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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Die Zukunft hat schon begonnen
Zwischenüberschrift:
160 Hektar Kasernenflächen der Briten sind eine Chance für die Osnabrücker Stadtentwicklung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Und jetzt ganz vorsichtig: Mit einem Spezialbagger mit 25-Meter-Ausleger wurden einige Mannschaftshäuser in der Winkelhausenkaserne zugunsten des Kaffee-Partner-Neubaus abgerissen. Der Neubau beginnt in Kürze. Foto: Archiv/ Uwe Lewandowski
fhv Osnabrück. Von einer " Jahrhundertaufgabe" war die Rede, als das britische Verteidigungsministerium Ende 2005 die Schließung der Garnison Osnabrück ankündigte: Immerhin 160 Hektar Kasernenfläche und 1500 Wohnungen wurden künftig frei. Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip wie auch sein Nachfolger Boris Pistorius und Stadtbaurat Wolfgang Griesert sprachen unisono von der " historischen Aufgabe", eine neue Stadt zu bauen. Heute, nicht einmal fünf Jahre später, herrscht Erleichterung ? darüber, wie schnell und geräuschlos der Abzug der Briten erfolgte und wie schnell der Prozess der Konversion angelaufen ist.
Bernd Santowski regiert seinen 70 Tonnen schweren Bagger auf Knopfdruck: Ganz behutsam greift er mit der Abbruchzange in 15 Meter Höhe einen kompletten Fensterrahmen und zieht ihn aus der Wand. Santowski arbeitet für das Abbruchunternehmen Sperling aus Schleswig-Holstein, das im Spätsommer mit dem Abbruch der Kasernengebäude an der Römereschstraße begonnen hat.
Erst wurden die Garagen und Lagerhallen abgeräumt. Dann kamen die beiden großen Mannschaftsgebäude in der Südwestecke der Winkelhausen-Kaserne an die Reihe. Denn bald will die Firma Kaffee-Partner hier ihr neues Lager und Verwaltungsgebäude bauen.
Dass das Wallenhorster Unternehmen mit 300 Mitarbeitern sich immerhin zehn Hektar im Osnabrücker Hafengelände gesichert hat, für Lager, EDV, Verwaltung und Logistik zunächst ein futuristisches Gebäude mit immerhin 10 000 Quadratmeter Fläche errichtet, hat dem Thema Konversion gerade in den letzten Wochen richtig Schwung gegeben. Bis dahin war vor allem über ein Behördenzentrum des Landes und den Güterumschlag einer Spedition auf der mit 31 Hektar drittgrößten Kaserne gesprochen worden.
Damit der Durchbruch in der Winkelhausenkaserne gelingen konnte, holte die Stadt Osnabrück noch einen Partner mit ins Boot. Erschließungsträger sind die Stadtwerke, die wiederum den Abbruch ausgeschrieben haben und das Gelände für den neuen Eigentümer Kaffee Partner vorbereiten: " Wir trennen möglichst sortenrein. Das schont die Umwelt, erleichtert das Recycling, und die Verkaufserlöse sind auch Bestandteil der Kalkulation", so erläutert Polier Thorsten Runge das Verfahren: Holz, Metalle, Bauschutt werden sorgsam sortiert. Schrittweise arbeitet Bernd Santowski mit seinem Bagger in dem Mannschaftsgebäude. Die großen Wohnblocks haben im Dachstuhl sogar Decken aus Stahlbeton ? als Schutz vor Luftangriffen. Da kann der 70-Tonnen-Koloss mit seinem 27 Meter langen Ausleger dann so richtig herzhaft zubeißen.
Die Dimension der Aufgabe macht auch eine andere Zahl deutlich: Auf etwa 40 000 Tonnen schätzt Polier Thorsten Runge den beim Abbruch der Hälfte der Mannschaftshäuser, der Garagen und Nebengebäude in der Winkelhausenkaserne entstehenden Schuttberg: " Der umbaute Raum beträgt immerhin 71 000 Kubikmeter."
Dass die Lage des Grundstücks bei einer Immobilie wertbestimmend ist, gilt nicht nur für Einfamilienhäuser. Auch die Woolwich-Kaserne am Nordhang des Westerbergs fand sehr schnell eine neue Verwendung: Das 5, 5 Hektar große Areal kaufte das Land Niedersachsen dem Bund ab, damit Uni und Fachhochschule den dringend benötigten Erweiterungsraum bekamen. Mittlerweile ist der erste Spatenstich für den Bau der neuen Mensa mitten auf dem künftigen Hochschul-Campus erfolgt, an den Plänen für eine Bibliothek und ein Seminargebäude wird gearbeitet. 70 Millionen Euro sollen verbaut werden.
Exklusiver Standort
Binnen fünf Monaten konnte die Bima, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, auch die kleinste und den meisten Osnabrückern fast völlig unbekannte " Metzer Kaserne", benannt nach einem ehemals in Metz stationierten Artillerieregiment, verkaufen. Eine Immobiliengesellschaft übernahm die Fläche an der Sedanstraße und will dort hochwertigen Wohnungsbau an einem exklusiven Standort verwirklichen.
