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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Abitur auch für Mädchen?
Zwischenüberschrift:
Osnabrück hatte 1910 nur Jungenoberschulen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bildung für Mädchen war vor 100 Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Das Foto von 1908 zeigt Hanna, eine Schulanfängerin. Foto aus dem Buch " Getreuer noch als wie im Spiegel . . ."
Osnabrück. Sollen Mädchen Abitur machen? Diese Frage erregte vor 100 Jahren die Gemüter. Es gab zwar Oberschulen, aber die waren den Jungen vorbehalten.
Von Christiana Keller - Die Einrichtung einer Mädchenoberschule hatte sich als zu kostspielig erwiesen, und eine Petition war bereits abschlägig beschieden worden. Professor Wychgram aus Lübeck, der zu dem brisanten Thema einen Vortrag in Osnabrück hielt, empfahl dennoch den zuständigen Stellen, die begabten jungen Mädchen in die höheren Knabenschulen einzuschulen. Eine andere Lösung zur Fortbildung junger Mädchen war unter den gegebenen Umständen in Preußen nicht zu erreichen.
Man sträubte sich gegen die gemeinsame Beschulung hauptsächlich aus einem Grunde, den der Professor klar benannte. Nach einer Phase der allgemeinen Bildung folgte in der Oberschule für die Knaben die Spezialisierung auf den späteren Beruf, während für die Mädchen lediglich die " Profession" zur Mutter und Hausfrau vorgesehen war. Im Lyzeum wurden andere Schwerpunkte gesetzt als in der Knabenoberschule. Die Kenntnisse für die Mädchen wurden nur auf ein " anderes Niveau" gehoben, blieben aber auf einen möglichen späteren Lehrerinnenberuf bezogen.
" Wer die Augen nicht verschließt", so der Professor, " sieht, dass sich gemeinsamer Unterricht und gemeinsames Abitur in anderen Ländern seit vielen Jahren vorzüglich bewährt hat, zum Beispiel in Amerika und Italien." Der Referent machte deutlich, dass die angeblichen Schäden, denen die Mädchen ausgesetzt sein würden, nicht zu vergleichen seien mit denen, die durch verkümmerte Fähigkeiten und verhinderte Weiterbildung von Frauen entstünden.
Wychgram fragte in seinem Vortrag auch nach den Berufen, die für Frauen in Preußen geeignet wären, und führte die Fürsorgetätigkeit an. Hier gebe es ein schier unendliches Betätigungsfeld. Insgesamt empfahl er den Frauen und anwesenden Frauenverbänden eine stärkere Vernetzung und Lobbyarbeit. " Versuchen Sie, Einfluss zu gewinnen!", appellierte er an seine Zuhörerschaft.
Die städtischen Kollegien beschlossen im November 1910, die Parkstraße auszubauen, obwohl die Höherlegung und Befestigung noch einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Wichtig war die neue Straße vor allem für die spätere Verbindung der Innen- mit der Außenstadt. Kanäle waren geplant, und auch die ersten Kostenentwürfe lagen vor. Für die 1000 Kanalmeter zwischen Rehmstraße und Wiesenbachstraße veranschlagte das Bauamt rund 26 000 Mark. Die relativ hohen Kosten kamen durch den weichen Moorboden in der Wüste zustande.
Mitte des Monats konnten die Osnabrücker bereits mit der Straßenbahn bis zum Johannisfriedhof fahren. Gerade im Winterhalbjahr wurde die Erleichterung durch den Bahnbetrieb sehr geschätzt, denn viele Wege vor dem Johannistor waren noch unbefestigt und matschig.
Auch um Mädchen, aber diesmal um Mittelschulfragen, ging es im Osnabrücker Tageblatt. Erstmals legten im November in Osnabrück Eltern und Lehrer der Schülerinnen die Lehrpläne für das neu einzurichtende 9. Schuljahr gemeinsam fest. Bisher hatten Mädchen nur acht Schuljahre absolviert.
Großen Raum nahmen Hauswirtschaft und Handarbeit ein. Wie Haus und Garten, Kind und Getier zu versorgen, pflegen und beköstige seien, erlernten die Mädchen. Flicken, Stopfen, Ausbessern und das Neu-Herstellen von Kleidung waren Inhalt der Handarbeitsstunden. Buchführung und Zahlungsverhalten gehörten wie Rechnen und Erdkunde zum Wissenserwerb.
Künstlerische Betätigungen, wie Zeichnen und Entwerfen von Handarbeiten, auch Deutsch und das Schreiben von Briefen erweiterten das Spektrum der Ausbildung. Damit war, so bestätigte die Schulbehörde, ein Mädchen mit neun Schuljahren auf das spätere Leben vorbereitet.
Der Gesundheitsstatistik der Provinz Hannover war zu entnehmen, dass Osnabrück 1909 eine der gesündesten Städte des Landes war. An der Lebenserwartung der Erwachsenen und Säuglinge machte die Statistik das Ergebnis fest. Mit 10, 6 verstorbenen Babys auf 100 Neugeborenen stand die Hasestadt gut da.
Autor:
Christiana Keller


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