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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Zeitreise in Moor und Heide
Zwischenüberschrift:
Fachbereich Biologie bekommt 200 Jahre altes Herbarium aus Hunteburg
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In dicken Folianten und auf losen Blättern ist die fast 200 Jahre alte Pflanzensammlung überliefert. Foto: Uwe Lewandowski
Osnabrück. Als die Moore noch nicht trockengelegt waren und der Kunstdünger noch nicht erfunden, hatte die Landschaft in unseren Breiten ein anderes Gesicht. Auf den Wiesen und den weiten Heideflächen muss es damals andere Pflanzen gegeben haben, die auch mit weniger Stickstoff auskamen. Beweise für diesen Biotopwandel liefert ein historisches Herbarium, das jetzt auf verschlungenen Wegen in die Sammlung der Biologie an der Uni Osnabrück gefunden hat.
Von Frank Henrichvark - Auf einem Dachboden eines alten Bauernhauses in Hunteburg nordöstlich von Osnabrück machten Heimatforscher einen sensationellen Fund: Ein Herbarium aus der Zeit um 1830, angelegt von dem Tierarzt Johann Hermann Horst (1777 bis 1863). Etwa 1500 Pflanzen, getrocknet, gepresst und auf einem Blatt Papier aufgeklebt, hatte der offenbar wissenschaftlich vielseitig interessierte Privatgelehrte damals in seiner engeren und weiteren Heimat gesammelt.
Allerdings waren die Folianten und losen Blätter in einem bedauernswürdigen Zustand. Er habe die Papierstapel und Bücher auf dem Dachboden gerettet, als aufgeräumt werden sollte, berichtet Peter Gausmann vom Heimatverein Hunteburg: " Erst ganz langsam wurde uns klar, worum es sich eigentlich handelte."
In blaue Müllsäcke verpackt, so kamen die Papierstapel zunächst ins Staats archiv nach Osnabrück und von dort dann weiter in die Universitäts-Biologie am Westerberg, wo die Botanikerin Prof. Barbara Neuffer das gesamte Herbarium des Fachbereichs Biologie der Uni Osnabrück verwaltet. Mittlerweile ist das Horst-Herbarium gereinigt, konserviert und weitgehend erschlossen. Die Arbeiten einer wissenschaftlichen Hilfskraft finanziert die Haarmann-Stiftung mit rund 10 000 Euro.
Bislang konnten die Biologen die frühe wissenschaftliche Beschäftigung mit der Flora der norddeutschen Tiefebene in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur indirekt erschließen. Denn in einer 1836 gedruckten Botanik des Königreichs Hannover werden auch immer wieder Pflanzen-Belege aus Hunteburg genannt. Offenbar war der wissenschaftlich vielseitig interessierte Tierarzt Horst aus Hunteburg dieser Zuträger für diese frühe Publikation.
" Dieser Fund schließt eine Wissenslücke über die Flora der damaligen Zeit", hebt Barbara Neuffer hervor. So könne auch der Wandel der Landnutzung und der damit verbundenen Artenverschiebung untersucht werden. Denn in einer detaillierten Liste hat der Tierarzt Johann Hermann Horst damals auch aufgelistet, von welchen Fundorten die Pflanzen stammen und um welche Arten es sich handelt. 727 Arten sind darin verzeichnet, der Katalog dürfte die damalige Pflanzenwelt der Region um Hunteburg vollständig erfassen.
" Diese Liste gibt einen kompletten Überblick über die Flora der Region zu Beginn des 19. Jahrhunderts und stellt somit eine einzigartige Dokumentation der pflanzlichen Biodiversität im nordwestdeutschen Tiefland dar", sagte dazu Dr. Walter Bleeker, Präsident des Naturwissenschaftlichen Vereins Osnabrück. Der Verein bereitet jetzt eine digitalisierte Publikation des Horst-Herbariums als Sonderband der Osnabrücker Naturwissenschaftlichen Mitteilungen vor.
Autor:
Frank Henrichvark


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