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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Guter Tag für die ganze Region"
Zwischenüberschrift:
Valmet baut nun Cabrio-Dächer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Hier geht es weiter: Die Jobs für Cabriodach-Bauer in Osnabrück sind gesichert. Foto: dpa
Osnabrück. Knapp zwei Wochen nach der Zustimmung des Bundeskartellamts ist der Vertrag zwischen dem insolventen Osnabrücker Cabriobauer Karmann und dem finnischen Autozulieferer Valmet über den Kauf der Karmann-Dachsparte durch die Skandinavier unter Dach und Fach.
Von Norbert Meyer - Über das in der Nacht zuvor erfolgte Wirksamwerden des Vertrages informierte gestern Insolvenzverwalter Ottmar Hermann die Beschäftigten auf einer Mitarbeiterversammlung. " Ich freue mich für Karmann und die Beschäftigten, dass es durch diese letzte verbliebene Übernahme gelungen ist, alle weltweiten Standorte der Dachsparte an verschiedene Investoren zu verkaufen", sagte Hermann und verwies darauf, dass mit dem Erwerb durch Valmet alle 350 Arbeitsplätze im Werk Osnabrück sowie die 396 Stellen im polnischen Zary erhalten bleiben.
Karmann-Betriebsratschef Wolfram Smolinski sprach vor der Belegschaft von einem " guten Tag für die Beschäftigten und für die gesamte Region Osnabrück". Die IG Metall formulierte es in einer Pressemitteilung so: Am späten Sonntagabend sei die " erlösende Botschaft" von der Wirksamkeit des Kaufvertrages gekommen. Heftige Kritik übte die Gewerkschaft in diesem Zusammenhang an den Alt-Eigentümern der insolventen Firma Karmann, denen sie die Schuld für den verzögerten Vertragsabschluss zuwies. Die früheren Gesellschafter " namens Boll, Battenfeld und Karmann" hätten über ihren Frankfurter Anwalt Gerhard Schmidt mitteilen lassen, dass der Mietvertrag ihrer von der Insolvenz unberührten Besitzgesellschaft Karmann KG mit Valmet " nur dann unterzeichnet würde, wenn der Insolvenzverwalter auf Ansprüche aus dem Insolvenzverfahren der Fa. Karmann Rheine GmbH & Co KG i.l. gegenüber den Alt-Gesellschaftern verzichten würde".
Dies habe bei der IG Metall eingeschlagen " wie eine Bombe", teilte der 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft in Osnabrück, Hartmut Riemann, per Presseerklärung mit. Er warf den früheren Karmann-Eignern vor, " dass sie aufgrund ihres Egoismus nicht einmal davor zurückschrecken, 350 Arbeitsplätze in ? Geiselhaft? zu nehmen". Ausdrücklich lobte der Gewerkschafter den Insolvenzverwalter, der diesen " dreisten Nötigungsversuch" erfolgreich abgewehrt habe.
Anwalt Schmidt gab unserer Zeitung zu verstehen, dass Hermann im Zusammenhang mit dem Valmet-Vertrag nicht auf Ansprüche gegenüber seinen Mandanten verzichten musste. Diese hätten dem Vertrag aber erst zustimmen können, nachdem klar gewesen sei, dass der unterlegene Bewerber um die Karmann-Dachsparte, der österreichische Zulieferer Magna, keine Ansprüche mehr gegen sie erheben könne. Das habe bis zur vorigen Woche gedauert.
Die Arbeitnehmer scheinen das Kapitel Karmann indes abschließen zu wollen. Betriebsratschef Smolinski stellte jedenfalls gestern besonders heraus " dass nun der Firmenname Karmann endgültig in die Geschichtsbücher verbannt werden kann".

Kommentar
Kampf mit harten Bandagen
Von Norbert Meyer - Man muss nicht so weit gehen wie die IG Metall, die den Ex-Gesellschaftern von Karmann vorwirft, 350 Arbeitsplätze " in Geiselhaft" genommen zu haben. Aber man muss erkennen, dass alle Beteiligten im Fall des insolventen Cabriobauers weiter mit harten Bandagen um die Durchsetzung von Interessen kämpfen. Das scheint sogar verstärkt der Fall zu sein, seit die Fortführung der über 100-jährigen Autobautradition in Osnabrück feststeht.
Neben Insolvenzverwalter Ottmar Hermann nahmen allein auf der Verkäuferseite zwölf Anwälte aus insgesamt vier Kanzleien an den Vertragsverhandlungen mit dem finnischen Unternehmen Valmet zum Erwerb der Karmann-Dach-sparte teil. Noch einmal: Es ging hier nur um eine Sparte, wenn auch eine wichtige.
Auch wenn Politiker wie Christian Wulff und David McAllister jetzt für ihr Engagement in Sachen Karmann gelobt werden und sich am Sitz des neuen VW-Werks Aufbruchstimmung breitmacht, darf man nicht vergessen: Die weiterbeschäftigten Auto- und Cabriodachbauer müssen mit erheblichem Lohnverzicht selbst zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze beitragen.
Weitere Kämpfe um den Autobau in Osnabrück zeichnen sich ab. Dazu gehört das Thema Porsche, bei dem es noch heiße Debatten darüber geben wird, ob und wie viele Modelle künftig aus Niedersachsen statt aus Schwaben kommen sollen.
Autor:
Norbert Meyer


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