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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Güterbahnhof unter Volldampf
Zwischenüberschrift:
Im Wirtschaftswunder gehörten Güter auf die Bahn, und der Stahl kam aus Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:

Viele kleine Fiat 500 auf der Ladestraße des Osnabrücker Güterbahnhofs sind ein Beispiel für die Vielfalt des Güterumschlags, der hier 1960 noch herrschte. Foto: Hellmut Radßat
Von Joachim Dierks - Osnabrück. Alte Stahlwerker und Eisenbahner verdrücken vermutlich ein paar Tränen der Rührung, wenn sie die rauchenden Schlote des Kesselhauses und der Lokomotiven sehen. Vor 50 Jahren spielten die Stahl erzeugende Schwerindustrie und die Bahn für den Gütertransport noch eine bedeutende Rolle - auch in Osnabrück.
Der Güterbahnhof im Fledder war seit 1913 der zentrale Umschlagplatz für Güter aller Art geworden. Noch spielte der Lkw-Verkehr eine Nebenrolle. Auch bei Autotransporten. Wenn ein Osnabrücker Autohändler Neuwagen bestellt hatte, holte er sie von der Ladestraße im Güterbahnhof ab. Auf dem Foto von 1960 handelt es sich vermutlich um eine Sendung aus Turin oder Heilbronn für den Osnabrücker Fiat-Händler Beinecke. Die vielen kleinen Fiat 500 wurden über eine " Kopframpe" vom Transportwaggon entladen. So ein " Cinquecento" kostete übrigens damals 2990 DM, ohne die aufpreispflichtige Heizung. Der Fiat 500 galt als der italienische Volkswagen.
Der heute pensionierte Eisenbahner Hellmut Radßat, der diese Aufnahme 1960 aus dem Führerstand seiner Lok heraus schoss, war 43 Jahre Lokomotivführer, davon die ersten 20 Jahre nur auf Dampfloks. Osnabrück hatte 1960 noch zwei Betriebswerke, das " BW Hauptbahnhof" und das " BW Rangierbahnhof". Zwischen dem Personal herrschten unterschwellige Rivalitäten, erinnert sich Radßat. War es doch ein Unterschied, ob man " oben" im BW Hbf (" Kamerun") die Schnellzüge fuhr oder " unten" im BW Rbf " nur" Personenzüge und Güterzüge.
Im Juli 1997 stellte die Deutsche Bahn den Betrieb auf dem Güterbahnhof ein. Für den Transport von Stückgut und einzelnen Waggonladungen hatte sich die Bahn als zu langsam und unflexibel im Vergleich zum Lkw erwiesen. Das 15 Hektar große Areal stand zum Verkauf. Verschiedene Nutzungen wurden erwogen, darunter als Wohngebiet, als eine neue Heimat für das Bus-Depot der Stadtwerke und der denkmalgeschützte Ringlokschuppen von 1913 als Veranstaltungshalle. Daraus wurde bislang nichts. Eine junge alternative Kleinkunst- und Kneipen-Szene siedelte sich rings um die alte Güterabfertigung an. Vor Kurzem erwarben zwei Immobilienkaufleute das Gelände.
Im Hintergrund der historischen Aufnahme ist der lang gestreckte Gebäudekomplex des Stahlwerks zu erkennen. Es wurde 1868 errichtet, um das in Georgsmarienhütte produzierte Roheisen zu Stahl zu veredeln. 1923 übernahm der Klöckner-Konzern das Stahlwerk, das in seinen besten Zeiten 6000 Arbeitsplätze bot. Der Strukturwandel in der westdeutschen Schwerindustrie bescherte dem Standort Osnabrück einen steten Rückgang an Beschäftigten und Produktionsfeldern. Im Mai 1988 war der Ofen aus, der Elektro-Lichtbogen-Ofen wurde stillgelegt, und auch die Schmiedebereiche wurden zurückgefahren. Erhalten blieb der auf dem aktuellen Bild erkenntliche Hallenkomplex, der unter dem Namen Magnum mechanische Bearbeitung und Behälterbau betreibt. Seit 1998 gehört IAG Magnum zur Georgsmarienhütte Holding.
Autor:
Joachim Dierks


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