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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Stadtwerke sollen Busreisen stoppen
Zwischenüberschrift:
Private Unternehmer kritisieren das Engagement auf ihrem Geschäftsfeld
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Mit ihren Busreisen ziehen sich die Stadtwerke den Unmut privater Reiseanbieter zu. Die Unternehmer fürchten, dass ihnen der kommunale Verkehrsbetrieb die Kunden abfischt. Der Gesamtverband Verkehrsgewerbe fordert die Stadtwerke auf, aus dem Reisegeschäft auszusteigen.

Seit 2007 werben die Stadtwerke für ihre Bustouren. In Katalogen werden Tagesfahrten in die Lüneburger Heide, ins Weserbergland, nach Hamburg oder Amsterdam angeboten. Dafür hält der Verkehrsbetrieb einen Reisebus bereit, darüber hinaus werden Busse von anderen Unternehmen gechartert. Private Reiseveranstalter empfinden es als Wettbewerbsverzerrung, dass ihnen ein städtisches Tochterunternehmen Konkurrenz macht.
Für die Busunternehmer gehe es ums Ganze, sagt Bernward Franzky, der Hauptgeschäftsführer vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN). Die Anzahl privater Busunternehmer in Deutschland sei in sieben Jahren um 17 Prozent gesunken. Das liege auch daran, dass öffentliche Verkehrsunternehmen ihr Geschäftsfeld auf die Bustouristik ausdehnten.
" Mit dieser Betätigung verstoßen die Stadtwerke einerseits gegen die Niedersächsische Gemeindeordnung und lassen andererseits jeden Anstand gegenüber privaten Unternehmern und deren Mitarbeitern vermissen", schreibt Franzky in einem Brief an Ratsmitglieder und Landtagsabgeordnete.
Das Verhalten der Stadtwerke sei inakzeptabel, weil sie die örtlichen gewerbesteuerzahlenden Betriebe in ihrer Existenz gefährdeten. Zudem bleibe offen, ob der Reiseverkehr aus Abgaben und Gebühren quersubventioniert werde.
Die Stadtwerke haben die Kritik des GVN zum Anlass genommen, nicht mehr offiziell als Reiseveranstalter aufzutreten. Jetzt fährt der Reisebus mit dem Stadtwerke-Logo im Namen der Nordwestbahn. Und die Angebote stehen gemeinsam mit denen anderer Anbieter im Katalog " Streifzüge". Bernward Franzky vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe sieht darin einen Etikettenschwindel.
Stadtwerke-Vorstand Dr. Stephan Rolfes findet die Kritik kleinlich. Er versuche seit Jahren, mit den privaten Unternehmern unter dem Label " VOS-Reisepartner" zu kooperieren. So könnten Angebote gebündelt und Kapazitäten besser genutzt werden. Ein gemeinsamer Katalog biete die Chance, die Zielgruppe zu erweitern. Und nebenbei könne jedes Partnerunternehmen seine Kataloge in der Geschäftsstelle am Neumarkt auslegen.
Darauf hätten sich die örtlichen Busunternehmer aber nicht eingelassen, bedauert Rolfes. " Sie wollen ihren Markt schön geschützt halten", lautet seine Erklärung. Nach der Absage hätten die Stadtwerke in eigener Regie den Einstieg in die Bustouristik gewagt und einen Katalog herausgegeben. " Wir haben damit nicht viel Geld verdient, aber es war kostendeckend", sagt der Stadtbus-Chef zur wirtschaftlichen Seite des neuen Geschäftszweiges.
Dabei gehe es gar nicht ums Geldverdienen, betont Rolfes, sondern um Emotionen: Eine Busreise hinterlasse angenehme Gefühle - genau das Gegenteil von der Alltagserfahrung im morgendlichen Schülerverkehr. Auf dieser emotionalen Ebene ließen sich Kunden binden, folgert Rolfes.
Die privaten Busunternehmer wehren sich gegen die " Umklammerung" der Stadtwerke, wie es Hermann Meyering von Lührmann Reisen ausdrückt: " Wir leben davon, dass wir eigenständig sind!" Die Folge sei doch, " dass alle nur mit halb vollen Bussen durch die Gegend fahren".
Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Oliver Rahe von Klute Busreisen. Nach Paris und Hameln seien Busse seines Unternehmens und der Stadtwerke parallel gefahren - und beide seien nicht ausgelastet gewesen. So werde seinem Familienbetrieb das Wasser abgegraben.
Kritik an den Stadtwerken komme auch von den Busunternehmen, die sich an der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) beteiligten, sagt Bernward Franzky vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe. Doch die trauten sich nicht, offen gegen die Stadtwerke vorzugehen. Aus Angst, vom großen Partner im Linienverkehr benachteiligt zu werden.

Kommentar
Überall halb volle Busse
Von Rainer Lahmann-Lammert -

Wer als privater Unternehmer ums Überleben kämpft, ärgert sich natürlich, wenn die Stadtwerke ihr Spielbein in sein Revier setzen und ihm die Kundschaft abjagen. Falls sich der Konflikt weiter zuspitzt, werden wohl die Gerichte klären müssen, ob die Stadtwerke Busreisen anbieten dürfen oder nicht.
Unabhängig davon stellt sich die Frage, ob eine Kooperation, wie sie Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes vorgeschlagen hat, nicht auch den Privaten manche Vorteile bieten würde. Schließlich ist keinem damit gedient, wenn überall halb volle Busse unterwegs sind.

Bildtext:

Der Reisebus der Stadtwerke mit dem Label der Nordwestbahn. Private Busunternehmer fordern den Ausstieg aus dem Reisegeschäft. Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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