User Online: 2 | Timeout: 11:35Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Winter am Herrenteichswall
Zwischenüberschrift:
Wo einst die Lepenau-Villa stand, erhebt sich seit 1972 ein 20-stöckiger Wohnturm
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
So blickte man 1901 vom Herrenteichswall in Richtung Gertrudenberg. Rechts die Villa des Chemikers und Industriellen Dr. Wilhelm Lepenau, des Gründers der späteren Wintershall-Raffinerie Salzbergen. Foto von Rudolf Lichtenberg, mit Genehmigung entnommen aus: Alt-Osnabrück. Bildarchiv, Hrsg. Wido Spratte, Osnabrück, H. Th. Wenner
Osnabrück. Es gehört zu den wiederkehrenden Prüfungen für die Fotografen der aktuellen Zeitreise-Vergleichsfotos, dass sie vor lauter Bäumen wichtige Blickbezüge mit wiedererkennbaren Landmarken kaum abbilden können. Immer wieder ist festzustellen, dass heute viel mehr und höhere Bäume als vor hundert Jahren das Stadtbild beherrschen.
Von Joachim Dierks - Das gilt besonders im Sommer, wenn die Bäume be laubt sind. Aber auch im Winter, wie dieses Bilderpaar erkennen lässt. Auf der historischen Fotografie von 1901 ist am Horizont in der Bildmitte das Gertrudenkloster zu erkennen, darunter einige Giebel der Häuser an der Ziegelstraße, und noch etwas darunter der Bahndamm entlang der Karlstraße, die heute in diesem Abschnitt Erich-Maria-Remarque-Ring heißt.
Aktuell ist aus dieser Perspektive weder die seit 1913 höher gelegte Bahnstrecke auszumachen noch irgendetwas von der Bebauung des Gertrudenbergs dahinter. Orientierungshilfe bietet lediglich der links im Bild verlaufende Herrenteichswall, der im Winter 1901 genauso zum Flanieren einlud wie 2010.
Dabei war der Bestand des 500 Meter langen Walls zwischen Pernickelturm und Haarmannsbrunnen - neben den Wehrtürmen das einzige streckenhafte Überbleibsel der mittelalterlichen Stadtbefestigung - mehrfach gefährdet. In den 1890er-Jahren plädierte Stadtbaurat Hackländer für seine Abtragung. Er wollte eine Hauptverkehrsstraße zwischen Hasetor und Hauptbahnhof direkt neben die Hase legen. Dann hätte der Herrenteichswall heute wahrscheinlich ein ähnliches Aussehen wie Hase- oder Heger-Tor-Wall. Erst auswärtige Experten mussten die Osnabrücker Stadtväter davon überzeugen, dass die historische Wallanlage als " Perle Osnabrücks" unbedingt zu bewahren sei. Ein weiterer " Angriff" erfolgte 1972, als im Zuge der Innenstadtsanierung ein Durchbruch vom Nonnenpfad durch den Herrenteichswall über eine neue Hasebrücke zur Hasestraße ins Gespräch kam. Auch er wurde - zum Glück, wie man heute wohl übereinstimmend sagt - abgeschmettert.
Als weniger glücklich dürften die meisten Osnabrücker den Bau des Iduna-Hochhauses direkt neben dem Herrenteichswall empfunden haben. Auf dem aktuellen Bild ist rechts der 1972 errichtete 66 Meter hohe Wohnturm mit den unteren seiner 20 Geschosse zu sehen. Spötter sagen, dass es nur eine Stelle gibt, von der aus das massige Bauwerk die von den mittelalterlichen Kirchtürmen geprägte Silhouette der Stadt nicht stört: wenn man selbst im Iduna-Haus wohnt.
1901 stand etwa an gleicher Stelle die Villa Lepenau. Dr. Wilhelm Lepenau (1838- 1901) ließ sie errichten, nachdem er 1860 die Erdölraffinerie Salzbergen gegründet hatte und damit zu Geld gekommen war. Lepenau entwickelte das nach ihm benannte Leptometer, mit dem man die Viskosität von Ölen bestimmen kann. Von 1893 bis zu seinem Tode 1901 lebte der Chemiker jüdischer Herkunft an der Karlstraße. Später ging die Villa in die Hände der Familie Wiemann über, der der berühmte Schauspieler Mathias Wieman (1902- 1969) entstammte.

Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste