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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Ein Beispiel für Menschlichkeit"
Zwischenüberschrift:
Bewegende Gedenkfeier in der Overbergschule
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
An 86 getötete Zwangsarbeiter erinnern die Tafeln der Dritt- und Viertklässler der Overbergschule, die nun am Schulgebäude ein Mahnmal bilden. Die 86 Männer waren in der Turnhalle der Schule in den Jahren 1942 und 1943 untergebracht. Sie diente dem KZ Neuengamme als Außenstelle. Foto: Jörn Martens
tw Osnabrück. Mit einer bewegenden Gedenkfeier erinnerten die Schüler und Lehrer der Overbergschule an ein düsteres Kapitel in ihrer 100-jährigen Geschichte. Ein halbes Jahr war die Schule früher eine Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme. In den Jahren 1942 und 1943 kamen dort 86 Zwangsarbeiter ums Leben. Bei der Feier trafen sich auch zwei Männer wieder, ein Häftling und ein Osnabrücker, die dort eine Freundschaft fürs Leben geschlossen haben.
" Die Gegenwart ist nur zu verstehen, wenn man sich seiner Vergangenheit bewusst ist." Diesen Spruch stellte Schulleiterin Eva-Maria Eberhardt an den Beginn der Gedenkfeier. Sie hatte von der unrühmlichen Vergangenheit der Overbergschule durch einen Vortrag erfahren, den die Historikerin Karola Fings vor einigen Jahren in Osnabrück gehalten hat. Darin berichtete diese, dass 250 KZ-Häftlinge, überwiegend Russen, 1942 und 1943 in der Turnhalle der Schule untergebracht waren. Sie sollten auf Anordnung des damaligen Oberbürgermeisters Erich Gaertner die Trümmer nach Bombenangriffen aufräumen. 86 von ihnen wurden getötet, auch weil sie während der Luftangriffe nicht in Bunker gelassen wurden.
Die Häftlinge wurden in aller Öffentlichkeit von SS-Männern verprügelt und gequält. " Mich hat erschüttert, dass dies mitten in der Stadt passiert ist", sagte Karola Fings. " Das konnte passieren, weil niemand etwas gesagt hat", fügte die stellvertretende Leiterin des NS-Dokumentationszentrums Köln an, die extra für den kurzen Vortrag angereist war.
Drei Osnabrücker Jungs (Wolfgang Osterheider, Günther Rüsse und Erwin Hügelmeyer) zeigten jedoch Menschlichkeit und Mut. Osterheider, der damals 13 Jahre alt war, kam zu der Gedenkfeier. Der 81-Jährige wollte den 92-jährigen Fritz Bringmann treffen, der im Alter von 18 Jahren von der Gestapo verhaftet wurde, weil er " Nieder mit Hitler" an eine Wand gepinselt hatte.
Häftling-Sanitäter
Nach seiner Haftstrafe sollte der aus Lübeck stammende Bringmann entlassen werden, erzählte er. Er wurde jedoch ins KZ Sachsenhausen gebracht und kam als 25-jähriger Häftling-Sanitäter nach Osnabrück. Hier litt er unter den brutalen SS-Aufsehern. Hier erfuhr er aber auch Menschlichkeit.
Wolfgang Osterheider und die anderen Jungs brachten Bringmann und anderen Häftlingen heimlich Nahrungsmittel, die sie von Familien erhalten hatten, die am Schölerberg wohnten. " Diese drei Jungs sind ein Beispiel für Menschlichkeit", sagte Fritz Bringmann. Seine Worte bewegten einige Zuhörer in der prall gefüllten Schulaula. Manch einer wischte sich eine Träne aus dem Auge.
Fings kritisierte in ihrer Rede die Stadt, weil das Thema erst jetzt an der Overbergschule aufgegriffen wurde. Sie lobte dagegen den Mut der Schule und der Kinder, dass sie Licht in das dunkle Kapitel gebracht haben. Alle haben vier Monate die Geschichte ihrer 1910 gegründeten Schule aufgearbeitet und sich dabei intensiv mit dem Nationalsozialismus beschäftigt. Fings deckte eine Parallele zu damals auf: " Es waren auch junge Menschen, die Mut hatten."
Oberbürgermeister Boris Pistorius sprach von einem " bewegenden Moment", weil daran erinnert wurde, wie sich Menschen unter Gefahr für das eigene Leben für andere eingesetzt haben. Die Kinder hätten durch das Projekt etwas Einzigartiges gelernt: " Sie können durch ihr Tun etwas bewirken." Während dieses Projekts haben die Dritt- und Viertklässler mit dem Künstler Volker-Johannes Trieb 86 Tafeln angefertigt, auf denen die Namen der getöteten Zwangsarbeiter zu lesen sind. Sie können jetzt am Schulgebäude betrachtet werden.
Autor:
tw


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