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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
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Überschrift:
Borgelt steht vor dem Aus
Zwischenüberschrift:
Eisengießerei in Eversburg will Betrieb einstellen - Es wäre das Ende eines Streitfalls
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor dem Ende: Dieses Luftbild aus dem vergangenen Juli zeigt die Eisengießerei Borgelt in Eversburg. Beim nächsten Sommerfoto könnte der Betrieb bereits aufgegeben sein. Archivfoto: Gert Westdörp
Von Michael Schiffbänker - Osnabrück. Ein umstrittenes Osnabrücker Traditionsunternehmen steht vor dem Aus. Bei der Gewerbeaufsicht ist eine Mitteilung der Eisengießerei Borgelt aus Eversburg eingegangen. Darin heißt es, dass die Geschäftsführung beabsichtige, den Betrieb der Gießerei bis zum Frühjahr einzustellen. Das bestätigte ein Sprecher der Gewerbeaufsicht auf Anfrage unserer Zeitung. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren, denn die Besitzerin der Gießerei lehnte einen Kommentar ab.
In der Nachbarschaft hält sich das Gerücht schon länger. Bereits zum Ende des vergangenen Jahres habe die Unternehmensleitung den Mitarbeitern gekündigt, hieß es. Probleme mit der Gewerbeaufsicht seien der Grund. Und technische Mängel, die nur unter hohem Kostenaufwand zu beheben wären. Die meisten Anwohner interessieren sich sehr stark für die Vorgänge rund um die Eisengießerei. Die Gründe liegen in der Geschichte.
Seit mehr als 100 Jahren steht die Firma in Eversburg. Anfangs liegt sie abseits der großen Wohngebiete am Stadtrand. Doch das ändert sich mit jedem neuen Bebauungsplan. Wohnhäuser rücken näher heran, verringern den Abstand zwischen Industrie und Lebensraum. Heute ist die Gießerei umgeben von Wohnhäusern.
Unterdessen läuft die Produktion weiter, mit all ihren Geräuschen, Gerüchen und Dämpfen. Freitags sei es besonders schlimm, berichteten Anwohner. Dann sei Brenntag, und es stinke. Auf die Blumen in manchem Garten legt sich metallisch glitzernder Staub. 1988 baut das Unternehmen eine Entstaubungsanlage ein. Der Ärger mit den Anwohnern bleibt. Sie haben Angst um ihre Gesundheit. Die Firmenchefin weigert sich, das Unternehmen in ein Gewerbegebiet umzusiedeln. " Zu teuer", lautet ihr Argument. Die Bürger beschweren sich weiterhin. Die Gewerbeaufsicht schaltet sich ein, lässt Gutachten erstellen. Das erste erbringt: Die Lärmbelästigung ist zu hoch. Das nächste: Die Erschütterungen, die während der Produktion entstehen, sind zu stark.
Alarmierende Ergebnisse
Weitere Untersuchungen folgen und belegen, dass der Schadstoffausstoß zu hoch ist. Die Messergebnisse sind teilweise alarmierend. Der Wert für das krebserregende Benzol unterschreitet nur knapp den Grenzwert.
Die Sorge der Bürger, gesundheitliche Schäden zu erleiden, wächst - und mit ihr die Wut. Demonstrationen und Proteste nehmen zu. Im Internet formiert sich der Protest unter www.eversburg21.de. Die Firmenführung äußert sich kaum einmal öffentlich. Die Anwohner werfen ihr deshalb mangelnde Gesprächsbereitschaft vor. Gleichzeitig laufen Gerichtsverfahren an. Im April 2009 ordnet die Gewerbe aufsicht an, dass Borgelt Gutachten erstellen muss, wie die Grenzwerte einzu halten sind. Borgelt legt Widerspruch gegen den Sofortvollzug ein - und bekommt recht.
Doch damit ist die Ausein andersetzung noch nicht zu Ende: Juristisch streiten die Parteien inzwischen auf zwei Ebenen - einmal um den Sofortvollzug in zweiter Instanz und einmal in der Hauptsache in erster Instanz. Diese Hauptsache ist: Borgelt will die von der Gewerbeaufsicht verlangten Gutachten grundsätzlich nicht in Auftrag geben und deren Ergebnisse gegebenenfalls umsetzen.
Diese Streitigkeiten könnten alsbald ein Ende finden, wenn aus dem beabsichtigten Betriebsende ein definitives geworden ist.
Autor:
Michael Schiffbänker


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