Die städtische Immobiliengesellschaft OGE und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) besiegelten außerdem bereits einen Kaufvertrag über 8, 8 Hektar Kasernenfläche gleich gegenüber in der alten Scharnhorstkaserne, ebenfalls an der Sedanstraße. Damit befindet sich mehr als die Hälfte des insgesamt 14 Hektar großen Geländes am Westerberg in städtischer Hand. Hier soll voraussichtlich ab dem Jahreswechsel 2011/ 2012 der Wissenschaftspark entstehen, in dem sich unter anderem Existenzgründer aus dem Umfeld der beiden Hochschulen ansiedeln können. Ein rund zehn Millionen Euro teurer Neubau wird als Anker dienen: Das Technologie- und Gründerzentrum ICO (" Innovationscentrum Osnabrück") wird im Bereich des derzeitigen Kasernentores gebaut.
Läuft alles nach Plan, werden bereits in wenigen Monaten die Abrissbagger anrücken und die Flächen frei räumen. Denn von den Kasernengebäuden soll nur ein Bruchteil stehen bleiben. Unwirtschaftlich und aus statischen Gründen für den neuen Zweck nicht geeignet seien die Mannschaftsgebäude: " Die Geschossdecken tragen gerade mal sich selbst", haben die Statiker ermittelt.
Bereits 2011 werde dann das erste baufertige Grundstück für den " Brückenschlag zwischen den Hochschulen und der Wirtschaft" zur Verfügung stehen, kündigte der städtische Wirtschaftsförderer Wolfgang Gurk an.
Der Wissenschaftspark existiert zwar noch gar nicht, werde von der heimischen Wirtschaft und den Hochschulen aber bereits jetzt als solcher wahrgenommen, betonte Oberbürgermeister Boris Pistorius bei der Vorstellung des Projekts. Es gebe viele Interessenten, mit denen auch schon konkrete Verhandlungen geführt worden seien.
" Ein Meilenstein"
Auch dass in " Stufe 1" des Wissenschaftsparks bereits 60 Prozent der ehemaligen Offiziersunterkünfte im nördlichen Teil des Kasernengeländes vermietet werden konnten, werten die Verantwortlichen als Beleg für ihre Erwartung, dass dieser Wissenschaftspark zur Erfolgsgeschichte wird. " Heute ist ein wichtiger Tag", sagte Pistorius kürzlich bei der Vertragsunterzeichnung, " ein weiterer wichtiger Meilenstein im Konversionsprozess."
Einer, der nicht länger warten mochte, ist Nicolas Meyer. Mit seiner Firma Onyx Composites war der Jungunternehmer der Erste, der ein Gebäude auf dem Gelände der Belfast Barracks an der Sedanstraße hat. In einer Halle, in der die britische Armee bis vor Kurzem noch Panzer aus schwerem Stahl wartete, hat jetzt der Leichtbau Einzug gehalten. Die Geschäftsidee des 32-Jährigen ist die Konstruktion, Fertigung, Beratung, Forschung, Entwicklung und Schulung im Zusammenhang mit Faserverbundwerkstoffen.
Für zunächst drei Jahre hat Meyer das Gebäude gemietet. In der Zeit möchte er die Basis für ein dauerhaftes Wachstum des jungen Unternehmens legen. Bis dahin liegt viel Arbeit vor ihm. Denn parallel zur Aufbauarbeit an seiner eigenen Existenz ist er an der Fachhochschule bei seinem Lehrmeister Prof. Dr.-Ing. Thomas Derhake als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.
Der Zeitpunkt, jetzt eine Firma zu gründen, sei eher von Vorteil, so Meyer. Denn in schlechten Zeiten böten sich gerade kleinen Betrieben gute Chancen: " Große Unternehmen haben schnell einen Wasserkopf." Seine Geschäftsidee habe Zukunft, ist sich Meyer sicher: In vielen Unternehmen setzten die Chefs noch auf Stahl als Werkstoff: " Da gibt es aber einen Generationswechsel."
Geschichten wie diese zeigen die ungeheuren Chancen, die im Prozess der Konversion stecken. Dazu gehört auch, dass die Bima weitgehend geräuschlos einen Großteil der Britenwohnungen vermarktet hat.
Andererseits stehen in Eversburg und am Limberg noch weite Areale von zusammen fast 100 Hektar zur Disposition. Hier haben bislang vor allem Sportvereine die modernen Turnhallen und Rasenplätze der Briten gemietet. Auch die eine oder andere Halle hat schon eine neue Nutzung gefunden. Ob Spedition, Gewerbe, Grünflächen oder Wohnen ? für die Osnabrücker Stadtplaner bieten diese Flächen noch riesige Potenziale.
Internet: www.osna brueck.de/ konversion
Autor:
fhv


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