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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gaswerk-Gift steckt noch im Boden
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke entsorgen Altlasten der ehemaligen Kokerei
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das ehemalige Gaswerk an der Luisenstraße (heute Stadtwerke-Zentrale) war eine Giftschleuder. Die Altlasten im Boden müssen jetzt aufwendig entsorgt werden. Foto: Stadtwerke
Osnabrück. Das Osnabrücker Gaswerk hat ein gefährliches Erbe hinterlassen: Der Boden auf dem Gelände der Stadtwerke ist unter anderem mit Teer, Benzol und Quecksilber vergiftet. Die Stadtwerke starten eine großflächige Sanierung.
Von Wilfried Hinrichs - Der Altlastenfund ist keine Überraschung. Die Kokereien, die von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis vor etwa 50 Jahren aus Steinkohle Gas gewannen, waren ein Motor der Industrialisierung. Dass sie auch reine Giftschleudern waren, spielte nie eine Rolle. Erst jetzt. Es gibt in Deutschland inzwischen eine gewisse Routine bei Gaswerksanierungen″, sagte Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Grün und Umwelt, in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses.
Die Stadtwerke wollen auf dem nördlichen Teil ihres Betriebsgeländes an der Alten Poststraße/ Luisenstraße ein Logistikzentrum bauen und den Parkplatz herrichten. Bei den vorbereitenden Arbeiten habe sich der Altlastenverdacht bestätigt, teilte Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer mit. Gefunden wurden Teer, Benzole, Cyanide, Kohlenwasserstoffe und kleinere Mengen Quecksilber. Die Rückstände des hochgiftigen, flüssigen Metalls sind inzwischen geborgen und in einem Salzbergwerk endgelagert. Nach Angaben von Umwelt-Fachmann Gerdts stammte das Quecksilber aus Wassermessgeräten, die im Krieg zerstört wurden.
Auch das Grundwasser ist belastet. Gefahr für das Trinkwasser bestehe aber nicht, betonte Gerdts in der Ausschusssitzung. Es gebe in dem Bereich auch keine Hausbrunnen. Das Grundwasser fließt Richtung Nordwesten der Hase zu.
Die Stadtwerke haben Bodengutachter eingeschaltet. Christoph Oberste-Wilms, Geschäftsführer der OWS Ingenieurgeologen GmbH, kann über Zeitpunkte und Umfang der Vergiftung bislang nur spekulieren. Sicherlich ist der Boden auch durch die starken Bombardierungen und die fast völlige Zerstörung des Gaswerkes im Zweiten Weltkrieg verunreinigt worden″, sagt der Diplom-Geologe. Einzelheiten müssten die weiteren Untersuchungen ergeben. Dafür arbeiten wir eng mit allen zuständigen Behörden zusammen und nehmen die vollständige Sanierung in Angriff″, erklärt Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes.
Detlef Gerdts geht davon aus, dass einige Tausend, vielleicht zigtausend Tonnen″ Erde entsorgt werden müssen. Die betroffene Fläche ist nach einer groben Schätzung so groß wie ein Fußballfeld. Die Verunreinigungen könnten sich bis in eine Tiefe von fünf bis sechs Metern erstrecken, sagt Gerdts. Die weiteren Untersuchungen werden auch zeigen, ob das kontaminierte Material in einer Deponie gelagert werden kann oder ob es verbrannt werden muss. Über die Kosten könne im Moment nur spekuliert werden. Gerdts geht von einer Summe im siebenstelligen Bereich″ aus.
Bereits beim Bau des Bürotraktes im vergangenen Jahr war der Boden vorsorglich untersucht worden. Hier habe es aber keine besonderen Verunreinigungen gegeben, teilte Stadtwerke-Vorstand Rolfes mit.

Wie gewinnt man Gas aus Kohle?
Die Osnabrücker Gasanstalt entstand 1857. Das Gas wurde aus Steinkohle gewonnen, die in Retorten auf 1300 Grad erhitzt wurde. Bei diesem Prozess entweicht eine Mischung aus Wasserstoff, Methan und Kohlenmonoxid, zurück bleibt Koks . Die Steinkohle kam aus dem Ruhrgebiet, weil die Anthrazitkohle aus dem Piesberg für die Entgasung nicht geeignet war. Die Gasometer , in denen ein Tagesbedarf Gas gespeichert werden konnte, prägten lange das Stadtbild, vor allem der 75 Meter hohe dicke Ulsmann″ (in Anlehnung an den damaligen Werksleiter). Der Ulsmann″ ging 1955 in Betrieb. Ab 1963 stellten die Stadtwerke auf Erdgas um. 1972 verschwand der mächtige Gasometer. Heute steht dort die Stadtwerke-Zentrale.

Wie giftig sind die Altlasten?
Benzol: farblose Flüssigkeit, Lösungsmittel, in Benzin enthalten, krebserregend. Nebenprodukt bei der Erzeugung von Leuchtgas. Benzol wird heute nur noch als Rohstoff für Industriechemikalien verwendet.
Cyanide: Sie kommen als farbloses Gas (Blausäure) oder als Salz in kristalliner Form vor. Blausäure ist sehr giftig, schon ein bis zwei Milligramm pro Kilo Körpergewicht wirken tödlich.
Kohlenwasserstoff: Verbindungen aus Kohlenstoff und Wasserstoff; in Erdöl, Erdgas, Kohle und weiteren fossilen Stoffen in größeren Mengen enthalten. Sie gelten als umweltschädigend.
Quecksilber: („ Lebendiges Silber″), neben Brom das einzige flüssige Metall. Besonders gefährlich ist das Einatmen der Dämpfe.

Autor:
Wilfried Hinrichs


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