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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Drei Religionen unter einem Schuldach
Zwischenüberschrift:
Der Rat macht den Weg für die "trialogische" Johannisschule frei
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Im Schatten der Kirchtürme von St. Johann: die Johannisschule an der Süsterstraße. Foto: Michael Hehmann
Osnabrück. Im August 2012 wird die Johannisschule zu einer " trialogischen Grundschule". Dann sollen dort Kinder der drei sich auf den Stammvater Abraham beziehenden Religionen Judentum, Christentum und Islam gemeinsam unterrichtet werden. Träger dieser neuen Modellschule wird die Schulstiftung des Bistums Osnabrück. So hat es der Rat der Stadt Osnabrück am Dienstagabend beschlossen.
Von Frank Henrichvark - Nachdem der zuständige Fachausschuss des Rates sich zuvor nicht auf einen Beschluss einigen konnte, legten die drei Fraktionsvorsitzenden Fritz Brickwedde (CDU), Thomas Thiele (FDP) und Michael Hagedorn (Grüne) einen gemeinsamen persönlichen Antrag vor. Dessen Kern war die Überlassung des Schulgebäudes der Johannisschule an die bischöfliche Schulstiftung für die trialogische Grundschule bei Aufteilung der anfallenden Betriebskosten zu zwei Dritteln auf die Stadt Osnabrück und einem Drittel auf die Kirche. Damit wurden die Konditionen gegenüber dem bisherigen Verhandlungsstand noch einmal nachgebessert.
Hintergrund für das Antragsverfahren: Offenbar war zumindest die Fraktion der Grünen in dieser Frage gespalten, weshalb denn auch der SPD-Fraktionsvorsitzende eine geheime Abstimmung verlangte. Am Ende konnte der Ratsvorsitzende Josef Thöle nach einer langen und konzentrierten Debatte mit 15 Wortmeldungen das Ergebnis der geheimen Abstimmung verkünden: Mit 25 zu 21 Stimmen kam damit eine über ein Jahr währende Kontroverse zum Abschluss.
Zuvor hatten Befürworter und Gegner noch einmal ihre Argumente ausgetauscht. Fritz Brickwedde sprach von einer " einmaligen Chance", in Osnabrück ein Modellprojekt zu verwirklichen. Es sei ein Schritt zu mehr Integration, wenn Kinder aus drei Religionen gemeinsam ihren Glauben leben, zusammen feiern und darüber einander ernst nehmen könnten. Thomas Thiele nannte die neue Schule ein " Zusatzangebot" und wegen ihres Modellcharakters einen " Gewinn für alle".
Sprecher der SPD hielten dagegen, das Miteinander der Bekenntnisse und Religionen sei ohnehin in jeder Gemeinschaftsgrundschule gelebte Praxis. Paul Meimberg (SPD) warnte davor, als Privatschule mit Aufnahmekriterien werde die trialogische Grundschule eine spezielle bildungsorientierte Klientel ansprechen und damit zulasten anderer Grundschulen " privilegiert sein".
Die Position der Verwaltung stellte Oberbürgermeister Boris Pistorius heraus: Zwar sei das Konzept grundsätzlich nicht schlecht, allerdings werde das Miteinander der Religionen an jeder Grundschule gelebt. Vor diesem Hintergrund müsse die Stadt auch die Kosten bedenken. " Im Ergebnis zahlen wir das Sechsfache für ein Konzept, das andere Schulen auch leisten können", sagte Pistorius, " das Bistum bestimmt die Inhalte, und deshalb ist es keine ökumenische Schule."
Unterdessen hat die evangelische Kirche sich verhalten geäußert: Sie nähmen den Beschluss zur Johannisschule " mit Verwunderung zur Kenntnis", sagten Landessuperintendent Burghard Krause und Stadtsuperintendent Friedemann Pannen: " Damit gestattet die Stadt Osnabrück der katholischen Seite, was der evangelischen Kirche in Eversburg verweigert worden ist." Die Begründung lautete im letzten Jahr auch, man wolle keine neuen konfessionellen Privatschulen in der Stadt.

Kommentar
Ein Versuch
Von Frank Henrichvark - Modellprojekt für die Integration der Religionen? Oder nur eine weitere Privatschule für Kinder jener Eltern, die es sich leisten können? Um diese Frage ist lange gestritten worden. Am Ende konnte es zwar keine Einigkeit geben, aber doch immerhin eine eindeutige Entscheidung.
Damit ist der Weg frei für einen Versuch, auf dessen Ergebnisse schon allein wegen seiner Einzigartigkeit viele Beobachter gespannt sein dürften. Und was wäre gegen das Miteinander von jüdischen, christlichen und muslimischen Kindern schon ernsthaft einzuwenden gewesen?
Unbeantwortet bleibt derzeit nur der Argwohn, hier könnten sich wieder einmal die ohnehin besser Gestellten und besser Integrierten eine soziale Kuschelecke für ihre Kinder schaffen und damit der harten Wirklichkeit ausweichen. Auf Kosten der verbleibenden Restschulen, die deshalb die Last zu tragen haben.
Wer so argumentiert, muss auch Zahlen sehen: Künftig wird die Johannisschule vielleicht 50 Kinder pro Jahrgang haben statt derzeit 26. Bezogen auf den Jahrgang ein Zuwachs von 1, 8 Prozent. Und das ist nicht viel.

Autor:
Frank Henrichvark


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