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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Einkaufen bei Hertie
Zwischenüberschrift:
Etwas andere Heimatgeschichten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
fhv Osnabrück. Was waren das für Zeiten: als Jungen mindestens bis zum Alter von 14 Jahren noch kurze Lederhosen trugen, als der Frankfurter Kranz und eine Kreation mit dem Namen " Kalter Hund" (komponiert aus geschichteten Leibniz-Keksen und einer Schoko-Palmin-Creme) die Kaffeetafel verschönten. Und als Oberinspektor Stefan Derrick im Fernsehen zuverlässig die Verbrecher fing. Es waren die 70er-Jahre.
Maik Grawenhoff (Jahrgang 1968) hat seine Sommerferien in den 70er-Jahren bei seinen Großeltern, bei " Oma Anni" und " Opa Theo" an der Kokschen Straße, verbracht. Jetzt hat er seine Erlebnisse von damals aufgeschrieben: Und mit dem Abstand von 35 oder fast 40 Jahren erscheinen die Ferienerlebnisse von damals wie Reisen in eine fremde Welt. Des doppeldeutigen Titels " Ferien in der Wüste" - der nur einem Osnabrücker nicht doppelsinnig vorkommt - hätte es dazu fast gar nicht bedurft.
Szenen aus dem Familienleben einer 60er/ 70er-Jahre-Gesellschaft, in der alles noch geregelt ist: Die Oma kümmert sich um den Haushalt und den Einkauf. Opa Theo legt Wert auf geregelte Essenszeiten und seinen Frühschoppen bei " Drees" in der Kurzen Straße, wohin ihn der Enkel sogar begleiten darf.
Alltagsgeschichten also. Spaziergänge durch die Wüste, zum Spielplatz auf den " Hindenburgplatz" vor dem Arbeitsamt, der heute Willy-Brandt-Platz heißt, oder zum Einkaufen bei Hertie am Neumarkt. Geschichten vom Nachbarn mit dem Spitznamen " Affenschnute", der stundenlang regungslos, auf ein Sofakissen gestützt, aus dem Fenster guckt, vom grausligen Kohlenkeller oder dem geschäftstüchtigen Fernsehreparateur. Der Rosenplatz verdient noch diesen Namen, die Besichtigung des Bucksturms inklusive Johanniskasten kostet 50 Pfennig für Erwachsene, " Kinder frei". Und auch den berühmten Osnabrücker Springbrötchen widmet Maik Grawenhoff ein ganzes Kapitel. Der Autor - er lebt heute als Ministerialbeamter in Sachsen-Anhalt - bekennt, auch heute noch gebe es für ihn keinen " Heimatbesuch" ohne diese leckeren Springbrötchen.
Und das etwas aus der Mode gekommene Wort Heimat ist vielleicht der Schlüssel zu diesem unspektakulären Erinnerungsbuch: Heimat ist die unverlierbare Kindheit, die wir alle in uns tragen. Wer vor 30 oder 40 Jahren in dieser Stadt groß geworden ist, findet sie hier wieder.
Maik Grawenhoff: Ferien in der Wüste. Osnabrücker Kindheitserlebnisse aus den 70er-Jahren. 128 Seiten mit Abbildungen, Rasch Verlag, 9, 90 Euro.
Autor:
fhv


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