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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Milde Gaben für immer mehr Arme
Zwischenüberschrift:
Dezember 1910: Rathaus-Umbau teurer als erwartet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Bocksmauer war vor 100 Jahren die Adresse für Not und Elend. In diesen Armenhäusern lebten die Menschen, die auf die Wohlfahrt angewiesen waren. Foto: Archiv
Osnabrück. Obwohl Osnabrück vor 100 Jahren schon ein Elektrizitätswerk hatte, gab es in der Stadt noch Gasleuchten. Nachts und nach Geschäftsschluss machten die Straßen einen trübseligen Eindruck, schrieb ein Leser der Tageszeitung. Es gab noch keine Bogenlampen. Bei der aktuellen Finanzlage war aber an den Ausbau der Straßenbeleuchtung nicht zu denken.
Von Christiana Keller - Auf 100 000 Mark jährlich wurde die gewünschte Verbesserung geschätzt, und so viel Geld stand nicht zur Verfügung. Nur wenn sich der Strom wesentlich verbilligen würde, war an eine Umstellung und flächendeckende Elektrifizierung zu denken.
" Das Nahen der Weihnachtszeit kündigt sich durch die verschiedensten Erscheinungen an", schrieb der Lokalreporter vom Osnabrücker Tageblatt im Dezember 1910. Nicht nur die Dekoration in den Geschäften wies darauf hin, auch die verlängertenÖffnungszeiten und vor allem die öffentlichen Bitten um Zuwendung milder Gaben für Arme, Kinder, Waisen und Leidende. Fast erschien es, als ob die Zahl der Weihnachtsbitten von Jahr zu Jahr größer würde.
Auch die von den Städten zu tragenden Armenlasten wuchsen beständig an. Der Reporter zählte alle Institutionen in der Stadt auf, die auf Spenden und gute Gaben angewiesen waren. Die Unterstützung der heimischen Firmen und Geschäfte, da war sich der Verfasser sicher, würde am meisten dazu beitragen, die Armut in der Stadt und im Lande zu lindern. Vor Ort nütze der Kauf den Mitbürgern, schaffe Arbeitskräfte und trüge zum allgemeinen Wohlstand bei.
Das Theaterpublikum wurde mit der " Försters- Christel" und " Hänsel und Gretel" auf das Weihnachtsfest eingestimmt. Mit einem besonderen Aufruf in der Tageszeitung wurde das " geehrte Publikum" darauf aufmerksam gemacht, dass kein Märchenspiel, sondern Humperdincks Oper aufgeführt wurde.
Nach fünf Jahren hatte am 1. November wieder einmal eine Volkszählung stattgefunden. Es gab insgesamt 62 822 Menschen in der Stadt und deutlich mehr Frauen als Männer. Seit 1905 lebten 6242 Personen mehr in der Hasestadt.
Noch vor dem Fest wurden die ersten Bauarbeiten am Blumenhaller Weg in Angriff genommen, denn die Straße sollte verbreitert werden. Nun bot sie einen trostlosen Anblick, denn die großen Alleebäume waren zum größten Teil gefällt worden. " Hoffentlich", so schrieb ein Leser des Osnabrücker Tageblattes, " wird für Wiederanpflanzung größerer Bäume gesorgt!"
Ausgerechnet am Samstag vor Weihnachten, dem verkehrsreichsten Tag des Jahres, begannen Pflasterarbeiten zwischen den Gleisen der Elektrischen und dem Straßenpflaster der Großen Straße. Leserbriefschreiber nannten die mangelhafte Baustellenkoordination einen Schildbürgerstreich. Was daran so dringend gewesen sei, musste sich die zuständige Behörde fragen lassen, in anderen größeren Städten verlege man solch umfangreiche Arbeiten auf andere Termine oder wenigstens in die Nachtstunden.
Noch im alten Jahr schlugen bei den städtischen Kollegien die Wogen hoch. Seit einigen Wochen wurde das Rathaus renoviert, und " plötzlich" stand eine Nachforderung von über 21 000 Mark im Raum. Die 60 000 Mark Umbaukosten hatte man schon vor längerer Zeit genehmigt. In Zeiten leerer Kassen war eine solche Nachforderung schwer zu vermitteln. Stadtbaurat Lehmann erklärte, dass das alte Gebäude doch maroder gewesen sei, als man gedacht hätte, und so manche Arbeitsleistung war somit nicht im Voraus zu planen gewesen.
Die Umgestaltung der Nebenzimmer des Friedenssaals in Kommissionsbüros stand im Zentrum der Aus einandersetzungen. Teurer war auch der Teilausbau des Dachgeschosses geworden, wo sich Büros befanden, die auch zur Aktenaufbewahrung dienten. Einige Bürgervorsteher stellten die Frage, warum mit dem Umbau auch neues Inventar notwendig gewesen sei, man hätte auch noch für Jahre " billig weiter sitzen" können, ohne der Würde des Ganzen zu schaden. Oberbürgermeister Rißmüller verteidigte die Mehrkosten, so sei es eben bei jedem Umbau eines alten Gebäudes. Das historische Rathaus verpflichte überdies die Bewahrer besonders auf würdige Ausführung aller Arbeiten.
Am Hasetor versammelten sich am 21. Dezember etwa 60 Wandervögel und zogen zu ihrer Wintersonnenwendfeier hinaus zum Steinkamp. Mit Fackeln und zum Klang eines Marschliedes ging es hinauf zu einem vorbereiteten Holzstoß, den man der Stiftung eines Gönners verdankte. Ein Wandervogel hielt die Feuerrede, und begeistert stimmten die Anwesenden in das " Heil" auf das deutsche Vaterland ein.
Autor:
Christiana Keller


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