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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Schokoladenblick mit Würfeln
Zwischenüberschrift:
Städtebauliche Karriere einer Kriegslücke: Vom Parkplatz zur urbanen Ruhezone
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Hässlicher Parkplatz, aber noch unverstellter Blick auf Osnabrücks " Schokoladenseite" mit Rathaus, Marienkirche und Bürgerhäusern am Markt. Die Aufnahme vom März 1996 entstand zu Beginn der Bauarbeiten. Aus der Sammlung Hellmut Radßat
Osnabrück. Nun ist Ruhe eingekehrt an der Lortzingstraße. Der frühere Lortzingplatz, seit 2003 offiziell Fritz-Wolf-Platz, lag 1975 im Zentrum der heftig umstrittenen Flächensanierung. Es brauchte danach weitere 20 Jahre, bis das Konzept der Neubebauung mit den zwei würfelartigen " Stadtpalais" sich durchgesetzt hatte.
Von Joachim Dierks - Das " historische" Foto ist kaum 15 Jahre alt, lässt aber dennoch die großen Veränderungen erkennen, die seither dem Quartier südlich des Marktplatzes ein völlig anderes Gesicht gegeben haben. 1996 ging der Blick frei auf St. Marien, Rathaus und die Rückfront der Giebelhäuser am Marktplatz. Diesen " Schokoladenblick", wie ein Ratsherr ihn damals nannte, auf Osnabrücks gute Stube hatte es in weiter zurückliegenden Zeiten nie gegeben. Er war das Zufallsergebnis nach Kriegszerstörungen und Altstadtsanierung per Abrissbirne.
Viele Osnabrücker Bürger - bei einer NOZ-Umfrage 1982 waren es 92 Prozent - hatten diesen Blick so lieb gewonnen, dass sie eine Neubebauung ablehnten und sich stattdessen einen grünen " Stadtgarten" auf dem Lortzingplatz wünschten. Auch die Osnabrücker Bürgervereine votierten in diese Richtung, während Politik und Verwaltung teils für eine geschlossene Bebauung entlang der Lortzingstraße, teils für einzelne frei stehende Stadthäuser mit dazwischen sich auftuenden Sichtachsen waren. Letzteres wurde als Kompromiss dann schließlich verwirklicht.
Auf dem Asphalt sind noch die weißen Parkbucht-Linien des Parkplatzes zu erkennen, eines ausdauernden Provisoriums, dessen letzte Stunde zum Zeitpunkt der Aufnahme im März 1996 aber bereits geschlagen hatte. Der Generalunternehmer Philipp Holzmann hat mit Zäunen das Baufeld abgesperrt, es kann losgehen mit dem Neubau der würfelförmigen Häuser Lortzingstraße 2 und 4.
Bevor dort die ersten Mieter 1997 einziehen konnten - auf dem aktuellen Foto ist links das Haus Nr. 2 zu erkennen -, war viel Wasser die Hase hinuntergeflossen. 1975 hatte sich heftiger Widerstand gegen den Abriss alter Bausubstanz gebildet. Einem vierspurigen Ausbau der Lortzingstraße stand noch das alte Schöningh' sche Haus im Wege. Es wurde monatelang von protestierenden Jugendlichen besetzt gehalten. Die Stadt ließ es schließlich polizeilich räumen, der Abrissbagger trat in Aktion. Dadurch wurde das benachbarte Alfahaus Domhof 4 zum Eckhaus. 1976 bis 1979 wurde es für 3, 8 Millionen DM umfassend renoviert und den Fassaden ihr neoromanisches Aussehen von 1853 zurückgegeben.

Autor:
Joachim Dierks


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