Ackerbürgerstädtchens vergessen ließ und von einer neuen Zeit kündete. Etwas zeitversetzt geschah das Gleiche mit der Möserstraße, die die Altstadt mit dem 1895 eröffneten neuen " Centralbahnhof" verband.

Im Schnittpunkt beider Straßen wurden die Eckgebäude nochmals besonders betont. Auf der linken Straßenseite etwa in Bildmitte ist an der Kreuzung mit der Möserstraße das Gebäude der Handwerkskammer an seinem markanten Turmaufsatz zu erkennen. Gegenüber lag das ebenfalls betürmte Hotel Germania. Nach dem Krieg entstanden in etwa gleicher Lage bei zurückgesetzten Baufluchten, um die Straße breiter zu bekommen, links die eingeschossige Kassenhalle der Stadtsparkasse und rechts das Kaufhaus Merkur (jetzt Galeria Kaufhof).
Hinter der vorn links einmündenden Klusstraße zieht um 1900 der neoklassizistische Prachtbau der Osnabrücker Bank die Blicke an. Mit der aufblühenden Osnabrücker Wirtschaft war auch die Bankgesellschaft kräftig gewachsen und hatte ein Bedürfnis, das nach außen zu zeigen. Nach 1908 wurde das weinberankte Gebäude vorn links übernommen und als Nordflügel ähnlich repräsentativ gestaltet wie der Hauptbau mit dem an den Reichstag erinnernden Säulen-Portikus. Über allem thront die allegorische Figur der Germania als eine Art " Bankenaufsicht" auf dem Dach. Sie hat nämlich auch die " Sparkasse des Landkreises" vis-à-vis im Blick.

Im Bombenkrieg wurde das Hauptgebäude der Osnabrücker Bank von 1898, das inzwischen von der Deutschen Bank übernommen worden war, nur mäßig beschädigt und strahlte in den 1950er-Jahren wieder in altem Glanz. Dennoch entschied die Deutsche Bank 1969, es abzureißen und durch einen modernen Zweckbau zu ersetzen, der 1971 bezogen wurde. Hinter der Osnabrücker Bank erkennt man auf der historischen Ansichtskarte das rosa eingefärbte Hauptgebäude der Kaiserlichen Post in Osnabrück. Das " Post- und Telegraphenamt" hatte dort 1881 Einzug gehalten. Nach schweren Kriegszerstörungen wurde es in den 1950ern durch einen Neubau ersetzt.

Bildtexte:
Die Wittekindstraße um 1900 in Blickrichtung Neumarkt entfaltet gründerzeitliche Pracht. Das Auto ist zwar bereits erfunden, aber noch bestimmen Pferdegespanne das Straßenbild. Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken, Osnabrück

Die Wittekindstraße um 1900 in Blickrichtung Neumarkt entfaltet gründerzeitliche Pracht. Das Auto ist zwar bereits erfunden, aber noch bestimmen Pferdegespanne das Straßenbild. Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken, Osnabrück
Autor:
Joachim Dierks


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