User Online: 1 | Timeout: 14:10Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Geschäft für Betten und Drogen
Zwischenüberschrift:
"Gruß aus Schinkel" um 1910
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Noch ohne Pflaster zog sich vor 100 Jahren die Bremer Straße nach links den Schinkelberg hoch und führte die Wesereschstraße nach rechts ins Grüne. In der Mitte das " Manufacturwaren-Geschäft" von Gerhard Pötter. Das Foto wurde uns vom Enkel des Firmengründers zur Verfügung gestellt.
Osnabrück. Wer sich im Wilden Westen zumindest von der Kinoleinwand her auskennt, der weiß, wozu der solide Bügel vor dem Ladeneingang gut war: zum Anbinden der Pferde. Vor hundert Jahren war das auch in Osnabrück Standard.
Von Joachim Dierks - Das Auto war zwar bereits erfunden, aber im Straßenbild noch lange nicht präsent. Die Hauptausfallstraße Osnabrücks nach Nordosten, die Bremer Straße, führte durch die damals noch eigenständige Landgemeinde Schinkel.
Friedlich und beschaulich geht es um 1910 auf der heute vierspurigen Straße zu, die sich nach links oben den Schinkelberg hinaufzieht. Von rechts mündet die Wesereschstraße ein. Dazwischen präsentiert sich stolz das 1878 gegründete Ladengeschäft " für Betten, Kurzwaren und Drogen" von Gerhard Pötter. Dessen Enkel, der heute 73-jährige Gerhard Pötter junior, verbrachte hier seine Kindheit und Jugend. Er erinnert sich gut an den großen Laden und die rückwärtigen Lagerräume, die das ganze Erdgeschoss einnahmen: " Es roch da immer so interessant."
Stoffe wurden meterweise vom Ballen verkauft. Konfektionsware, also vorgefertigte Kleider oder Anzüge, gab es nach seiner Erinnerung eher selten. Das Schneider-Handwerk stand noch in voller Blüte, aber auch viele Hausfrauen griffen selbst zum Schnittbogen. Unter Drogen wurden keine Rauschmittel verstanden, sondern Kräutertees und Heilmittel, später das ganze Drogeriesortiment, also alles, was man so im Haushalt braucht: Zahnpaste, Backpulver, Schuhcreme, Franzbranntwein.
Die Wesereschstraße war um 1910 noch weitgehend unbebaut. Das änderte sich in den 1920er-Jahren. 1932 wurde die Kreuzkirche geweiht. Um 1910 hatte selbst die Bremer Straße noch kein Pflaster. Dafür aber viele Kinder, die den Straßenraum, so scheint es zumindest auf dem Bild, in ihr Spiel einbeziehen konnten. Mit der Ansiedlung des Stahlwerks 1868 und des Reichsbahnausbesserungswerks, genannt " Kamerun", ließen sich viele kinderreiche Arbeiterfamilien in Schinkel nieder. Als Schinkel 1914 nach Osnabrück eingemeindet wurde, war es der am dichtesten besiedelte Stadtteil.
Bombenruine
Am Palmsonntag 1945 erhielt das Haus Pötter einen Bombentreffer. Die ausgebrannte Ruine wurde nicht wiederaufgebaut. 1958 verkaufte die Familie das Trümmergrundstück. Die aufkommende Motorisierung der Wirtschaftswunderjahre verlangte nach Tankstellen. Viele Jahre betrieb Werner Groneik dort eine Total-Tankstelle. Bis der Strukturwandel auch dieser neuen Nutzung ein Ende bereitete. In der beschränkten Größenordnung mit nur zwei Tanksäulen war die Tankstelle nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben. Derzeit hat ein Mini-Taxi-Unternehmen dort seinen Sitz. Gerhard Pötter junior suchte und fand sein unternehmerisches Glück in einer anderen Branche: 1978 gründete er in Georgsmarienhütte eine Firma für Klima- und Lüftungstechnik.

Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste