User Online: 1 | Timeout: 11:14Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Piesberg zeigt seine inneren Werte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:

Es i st n och K ohle d a: Das F löz J ohannisstein e rinnert a n d ie G eschichte d es B ergbaus

O snabrück. O hne d ie P iesberger K ohle w äre O snabrück v ielleicht g ar k eine I ndustriestadt. D abei g ab e s h ier s chon K ohlegruben, lange b evor d ie D ampfmaschine e rfunden w ar. O snabrücks e instiger B odenschatz z eigt s ich h eute g anz u nverhüllt i m S teinbruch. A ls l anges s chwarzes B and, das s ich v om h elleren G estein d eutlich a bhebt. A ber i nzwischen i st K ohle n ur n och e ine l ästige S törschicht.
" Im G runde w ar e s e in R umstochern i m N ebel"
Rolf S pilker, Leiter d es M useums I ndustriekultur

- " Das i st f ür u ns, als h ätte m an d as d a h ingebaut!", freut s ich R olf S pilker, der L eiter d es M useums I ndustriekultur, über d as P anorama i m S teinbruch. K aum z u g lauben, dass d iese 8 0 Z entimeter d icke A nthrazitschicht d ie S tadtentwicklung b eeinflusst h at. D as F löz J ohannisstein, das s ich ü ber d en n ördlichen P iesberg e rstreckte, ließ s ich n ur m it g roßem A ufwand e rschließen.
D er e rste u rkundlich e rwähnte K ohlbrecher m achte s ich i m 1 5. J ahrhundert a uf d ie S uche n ach d em P iesberger A nthrazit. Ü berall d ort, wo d as F löz J ohannisstein a n d ie O berfläche t rat, entstanden L öcher, die m an a uch P ingen o der P ütten n annte. S ie w urden i mmer t iefer i n d en B erg g etrieben. V on A rbeitern, die d as f ehlende b ergmännische K now-h ow u nd W erkzeug m it W agemut k ompensieren m ussten. E ine Z eichnung v on 1 650 l ässt e rkennen, dass d amals s chon b runnenartige S chächte a ngelegt w urden, um a n d as F löz z u g elangen.
M it d er P iesberger A nthraz i tkohle, die e inen h ohen B rennwert b esitzt, wurden n icht e twa W ohnstuben b eheizt, sondern i n e rster L inie K alköfen b estückt. D er g ewonnene K alk w ar a ls B aumaterial u nentbehrlich, vor a llem f ür d ie S tadtbefestigung. N och i n d er z weiten H älfte d es 1 8. J ahrhunderts b lieb d ie V ersorgung d er K alköfen m it B rennmaterial w ichtigster V erwendungszweck f ür d ie O snabrücker K ohle.
F ür R olf S pilker s teht f est, dass d ie P iesberger Z eche s elten a uf d er H öhe d er Z eit w ar. M odernisierungsversuche s cheiterten, Rückschläge h äuften s ich. S eit 1 568 g ehörte d ie Z eche d er S tadt O snabrück, aber n ach e iner k urzen E pisode i n e igener R egie v erpachtete s ie d en B etrieb.
D ie A usbeute m uss g ering g ewesen s ein. A ls s ich d er P ächter z u B eginn d es 1 8. J ahrhunderts d arüber b eschwerte, ließ s ich d ie S tadt a uf e ine R eihe v on I nvestitionen e in, um d as F löz J ohannisstein b esser z u e rschließen.
S o e ntstanden z wei S tollen, die 1 727 v on d er N ordseite i n d en P iesberg g etrieben w urden. D er L ücker S tollen i st n ach d en B ergleuten a us d em b elgischen L üttich b e n annt, die m it S chießpulver u mgehen k onnten. D iese P rofis s ollten d en B ergbau i n O snabrück v oranbringen. A ber d er L ücker S tollen w ar e in F lop. D ie K osten e xplodierten, die K ohle b lieb a us.
A uch d er g leichzeitig b egonnene M osberger S tollen - benannt n ach e inem B ergmann n amens M auersberg - erwies s ich a ls F ehlinvestition. D ie A rbeiten w urden g estoppt u nd e rst s ieben J ahre s päter w ieder a ufgenommen, inzwischen w ieder u nter d er R egie d er S tadt O snabrück. 4 40 F uß h inter d em M undloch k am d er D urchbruch. A ufzeichnungen v on 1 740 w eisen a us, dass d ie B ergleute " hier o ben d ie K ohlen g efunden" haben. D ie K ohlen a us d em F löz J ohannisstein.
" Im G runde w ar e s e in R umstochern i m N ebel", sagt M useumsleiter S pilker z u d en f rühen V ersuchen, an d ie P iesberger K ohle z u k ommen. V on e inem s traff g eführten B ergbau s ei m an i n O snabrück w eit e ntfernt g ewesen.
D ie U nzulänglichkeiten b lieben d em M agistrat d er S tadt n icht v erborgen. 1 809 l istete d er O berkirchener B erginspektor F rölich i n e inem G utachten g ravierende F ehler a uf. E r b emängelte d ie z u l angen F örderwege u nd d ie s chlechte B elüftung, vor a llem a ber, dass m an a us U nkenntnis ü ber d ie L agerverhältnisse " zwecklos i n d em G ebirge h erumschweift". In d er P iesberger Z eche w erde n icht m it z eitgemäßen M arkscheide-I nstrumenten g earbeitet: " Diese I nstrumente s ind d urchaus e rforderlich, wenn m an n icht i ns W ilde h inein b auen, sondern e inen r egelmäßigen G rubenbau f ühren w ill."
Das ä nderte s ich e rst, als J ohann R udolf P agenstecher, ein A bsolvent d er B ergakademie C lausthal, ab 1 831 d ie P iesberger Z eche m odernisierte. A ls B ergmeister m odernisierte e r d en B etrieb g rundlegend u nd v erhalf s o d er S tadt O snabrück z u s tattlichen E innahmen.
O bwohl d ie O snabrücker K ohle e inen h ohen B rennwert h atte, konnte s ie n ach d em B au d er E isenbahn n icht g egen d ie R uhrgebietskohle k onkurrieren. D ie Z eche a m P iesberg f ührte e inen a uf D auer a ussichtslosen K ampf g egen d as e indringende G rubenwasser. I mmer g rößere P umpen u nd D ampfmaschinen m ussten i nstalliert w erden, um d en B etrieb a ufrechtzuerhalten.
D er G eorgsmarien-B ergwerks- und H üttenverein, der d ie Z eche s päter ü bernahm, bekam d as P roblem n icht i n d en G riff. A ls 1 898 d ie A rbeiter s treikten, wurde d ie P iesberger Z eche k urzerhand g eschlossen. D amit w ar e s v orbei m it d em K ohleabbau a m P iesberg.
D er S teinbruch m acht d a w eiter, wo d ie B ergleute a ufgehört h aben. W er h eute a uf d ie F elsrippe s teigt u nd d en B lick s chweifen l ässt, kann d as F löz J ohannisstein d eutlich e rkennen. J a, es i st n och K ohle d a!

