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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kein Platz wurde so oft umgestaltet
Zwischenüberschrift:
Bahnhof: Vom Sanierungsgebiet zur modernen Visitenkarte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Der Osnabrücker Bahnhofsvorplatz 1997 kommt heute, gerade einmal 14 Jahre später, wie aus einer anderen Zeit daher. Das Bahnpostgebäude war das einzige an der Südseite des inzwischen vollständig bebauten Platzes. Foto: Sammlung Hellmut Radßat
Osnabrück. Nur 14 Jahre liegen zwischen der " historischen" Ansicht des Bahnhofsvorplatzes und der aktuellen. Und doch meint man, eine Zeitreise durch viele Jahrzehnte zurückgelegt zu haben, wenn man sich in die Zeiten des Bahnpostamtes zurückversetzt und an die wenig strukturiert erscheinenden Bussteige und den Kreisel mit dem wild sprießenden Klatschmohn erinnert wird. Es war die Phase, in der die Stadtgärtner dem Öko-Trend folgten und die Blumen so wachsen ließen, wie sie es wollten.
Von Joachim Dierks - Die letzte in einer langen Kette von Umgestaltungen des Bahnhofsvorplatzes geschah in den Jahren 1999/ 2000. Sie veränderte das Erscheinungsbild der Visitenkarte Osnabrücks stärker als die vorhergehenden. Denn es ging nicht nur um die Neusortierung von Straßen, Bussteigen und Parkplätzen. Die Randbebauung der Südseite des Theodor-Heuss-Platzes wurde komplettiert und so erstmals ein abgeschlossener Platz geschaffen.
Dort, wo auf dem Bild von 1997 der Blick frei über den Kreisel hinweg zum alten Lagergebäude der Papiergroßhandlung Hummel an der Bruchstraße, zur gelb gestrichenen ehemaligen Villa Hummel rechts daneben und zum Geschäftshaus von Rewwer und Oelfke am rechten Bildrand geht, steht seit 2001 der Komplex des Kino- und Freizeit-Zentrums. Architektonisch als durchaus gelungen bewertet, ist das 50-Millionen-DM-Objekt vielen Osnabrücker Handwerkern in nicht so guter Erinnerung, da sie im Zuge der Insolvenz des Bauträgers und Architekten Werner Hülsmeier Geld verloren haben.
In der Mitte des aktuellen Bildes erstreckt sich das ellipsenförmige Stahl-und-Glas-Dach des Busbahnhofs. Es umschließt behutsam die vielen Osnabrückern lieb gewordene Platane. Was ästhetisch anspricht, muss jedoch nicht die optimale Lösung für die alltägliche Nutzung darstellen. Stellflächen für Taxen und den " Kiss-and ride"- Verkehr jener Autofahrer, die ihre Mitfahrer nur kurz absetzen oder aufnehmen wollen, seien zu knapp bemessen, während auf dem großzügigen Busbahnhof meistens gähnende Leere herrsche, lautet ein oft gehörter Vorwurf.
Links vom Kinokomplex steht seit 2001 die Bahnhofsgarage, ein auch von Architekt Hülsmeier entworfenes Parkhaus mit 666 Einstellplätzen auf vier Ebenen. Durch die Materialwahl der Sandstein-Fassade harmoniert es gefällig mit dem Kino-Center. Im Gefolge dieser Neubauten hat das Sanierungsgebiet entlang der Bruchstraße bis zum heutigen August-Bebel- und damaligen Niedersachsenplatz eine wesentliche Aufwertung e rlebt. Das alte Hummel' sche Lagerhaus wurde von dem Lizenzrechte-Händler Sunburst aufwendig renoviert. Das Glück währte nur kurz, 2001 ging Sunburst, begleitet von Betrugsvorwürfen, pleite. Heute haben der DGB und mehrere Einzelgewerkschaften dort ihren Sitz. Die gelbe Villa rechts daneben wurde vom Sanierungsträger Baubecon erworben und abgerissen. Planungen für ein Hotel an dieser Stelle landeten vorerst wieder in der Schublade.
An der Stelle des heutigen Parkhauses stand 1997 das Bahnpostamt. Der massige Klinkerbau aus den 1950er-Jahren symbolisierte jene Zeiten, als Briefe und Pakete noch überwiegend mit der Bahn befördert wurden. Es gab Postwaggons und eigene Nachtpostzüge, in denen die Briefe während der Fahrt vorsortiert wurden. Die heute geforderten kurzen Laufzeiten waren mit diesem System nicht einzuhalten. Seit 1997 setzt die Post nur noch auf Lkw und Flugzeug in Kombination mit hochautomatisierten Briefverteilzentren, die irgendwo auf der grünen Wiese fernab von Bahngleisen angesiedelt sein können.

Autor:
Joachim Dierks


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