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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Umweltzone wirkt - auch bei uns?
Zwischenüberschrift:
Weniger giftiges Stickstoffdioxid in der Osnabrücker Luft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Umweltzone in Osnabrück wird ab Januar um eine Stufe verschärft. Dann werden Autos mit roter Plakette ausgesperrt. Schon jetzt zeigt sich: Die Stickstoffdioxid-Belastung sinkt kontinuierlich. Foto: Gert Westdörp
Osnabrück. Weniger Gift in der Osnabrücker Luft: Die Belastung mit dem gefährlichen Stickstoffdioxid liegt zwar immer noch über dem EU-Grenzwert, sinkt aber seit Monaten kontinuierlich. Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt, führt das auf bessere Autos und die Umweltzone zurück. Beweise gibt es dafür noch nicht.
Von Wilfried Hinrichs - Die Umweltzone ist vor allem wegen der überhöhten Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) eingeführt worden. Pro Jahr sank der Wert in Osnabrück im Schnitt um zwei Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In diesem Jahr - mit Umweltzone - reduzierte sich der NO2-Wert um drei Mikrogramm. Liegt es an der Umweltzone? " Ich bin davon überzeugt", sagt Gerdts.
Modellrechnung
Einen Hinweis, welchen Einfluss die Einführung des Sperrgebietes Anfang dieses Jahres hatte, wird die Modellrechnung des Gewerbeaufsichtsamtes Hildesheim geben, die bis März vorliegen soll. Die Experten messen nicht, sie berechnen die Stickstoffdioxid-Belastung für alle Straßen der Stadt. Grundlage sind die Messergebnisse vom Schlosswall und das " Handbuch Emissionsfaktoren des Umweltbundesamtes für den aktuellen Fahrzeugbestand" (HBEFA 3.1). Dieses Handbuch schlüsselt exakt auf, wie sich der Kraftfahrzeugverkehr in Deutschland zusammensetzt. Wenn man dann auch weiß, wie viele Autos wann durch Osnabrück rollen, wie hoch die Häuser sind, die Straßenbeläge beschaffen sind, wie die Winde wehen oder wie viele Kamine in einem Viertel qualmen, ist die Stickstoffdioxid-Belastung ziemlich genau zu beziffern. " 35 Faktoren gehen in die Rechnung ein", erklärt Gerdts.
Auch im Ruhrgebiet
In Hannover ist schon gerechnet worden. Die Ergebnisse sollen noch vor Weihnachten veröffentlicht werden. Wie es intern heißt, sind die Stickstoffdioxid-Werte in Hannover durch die Umweltzone gesunken. Diese Tendenz zeigt sich auch im Ruhrgebiet, wie das nordrhein-westfälische Umweltministerium im November darlegte. Von 2008 auf 2009 ging die Belastung dort um 15 Prozent zurück, obwohl es in kleinräumigen Umweltzonen höhere NO2-Werte gab. Die Verschärfung und Ausdehnung der Umweltzonen werde nach neuen Prognosen die Belastung weiter reduzieren, so das Umweltministerium.
In Münster, wo die zweite Stufe der Umweltzone schon gilt, registrierte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) eine " deutliche Abnahme" der NO2-Werte am Messpunkt Weseler Straße.
In Münster dürfen nur noch Autos mit gelber oder grüner Plakette die Umweltzone befahren. Osnabrück wird diese zweite Stufe im Januar scharf stellen. Ausgesperrt werden dann ältere Dieselfahrzeuge der Euronorm 2. Die machen zwar nur drei Prozent des gesamten Fahrzeugbestandes in Stadt und Landkreis Osnabrück und im Kreis Steinfurt aus, sind aber die schlimmsten Stinker. Deren Anteil am Gesamtverkehr geht ständig zurück. Klar: Irgendwann sind die Autos altersschwach und werden durch moderne ersetzt.
Gewissheit erst 2012
Gewissheit über den Effekt der Umweltzone in Osnabrück erwartet Detlef Gerdts erst 2012. Dann müssen auch die gelben Plaketten draußen bleiben, und dann müssten die NO2-Werte endlich den von der EU vorgegeben Grenzwert erreichen.
Einer der lautesten Kritiker der Umweltzonen ist Achim Fahnenschild aus Hannover, der die Spitzen aller Umweltzonen-Städte mit Schrieben bombardiert und vor Irrtümern warnt. Eines seiner Argumente: Die Umweltzonen führten dazu, dass sich die Menschen jetzt Euro-5-Diesel kauften, statt auf die absolut sauberen Euro-6-Autos zu warten, die ab 2013 auf den Markt kommen.

Kommentar
Umsonst aufgeregt
Von Wilfried Hinrichs - Es ist zu früh, über die Umweltzone zu urteilen, auch wenn positive Tendenzen sichtbar werden. Fest steht nur: Aufregung und Schwarzmalerei vor der Einführung waren überzogen. Der Einzelhandel spürt keine Umsatzrückgänge, die Handwerker arrangieren sich mit den Ausnahmegenehmigungen, die Touristen kommen trotz Umweltzone. Und Arbeitsplätze sind offenbar auch nicht verloren gegangen, zumindest ist kein Fall bekannt.
Wenn ab 2014 endlich die Euro-6-Autos auf den Markt kommen, wird sich die Umweltzonen-Debatte bald in Luft auflösen. Und wenn die Bundesregierung diese Norm viel eher zur Pflicht gemacht hätte, wären viele Umweltzonen und die Aufregung darum gar nicht entstanden.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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