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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Laub, Unkraut, Unzufriedenheit
Zwischenüberschrift:
Zustand der städtischen Friedhöfe sorgt für Ärger im Trauermonat
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Weggeblasen: Einer der 17 städtischen Angestellten befreit einen Weg auf dem Heger Friedhof vom Laub. Sie sind für alle 13 Friedhöfe zuständig. Foto: Klaus Lindemann
Osnabrück. Der November, der sogenannte Trauermonat, ist für viele Osnabrücker zu einer Zeit des Ärgers geworden. Sie prangern die mangelhafte Pflege der städtischen Friedhöfe an. Ändern wird sich daran jedoch so schnell nichts, denn der Stadt fehlen die Mittel.
Von Michael Schiffbänker - Der Weg zum Friedhof Hellern ist asphaltiert. An manchen Stellen ist die Decke aufgebrochen. Auf dem Friedhof selbst lösen sandige Wege den Asphalt ab. Unkraut sprießt dort, abseits der Hauptpfade ragt hier und da ein Buschüber den Weg. Überall liegt braunes Laub.
Eine Frau, graue Haare zur Prinz-Eisenherz-Frisur geschnitten, beugt sich über ein Grab. " Ich sammle Laub", sagt sie, richtet sich auf und beginnt den Gummihandschuh von ihrer rechten Hand zu zupfen. " Der Wind weht alles wieder drauf. Das räumt doch keiner mehr weg." Seit 18 Jahren pflegt sie das Grab ihres Mannes. Früher, erzählt sie, da sei gepflegt, gefegt und geharkt worden. Aber jetzt? Die Frage bleibt hängen.
Eine Antwort gibt die Abteilungsleiterin Friedhöfe und Bestattungswesen der Stadt Osnabrück, Eva Güse: " Der früher vorhandene Pflegezustand ist nicht mehr zu schaffen." Immer wieder gehen Beschwerden ein wegen unzureichender Pflege der Friedhöfe. Der Grund dafür ist der Personalmangel: 17 Angestellte sind für 13 städtische Friedhöfe zuständig, eine Fläche von etwa 90 Hektar. Das entspricht etwa 120 Fußballfeldern.
Die Ursachen für die Personalmisere sind vielseitig. Entscheidend sei " der Rückgang der traditionellen Bestattungsformen", sagt Güse. 1995 lag der Anteil der sogenannten Erdbestattungen in Osnabrück bei 76, 3 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es 38, 9 Prozent. Dagegen stieg der Anteil der Urnenbestattungen im gleichen Zeitraum von 23, 7 auf 61, 1 Prozent. Die sind günstiger, machen den Angehörigen weniger Arbeit und benötigen kaum Platz. Sie lassen Lücken entstehen - auf den Friedhöfen und in der Kasse der Stadt. " Wir sitzen in einer Zwickmühle", sagt Güse.
Gerhard Gust ist einer, der helfen möchte. Das erzählt er bei einer Fahrt im Elektromobil über den Heger Friedhof. Gust ist Friedhofsgärtner, seine Angestellten kümmern sich um etliche Grabstellen. Pflegegräber nennt er diese Flächen. " Unsere Kunden sagen: So schlimm sah es hier noch nie aus", sagt Gust, während das Mobil über das abgesackte Pflaster ruckelt. Er spricht über ein fehlendes Baumkonzept, über Wildwuchs, Unkraut, zugewachsene Sichtachsen und unzureichende Sicherheit auf den Wegen.
Gust fährt an einer Grünfläche vorbei. Der Rasen ist aufgerissen von den Reifen der Mähtrecker. Dann hält der Friedhofsgärtner an einem Kindergrab mit Windlichtern und einem hölzernen Windfang. Daneben liegt auf einem zugewachsenen Grab ein umgestürzter Grabstein, der Regen hat Blätter darauf geklebt. " Hier fehlt der Kümmerer", sagt Gust.
Er würde gerne dieser Kümmerer sein. Sein Vorbild dabei ist etwa der " Garten der Erinnerung" in Gelsenkirchen. Ein Konzept, bei dem die Stadt die Gärtner eine Fläche nutzen lässt und die Bestattungsgebühren kassiert. Die Gärtner hingegen regeln die Vergabe der Flächen an ihre Kunden und schließen mit diesen Pflegeverträge für 25 Jahre ab. Gust verfolgt mit diesem Vorschlag eigene Interessen, denn der Wandel der Bestattungstradition bedroht auch sein Geschäft. Der Punkt ist nur: Was den Pflegezustand angeht, hat er recht.
Bei der Stadt stößt ein Modell nach Gelsenkirchener Vorbild auf Skepsis. " Wir prüfen, ob das juristisch überhaupt möglich ist", sagt Güse. Außerdem sei fraglich, ob das Modell die Probleme löse. Denn vermutlich spreche dieses Angebot eher zahlungskräftige Kunden an.
Das städtische Konzept sieht unter anderem vor, neue Gräber in aufgegebenen Grabstellen zentraler anzulegen. Außerdem versucht die Stadt die Erweiterungsflächen, unerschlossene Flächen am Rande der Friedhöfe, zu vermarkten. Das würde die zu pflegenden Bereiche verkleinern.
Auf dem Friedhof in Hellern hat die Frau wenig Hoffnung, dass sich etwas ändert. Ihren Kindern möchte sie die Kosten und die Pflege nicht aufbürden, sagt sie. " Ich lasse mich verbrennen und meine Asche unter einem Baum begraben." Dann zieht sie den Handschuh wieder an und greift nach der Harke.
Autor:
Michael Schiffbänker


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