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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Höfliche Polizisten und frische Dixi-Klos
Zwischenüberschrift:
Wie eine Osnabrückerin das Ende der Sitzblockade in Gorleben erlebte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Nicht allein im Wald: Renate Heise (r.) und Mitdemonstrantin Farina Listl bei der Sitzblockade in Gorleben. Foto: Anne Diekhoff
Von Anne Diekhoff - Osnabrück/ Gorleben. Renate Heise ist wieder zu Hause. Zwei Tage und Nächte hat die Osnabrücker Ärztin auf der Straße vor dem Zwischenlager in Gorleben verbracht - in einer Sitzblockade, an der sich mindestens 3000 Menschen beteiligten. Am Telefon klingt sie einen Tag danach noch etwas müde, aber zufrieden.
" Gerade, als sich alle wieder aufs Schlafen eingestellt hatten, ging es doch los", erzählt sie. Lange hatte es in der Nacht zu Dienstag nicht danach ausgesehen. Denn plötzlich waren weitere Castor-Blockaden dazugekommen: Greenpeace überraschte mit einem als Bierlaster getarnten Hindernis, vier Bauern ketteten sich in einer Beton-Pyramide an.
Doch schließlich verkündete die Polizei trotzdem die Räumung der Sitzblockade. " Und alle waren wieder elektrisiert", sagt Renate Heise. Die Stimmung sei gut gewesen. Manche haben, so erzählt sie, ihre Musikinstrumente wieder ausgepackt und gesungen. " Das waren schon schöne Eindrücke." Ein Seelsorgerteam habe etwas zum Knabbern verteilt und sich bei den Sitzenden nach dem Befinden erkundigt - um die friedliche Stimmung zu unterstützen.
Um sechs Uhr sei der " Pulk" dann bei ihr gewesen. Der Pulk: Das war zwei Polizisten pro Demonstrant, dazu Vermittler jeweils von Polizei und Atomkraftgegnern. Und dann wurde sie wie jeder der 3000 sitzenden Menschen von den Beamten gefragt: " Möchten Sie selber gehen?" Und, wie verabredet, antwortete sie: " Nein, ich möchte getragen werden." Dann seien die Polizisten zur Trage-Tat geschritten.
" Die waren total höflich", sagt Renate Heise. Leicht hätten sie es mit den zum Teil sehr großen Männern nicht gehabt. Ihr Mann habe gesagt: " Ach komm, den Rest geh ich selber", als einer der ihn tragenden Polizisten ins Stolpern geriet.
Es gab nach der Räumung Stimmen, die Beamten seien gegen Ende ruppiger geworden. " Da waren aber keine wilden Sachen", so hat es Renate Heise erlebt. Nur ein Demonstrant sei in Gewahrsam genommen worden - nach der Schienenblockade bei Hitzacker am Tag zuvor waren es 1500 gewesen.
Das erste Ziel war eine Art Auffanglager, das die zuständige Initiative " X-tausendmal quer" im Wald errichtet hatte. " Da gab es frische Dixieklos - das war auch schön", so Renate Heise. Ihre Bilanz der Aktion? " Das zu machen war wichtig", sagt sie. Zurück in Osnabrück, wurden sie und ihr Mann von einem Gruß von Freunden empfangen: In ihrer Küche stand neben einer Portion Vitamine in Form von Saft und Apfelsinen ein Schild: " Danke für den Einsatz". Ein Echo, über das die beiden sich sehr gefreut haben.

Autor:
Anne Diekhoff


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