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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Handwerk geißelt die Umweltzone
Zwischenüberschrift:
Ausnahmegenehmigungen zu bürokratisch - 50 Betriebe melden Probleme
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Umweltzone in Osnabrück bereitet mindestens 50 Handwerksunternehmen in Stadt und Landkreis mit etwa 100 Fahrzeugen massive Probleme. Das hat eine Umfrage der Kreishandwerkerschaft unter den 1500 angeschlossenen Innungsbetrieben ergeben, wie die Kreishandwerkerschaft mitteilt.
Von Wilfried Hinrichs - Die Dunkelziffer liege noch deutlich höher, vermuten Vorstand und Geschäftsführung der Handwerksorganisation. Es gehe fast ausschließlich um Fahrzeuge, die keine gelbe oder grüne Plakette erhalten und aus technischen Gründen nicht mit Partikelfilter nachgerüstet werden können. Die Handwerksbetriebe können für diese Fahrzeuge bei der Stadt Osnabrück Jahresausnahmengenehmigungen gegen eine Gebühr von 120 Euro beantragen.
Die Kreishandwerkerschaft kritisiert das Verfahren als zu bürokratisch und aufwendig. Jeder Antragsteller müsse detailliert begründen, warum er mit dem Fahrzeug die Umweltzone befahren wolle, sagt Kreishandwerksmeister Horst Glüsenkamp. Er müsse nachweisen, dass das Auto nicht nachgerüstet werden könne und der Kauf eines neuen Fahrzeugs dem Unternehmen nicht möglich sei. " Ein Gewerbetreibender muss seine gegenwärtige wirtschaftliche Lage offenlegen, beispielsweise durch Vorlage von Bilanzen, eine Bescheinigung des Steuerberaters oder andere Unterlagen", so Glüsenkamp weiter.
Hauptgeschäftsführer Thorsten Coch erklärt: " Niemand wird den Entscheidungsträgern in der Verkehrslenkung oder dem Umweltamt der Stadt Osnabrück Willkür unterstellen, aber das Kriterium der wirtschaftlichen Zumutbarkeit ist viel zu schwammig und wird der Sache nicht gerecht." Vielleicht stehe der Antragsteller ja gerade vor einer dringend notwendigen Investition, bei der jeder Euro zähle. Die Kreishandwerkerschaft schlägt vor, den Gewerbetreibenden für nicht nachrüstbare Autos eine generelle Ausnahmegenehmigung bis Ende 2012 zu gewähren. Die sollte auch gelten, wenn die Kosten einer Nachrüstung über dem Verkehrswert des Fahrzeugs lägen.
Der Leiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt, Detlef Gerdts, kann die Aufregung der Handwerksorganisation nicht nachvollziehen. Dass nur 50 Betriebe, also gut drei Prozent, betroffen seien, sei doch " ein Erfolg". Die Ausnahmengenehmigungen seien eindeutig formuliert und im Internet sehr einfach zu beantragen. " Wir versuchen immer, den Antragstellern entgegenzukommen und unnötige Kosten zu vermeiden", sagt Gerdts. Im vergangenen Jahr stellte die Stadt 480 Ausnahmegenehmigungen aus, darunter waren 132 Kurzzeitgenehmigungen für eine Woche. Die anderen galten das ganze Jahr. 132 Anträge wurden abgelehnt. Die Zahl der Anträge ist in den ersten Wochen 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent gesunken.
Seit Anfang des Jahres gilt in Osnabrück die zweite Stufe der Umweltzone. Ausgesperrt sind plakettenlose Fahrzeuge und Autos mit roter Plakette. Das betrifft im Landkreis 33 Prozent der Nutzfahrzeuge. Der Anteil sinkt: 2009 waren es noch 38 Prozent, im Jahr davor 44 Prozent. In der Stadt sind 22 Prozent der Nutzfahrzeuge ohne oder mit roter Plakette betroffen. Bei den Pkw liegt der Anteil der Ausgesperrten deutlich niedriger. Im Kreis sind es sechs Prozent, in der Stadt fünf. Wenn im Januar 2012 die nächste Stufe in Kraft tritt, sind weitere 30 Prozent der Nutzfahrzeuge und zehn Prozent der Pkw mit gelber Plakette betroffen.
Auskünfte: www.osnabrueck. de/ ausnahmen-umweltzone, Telefon 05 41/ 3 23 33 30.

Kommentar
Das Recht auf saubere Luft
Von Wilfried Hinrichs - Für manche Handwerksbetriebe ist die Umweltzone eine Belastung. Keine Frage. Auf der anderen Seite stehen 17 000 Menschen, die an stark mit Stickstoffdioxid belasteten Straßen in Osnabrück leben. Wer diese Interessen abwägt, kann nur zu einem Schluss kommen: Der Gesundheitsschutz hat Vorrang vor dem Recht auf freie Fahrt für Stinker.
Die EU hat den Blickwinkel umgekehrt. Der Luftverschmutzer muss Einschränkungen akzeptieren, nicht die Menschen, die ein Recht auf saubere Luft haben. So war es in den Kneipen mit dem Rauchverbot, so ist es jetzt in den Städten, die mit hohen Stickstoffdioxidbelastungen kämpfen.
In Osnabrück liegt die Stickstoffdioxid-Belastung seit Jahren über dem zulässigen Grenzwert, gottlob mit sinkender Tendenz. 81 Prozent dieses giftigen Stoffes entstehen durch den Autoverkehr an Ort und Stelle - und zwar insbesondere durch alte Dieselfahrzeuge. 1200 der in Osnabrück und Umgebung zugelassenen Dieselautos mit Euro-0- oder Euro-1-Standard stoßen so viel giftiges Stickstoffdioxid aus wie 43 000 Dieselautos neuer Bauart.
Das sollte bedenken, wer die Umweltzone für ein verfehltes Mittel und bürokratisches Monster hält. Zurzeit gibt es kein wirksameres Mittel, die Menschen vor den Stinkern zu schützen.

Autor:
Wilfried Hinrichs


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