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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Von Verkehrsberuhigung keine Spur
Zwischenüberschrift:
Archäologe Bodo Zehm über die Entwicklung der Verkehrswege in der Neustadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bei Kanalbauarbeiten an der Johannisstraße zwischen Petersburger Wall und Rosenplatz kamen 1994 Holzbalken und Mauerreste zum Vorschein. Das Holz konnte auf die Zeit um 1249 datiert werden.

jod Osnabrück. Heute ist die Johannisstraße vor der Johanniskirche für den allgemeinen Durchgangsverkehr gesperrt. Das war in Zeiten der Gründung des Dom-Nebenstifts St. Johann vor tausend Jahren durchaus anders: Alle Arten von Karren und Wagen rumpelten vor der Pforte her, von Verkehrsberuhigung keine Spur. Stattdessen fand der Stadt- und Kreisarchäologe Bodo Zehm bei Grabungen viele Hinweise auf die herausragende Bedeutung dieser Ausfallstraße nach Süden für die weitere Entwicklung der Neustadt und ganz Osnabrücks.
Zehm trug seine Erkenntnisse im Rahmen einer Vortragsreihe aus Anlass des 1000-jährigen Bestehens von St. Johann vor. Der neben Zehm angekündigte Ko-Referent Hauke Feegel habe seine Forschungsarbeiten zum Naturraum um die Jahrtausendwende noch nicht weit genug abgesichert, wie er über Zehm mitteilen ließ, und verzichtete daher auf seinen Vortragsteil. Zehm stellte aber einige von Feegels vorläufigen Ergebnissen dar. Sie zeigten, welchen Einfluss das Höhenprofil von Alt- und Neustadt wie etwa die heute kaum noch wahrnehmbare Erhebung des Osterbergs (" Osterberger Reihe") und insbesondere die Hase und die Niederungen und Sümpfe der auf sie zulaufenden Bäche wie Poggenbach und Riedenbach auf die Anlage von Wegen und Siedlungen gehabt haben könnten.
Zehms eigenes Thema waren die archäologischen Befunde zu den Anfängen der Siedlungs- und Verkehrsentwicklung auf dem Gebiet der heutigen Neustadt. Immer wieder verwies er auf bestehende Erkenntnislücken. Es sei nun einmal so, dass man in einem dicht besiedelten Stadtraum - selbst wenn die Gelder dafür bewilligt würden - nicht systematisch graben könne. Nur bei anstehenden Baumaßnahmen, " wenn sowieso gebuddelt wird", lasse man seine Zunft " ins Loch gucken". So habe man frühmittelalterliche Straßenverläufe und Siedlungsspuren etwa beim Bau der Salzmarkt-Tiefgarage oder bei Kanalbauarbeiten im Zuge der Kommenderiestraße gefunden. " Wir freuen uns schon auf den Neubau der Carolinum-Sporthalle", sagte Zehm, " da werden wir sicherlich unser Wissen um die erste Domburg erweitern können."
Es passiere immer mal wieder, dass er mit den Historikern nicht auf einen Nenner komme, dass Schriftquellen und archäologische Befunde nicht zusammenpassten. Etwa bei den Fundamenten des südlich vorgelagerten äußeren Johannistors, das " nach Aktenlage" 1573 entstand. Dendrologische Untersuchungen der Holzreste hätten jedoch auf das Jahr 1249 verwiesen.
Eins stehe hingegen fest: Der Straßenzug der heutigen Johannis-, Iburger und Frankfurter Heerstraße war der bedeutendste und verkehrsreichste aller Fernstraßen, die Osnabrück berührten. Das habe sicherlich mit der Bistums-Exklave Reckenberg bei Wiedenbrück, am Hellweg als wichtigster Ost-West-Achse gelegen, zu tun, aber auch mit Bischof Bennos Nebenresidenz auf der Iburg. Etwas später, gegen Mitte des 13. Jahrhunderts, bildeten sich zwei weitere südwärts verlaufende Wegeverbindungen heraus, die großenteils archäologisch belegt werden können: die heutige Kommenderiestraße in Richtung Sutthausen und Hagen mit den Silbererzvorkommen im Hüggel, und der Verlauf Holtstraße/ Meller Straße für die Wegebeziehung Richtung Enger und Herford.
Dechant Hermann Wieh als Hausherr freute sich über das rege Publikumsinteresse an diesem ja nicht unbedingt quotenträchtigen Thema. Der Kapitelsaal von St. Johann war bis auf den letzten Stuhl gefüllt, und zwar nicht nur mit Historikern und Archäologen der Osnabrücker Hochschulen, sondern auch mit zahlreichen Johannis-Gemeindemitgliedern, wie Wieh erfreut registrierte. Ein ebenso großes Interesse wünschte er dem nächsten Vortrag in der Reihe am 26. Januar. Dann wird die Archäologin Sara Snowadsky zum Vorgängerbau der heutigen Johanniskirche und den frühen Stiftsgebäuden sprechen.

Autor:
jod


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