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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Für die "Mädels" tut es ihm am meisten leid
Zwischenüberschrift:
Hans-Jörg Durstewitz schließt "Samen Frese" - Saatgut weiter über das Internet erhältlich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das Geschäft schließt, der Verkauf geht weiter: Hans-Jörg Durstewitz verkauft das Saatgut künftig nur noch online. Foto: Gert Westdörp
Osnabrück. Es ist das Ende einer Ära: Der kleine, aber feine Laden " Samen Frese" gehörte zur Johannisstraße wie der Glockenschlag von St. Johann. Doch nun schließt Inhaber Hans-Jörg Durstewitz wegen einer anstehenden Haussanierung sein Geschäft. Einziger Trost für die Stammkunden: Sein Saatgut ist weiter erhältlich - über das Internet.
Von Benjamin Kraus - " Die Sanierung des Hauses ist schön für die Johannisstraße, aber doof für mich, weil ich komplett das Geschäft räumen muss", sagt Hans-Jörg Durstewitz. Noch steht der 52-Jährige täglich hinter dem grünen Tresen neben der alten Registrierkasse. Nicht zuletzt seine Ruhe und Ausgeglichenheit machen ihn zur Institution in der Johannisstraße. Nüchtern betrachtet er auch den Zeitplan des Ausverkaufs: " Spätestens zwei Wochen vor Weihnachten will ich hier raus sein, damit zum Fest alles geklärt ist."
Wer genau hinhört, registriert aber auch ein wenig Wehmut in Durstewitz' Stimme. " Schade - dieses eine Wort habe ich zuletzt oft gehört. Es beschreibt am besten, was ich denke, und auch die Resonanz meiner Kunden auf die Schließung", sagt er. Den Entschluss habe er sich vor allem wegen seiner drei Teilzeitkräfte nicht leicht gemacht. Die Frauen mittleren Alters - " meine Mädels", wie er sie nennt - hätten ihm über die Jahre zuverlässig zur Seite gestanden.
" Das Problem ist, dass niemand weiß, ob diese Sanierung zwei Wochen, zwei Monate oder zwei Jahre dauert", sagt Durstewitz. Deshalb seien der Einnahmeausfall und die Kosten einer Wiedereröffnung nicht kalkulierbar. Und an anderer Stelle einen Laden zu eröffnen sei nie ein Thema gewesen. " Der Name Samen Frese ist einfach untrennbar mit der Johannisstraße verbunden", sagt er, während im Hintergrund ein Wellensittich zu fiepen anfängt. " Das ist die normale Entwicklung", erklärt er. " Nach den Samen kam erst das Tierfutter zum Sortiment, später auch Zubehör und der Handel mit den Tieren selbst."
Seit 1949 gibt es das Geschäft. Werner Frese hatte es eröffnet und den gebürtigen Alfelder Durstewitz 1975 als Lehrling angestellt. " Er hatte keine Kinder, und ich war ganz froh, von zu Hause rauszukommen", sagt der jetzige Inhaber. Die Gartenarbeit und das Geschäft mit dem Saatgut wurden Durstewitz in die Wiege gelegt: Seine Eltern führten in Hildesheim einen entsprechenden Laden, den inzwischen sein Bruder übernommen hat.
Dem 52-Jährigen gehört seit 1984 das Osnabrücker Geschäft. " Meine Stärke ist, dass ich nicht an einen Lieferanten gebunden bin, sondern von jedem die besten Produkte aussuchen kann", sagt er und zeigt auf seine Theke: Dort liegen Bestellungen für Kidneybohnen, Broccolisamen und Plattenmoos. Über 1200 Samensorten lagern in den Regalen, die jetzt mit Angebotsschildchen verziert sind: 20, 30, 50 Prozent.
Sein Saatgut wird aber auch weiterhin erhältlich sein: Über den Internetshop, den Durstewitz seit vier Jahren unter www.samen-frese.de »anbietet. Inzwischen mache das Internetgeschäft " einen beträchtlichen Teil" seines Umsatzes aus. Durstewitz freut sich vor allem darauf, seinen Arbeitstag bald selbst gestalten zu können. " Man ist ja nicht mehr abhängig von Öffnungszeiten."

Autor:
Benjamin Kraus


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