Vom F löz h aben d ie B ergleute n icht v iel ü brig g elassen
M it d em M osberger S tollen s tießen d ie B ergleute 1 740 a uf d ie K ohle
r ll O snabrück. E r w ar e inmal 2 30 M eter l ang, aber e inen k leinen T eil d avon h aben d ie S teinbrecher s chon a bgebaut: Der M osberger S tollen i st e in R elikt d es f rühen K ohlebergbaus i n O snabrück.
1 727 w urde d er S tollen v on N orden a us i n d en P iesberg g etrieben. E rst n ach j ahrelanger U nterbrechung u nd W iederaufnahme d er A rbeit s tießen d ie B ergleute 1 740 a uf d as F löz J ohannisstein - nach 4 40 F uß, wie d amals v ermerkt w urde. D er M osberger S tollen i st n och i mmer b egehbar. A llerdings g ibt e s V erengungen d urch G esteinsabbrüche, sodass m an s ich a uf a llen v ieren b ewegen m uss.
V om K ohleflöz h aben d ie B ergleute n icht v iel ü brig g elassen. B emerkenswert s ind d ie Ü berreste e iner S eige. D as i st e ine R inne, durch d ie d as G rubenwasser a us d em B erg g eleitet w urde. S ie w urde m it H olzbohlen a bgedeckt, um d ie K ohle a us d em S tollen z u f ördern.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste