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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Schulweg - so weit die Füße tragen
Zwischenüberschrift:
Eltern kritisieren widersprüchliche Informationen von Schulträgern und Verkehrsbetrieben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Einen unverhofften Ferientag, den hatten sich viele Schüler am Montagabend noch erträumt, aber daraus wurde nichts. Der Weg zur Schule wurde aber für viele Kinder und Jugendliche problematisch. Eltern kritisieren mangelhafte Koordination zwischen Verkehrsbetrieben und Schulträgern. Fotos: Michael Hehmann
Osnabrück. Der Schulunterricht in Osnabrück fand gestern statt. Und das, obwohl die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) wegen des Schneefalls vom Montagabend den reibungslosen Schülertransport nicht zusagen konnte. Hätten Stadt und Landkreis die Schule absagen müssen? Diese Frage wurde am Dienstag heftig diskutiert.
" Das Profil ist noch tiefer als gesetzlich vorgeschrieben"
André Kränzke, Leiter vom Verkehrsbetrieb

Von Wilfried Hinrichs - Hans-Georg Freund, Leiter des Fachbereichs Schule der Stadt, stand gestern Nacht um 4 Uhr vor einer schweren Entscheidung. " Ich habe mich sehr schwergetan", räumt er ein. Freund trägt die Verantwortung allein. Nach zahlreichen Telefonaten mit Einsatzzentralen und Leitstellen schien ihm die Lage " nicht so extrem". Hätte er besser absagen sollen? Er holte sich Informationen von der Polizei, dem Bauhof, der Leitstelle des Landkreises, der Feuerwehr und vom Verkehrsbetrieb der Stadtwerke.
Der Krisenstab der Stadtwerke hatte allerdings schon montagabends die Empfehlung ausgesprochen, die Schulen geschlossen zu halten. Die Entscheidung dazu vertagten Landkreis und Stadt Osnabrück aber auf den Dienstagmorgen. " In einer solch angespannten Wettersituation kann die VOS nicht die für den Schülerverkehr notwendigen Gelenkzüge einsetzen - und damit auch nicht die Masse an Fahrgästen befördern, die zur Hauptverkehrszeit am frühen Morgen unterwegs sind", so Dr. Stephan Rolfes, Vorstand der Stadtwerke Osnabrück. Das habe übrigens nichts mit falscher Bereifung der Busse zu tun, wie Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke betonte. Ein kommunales Unternehmen halte sich an die gesetzlichen Vorschriften. Die Stadtwerke setzten M+ S-Reifen für Matsch und Schnee ein. " Wir übertreffen in Sachen Profiltiefe sogar noch die gesetzlichen Vorgaben", so Kränzke. Die Folge der reduzierten Buskapazitäten am Morgen: Viele Schüler blieben an den Haltestellen stehen.
Freund hielt dagegen, der Bauhof habe ihm gemeldet: " Die Hauptstraßen haben wir im Griff." Auch die Leitstelle des Landkreises meldete ihm in der Nacht, es gebe keine großen Probleme. Die Polizei schätzte die Lage als " nicht so extrem" ein.
Auch im Landkreis gab es keine Schulabsage. Kreis-Sprecher Jürgen Menkhaus sagte, der Busverkehr im Umland sei " sehr überwiegend gefahren". Das sei der entscheidende Faktor bei der Frage, ob die Schule abgesagt werden müsse. Menkhaus: " Es war nicht so katastrophal." Die betroffenen Eltern sahen das nicht ganz so entspannt. In Hagen waren zum Beispiel Weser-Ems-Busse nicht zu allen Haltestellen gefahren. Der Landkreis hatte offenbar erwartet, dass das Busunternehmen die betroffenen Schulen informiert, Weser-Ems-Bus hatte dagegen den Landkreis in der Pflicht gesehen. Heike Frommeyer-Brand aus Hagen, Mutter einer Tochter, die vergeblich auf den Bus nach Georgsmarienhütte gewartet hatte: " Ich denke, dass an mehreren Stellen ein Kommunikationsproblem liegt und für die Entscheidung über einen Schulausfall zwingend auch der Weser-Ems-Busverkehr berücksichtigt werden muss."
Die von der NOZ befragten Schulen im Stadtgebiet Osnabrück meldeten durchweg volle Klassen, wenn auch nicht gleich zur ersten Stunde. Ursula-Schulleiter Rolf Unnerstall konstatierte Normalbetrieb. Karl Große-Kracht, Direktor der Angelaschule, begann in der ersten Stunde zwar mit " gefühlten 50 Prozent". Dann aber füllten sich die Klassen. Manche Schulsekretärin raufte sich nach ungezählten Entschuldigungstelefonaten die Haare. Ilona Bockstette vom Berufsschulzentrum Westerberg beklagte ein Informationsdefizit bei Eltern und Schülern. Und sie wünschte sich etwas mehr Initiative. Ein Berufsschüler, der am Neumarkt keinen Anschlussbus bekommt, könnte die letzten Kilometer zur Schule auch mal zu Fuß bewältigen.
Leitlinien sehen vor, dass bis 5 Uhr eine Entscheidung über den Schulausfall gefallen und an die Polizeidirektion gemeldet sein soll. Die Polizei teilt den Medien dann die Absage schriftlich per Fax mit. Spätestens um 6 Uhr sollen Rundfunksender und Online-Medien melden können, ob die Schüler im Bett liegen bleiben können.
Hans-Georg Freund weist darauf hin, dass viele berufstätige Eltern darauf angewiesen sind, dass ihre Kinder in der Schule betreut werden. Auch das müsse bei einer Schulabsage berücksichtigt werden. Aber auch bei ihm sind Beschwerden von Eltern eingegangen. " Ich weiß nicht, ob eseine richtige Entscheidung war."

Kommentar
Klare Infos fehlten
Von Michael Schwager - Im Winter wird weiterhin mit Schneefall zu rechnen sein. Deshalb werden die Schulträger Stadt und Landkreis gemeinsam mit allen beteiligten Verkehrsunternehmen dafür eine funktionierende Strategie entwickeln müssen.
Wichtig: Die Information von Eltern und Schülern muss künftig möglichst früh und eindeutig erfolgen. Wenn wie am Montag schon abends klar ist, dass nicht genügend große Busse fahren können, wäre ein späterer Schulbeginn eine Alternative zum totalen Schulfrei. Wenn der Berufsverkehr durch ist, reichen auch kleinere Busse.
Die Hemmschwelle, die Schule wegen des Wetters ausfallen zu lassen, sollte hoch bleiben. In unklaren Situationen nimmt den Eltern ohnehin niemand die Entscheidung ab, ob sie ihr Kind zur Schule schicken.

Autor:
Wilfried Hinrichs


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