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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Neustadt im Winterschlaf
Zwischenüberschrift:
Foto-Pionier Piepmeyer fing eine Feierabendstimmung auf der Johannisstraße ein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Johannisstraße vor 1900 im friedlichen Winterschlaf: Blick von der Einmündung der Schepelerstraße in Richtung der Johanniskirche. Foto: Wilhelm Piepmeyer, entnommen aus: Alt-Osnabrück. Bildarchiv, Hrsg. Wido Spratte, Osnabrück, H. Th. Wenner
Osnabrück. Ein Wintertag auf der frisch verschneiten Johannisstraße. Keine Autopulks im Takt der Ampelschaltungen, keine Fußgänger, kein Räumdienst - einfach nur Frieden. Es scheint, als habe der Winter die Neustadt geradezu in den Winterschlaf versetzt. Nicht einmal die " Elektrische" kann die Idylle stören. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen. Aus den noch nicht vorhandenen Straßenbahngleisen erschließt sich sofort: aha, vor 1906.
Von Joachim Dierks - Und richtig: Der Tabakfabrikant und Amateur-Fotograf Wilhelm Piepmeyer hat diesen Abschnitt der Johannisstraße zwischen Schepelerstraße und Petersburger Wall vor dem Jahr 1900 eingefangen. Gemeinsamer Fluchtpunkt der Häuserfronten ist die Johanneskirche im Hintergrund. Piepmeyer bewegte sich auf heimischem Gebiet. Denn das zweite Haus hinter der Bruchsteinmauer auf der linken Seite ist das seiner Tabakfabrik B. A. Piepmeyer (Nr. 130).
Der Bereich der Johannisstraße vorne im Bild hieß damals noch " Zwischen den Johannistoren". Das eigentliche Johannistor - 1842 abgetragen - lag etwa in Bildmitte im Verlauf der früheren Stadtbefestigung und des heutigen Johannistorwalls. Bei der Verstärkung der Befestigungsanlagen wurde 1573 ein Außentor mit Rondell vorgelagert, das sich auf der Höhe des heutigen Rosenplatzes befand. Zwischen Rosenplatz und Johannismauer verlief die Johannisstraße folgerichtig " Zwischen den Johannistoren". Die Gaststätte Vennemann, auf der rechten Straßenseite unter den heutigen Arkaden zwischen Schepelerstraße und Petersburger Wall gelegen, hat sich neuerdings den Namen " Altes Johannistor" zugelegt, da sie seinem historischen Standort genau gegenüber liegt. Sie trägt die höchste Hausnummer der Johannisstraße, die Nr. 144. Das Nachbarhaus zum Petersburger Wall hin, früher Erdbrink und jetzt Yellow-Möbel, ist die Nummer 1, weil es das erste innerhalb der Stadtmauer war.
Vor 110 Jahren waren Kleinindustrie, Handel, Handwerk und Wohnen eng miteinander verwoben. Einige Kostproben aus dem Adressbuch um die Jahrhundertwende: Da gab es den Glashandel (Deppen, Nr. 70), die Kleiderfabrik (Dresing & Winkler, Nr. 100), die Weißgerberei (Witthaus, Nr. 127), das Lager einer Holzhandlung (Abeken, Nr. 144), die Kupferschmiede (Bomblat, Nr. 111), die Hut-Manufactur (Meyer, Nr. 101), die Pianoforte-Fabrik (Brebeck, Nr. 15) oder die kleine Privatbank (Westerkamp, Nr. 32/ 33).
Und dann natürlich die Zigarrenfabriken. Wenn Bünde/ Westf. das Mekka der deutschen Zigarrenindustrie war, dann war Osnabrück mindestens das Medina. In der Mitte des 19. Jahrhunderts verzeichnete Osnabrück über 30 " Cigarrenfabriken". Die Johannisstraße war mit zehn Produktionsstätten ein Schwerpunkt, wie etwa Firma Carl van Lindt (Nr. 31), Friedrich Wilhelm Winter (Nr. 116) oder die eingangs erwähnte Firma B. A. Piepmeyer (Nr. 130). Nach dem Niedergang der Leinenherstellung und vor der Etablierung der Schwerindustrie waren die Zigarrenfabriken die wichtigsten Arbeitgeber in Osnabrück.
Im Vorstand des Bürgervereins Neustadt ist in der Periode 1914-1918 ein Herr " Bösmann, Zigarrensortierer" als Beisitzer vermerkt. Aufgabe dieser gut bezahlten Fachleute war, die von den " Rollern" hergestellten Zigarren nach Farbe und Blattschattierung in Qualitätsstufen zu gruppieren. " Fehlfarben" wurden deutlich preiswerter abgegeben.

Autor:
Joachim Dierks


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