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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Finnen kaufen Karmann-Dachsparte
Zwischenüberschrift:
Gegengeschäft mit VW? - Jobs in Osnabrück bleiben erhalten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Neuer Eigentümer: Nach Informationen unserer Zeitung übernimmt der finnische Autozulieferer Valmet die Dachsparte des Osnabrücker Unternehmens Karmann. Foto: Werksbild
Osnabrück. Das monatelange Gezerre um die Karmann-Dachsparte ist entschieden: Nach Informationen unserer Zeitung wird neuer Eigentümer der finnische Autozulieferer Valmet Automotive. Am Standort Osnabrück werden alle 360 Jobs übernommen. Branchenkenner vermuten hinter dem Deal eine Abmachung mit Volkswagen.
Von Stefan Prinz - Die Finnen hatte ursprünglich niemand auf der Rechnung: Jetzt haben sie, für viele überraschend, sogar das Rennen gemacht. Karmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann habe sich mit Valmet auf den Verkauf der Dachsysteme verständigt, heißt es aus informierten Kreisen: " Der Deal ist perfekt." Betroffen sind rund 360 Mitarbeiter in Osnabrück und 350 im polnischen Zary.
Valmet Automotive ist ein Tochterunternehmen des finnischen Technologiekonzerns Metso. Trotz der Einigung wird das Ergebnis der Verhandlungen noch immer als streng geheim eingestuft: " Kein Kommentar", heißt es vom Sprecher des Insolvenzverwalters.
Beim überraschenden Ausgang des fast eineinhalbjährigen Verhandlungspokers hat offensichtlich Europas größter Autokonzern Volkswagen seine Hände mit im Spiel gehabt. In der Branche kursiert die Vermutung eines Gegengeschäftes: Seit 1997 lässt die Nobel marke Porsche ihr Modell Boxster bei Valmet fertigen. Seit 2005 wird auch der Porsche Cayman bei den Finnen gebaut. Eine langjährige und gewinnbringende Kooperation für beide Seiten. Seit diesem Sommer ist alles anders. Der Porsche-Betriebsrat setzte bei der Geschäftsführung einen Beschäftigungssicherungs-Vertrag durch. Demnach wird die Produktion der beiden Erfolgsmodelle Boxster und Cayman zurück ins Stammwerk im schwäbischen Zuffenhausen verlegt, um am Porsche-Hauptsitz Arbeitsplätze dauerhaft zu sichern.
Valmet gehen dadurch zwei wichtige Aufträge verloren. Diesen Verlust könnte die neue Porsche-Mutter Volkswagen jetzt in Osnabrück wiedergutgemacht haben. Den ersten Auftrag aus dem VW-Konzern hat Valmet schon: Erst vergangene Woche verkündete Konzernchef Martin Winterkorn in Osnabrück, dass der neue Eigentümer der Karmann-Dachsparte künftig die Dächer für das Cabrio-Modell des Audi A 3 übernehmen werde - ein von offizieller Seite unbestätigtes Gegengeschäft in mehrstelliger Millionenhöhe.
Zu den wenigen noch ungeklärten Details des Kaufvertrages zwischen Insolvenzverwalter Hermann und Valmet gehört vermutlich die genaue Zahl der Arbeitsplätze am Standort Zary in Polen, so Branchenkreise. Während in Osnabrück Investitionen und sogar eine Beschäftigungssicherung für alle 360 Mitarbeiter zugesichert worden seien, ist die Zukunft der polnischen Karmänner derzeit unklar.
Als eine der zentralen Fragen eines Verkaufs galt bisher, welches Wohlwollen die Interessenten bei den bisherigen Karmann-Großkunden Daimler und BMW genießen. Davon hingen künftige Aufträge ab. Die Einigung mit Valmet deutet darauf hin, dass auch die beiden Autokonzerne ihre bisherigen Geschäftsbeziehungen mit Karmann auch mit dem neuen Eigentümer Valmet fortsetzen wollen.
Mit den Zusagen kommt ein Wettbewerb zum Ende, bei dem es einen großen Verlierer gibt: den österreichischen Autozulieferer Magna. Der Konzern hatte den Zuschlag fast sicher in der Tasche, als das Bundeskartellamt den Zusammenschluss mit Magna verbot. Die Begründung: Die ohnehin schon kleine Zahl von Anbietern von Cabriodächern würde durch den Verkauf von Karmann an Magna weiter verringert. Selbst auf gerichtlichem Weg erzielte Magna keinen Erfolg.

Autor:
Stefan Prinz


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