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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Inhalt:
Überschrift:
Nur 15 Elektroautos in Stadt und Landkreis
Zwischenüberschrift:
Energie-Hersteller investieren in Osnabrück in das Fahren mit Strom
Artikel:
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Originaltext:
Von Christian Wopen Osnabrück. " Ich fahr Strom" - jeder hat wohl die Werbung der Stadtwerke Osnabrück für den Einsatz von Elektromobilen schon gesehen. Auch die Stadt und der Landkreis haben sich das Thema auf die Fahnen geschrieben. Doch ein Blick in den Fuhrpark zeigt: Die Realität sieht anders aus. Die Fahrzeuge sind teuer und für viele Aufgaben nicht geeignet.
Michael Lutze fährt seit 1991 elektrisch. Der Hasbergener verkaufte damals seinen VW Jetta und stieg um auf einen in Ungarn gefertigten Pinguin 4 - gekauft für 20 000 Deutsche Mark. Weit kam er mit einer Aufladung nicht. Auch war er eher langsam. Dazu kamen wenig Platz, eine Menge Probleme mit der Technik sowie wenig Verständnis in seinem Umfeld. Nichts davon hat Lutze von seinen Idealen abgebracht. 19 Jahre später ist er noch immer ein Pionier der Elektromobilität, heute fährt er einen Kewet City Jet 5.
Bis zu 70 km/ h schnell, eine Reichweite von gut 50 Kilometern und einen Kofferraum etwa so groß wie in einem Smart. Der Elektro-Maschinenschlosser ist zufrieden mit seinem Wagen.
Populär und abwesend
Glaubt man dem Eindruck, den die Werbung der Stadtwerke Osnabrück macht, müsste alles sehr einfach sein. Auto kaufen, Steckdose anschließen und somit viel Geld sparen und die Umwelt schonen. Tatsächlich zählt der Landkreis Osnabrück 13 Elektroautos in Privatbesitz. Dazu kommt noch ein Wagen der Gemeinde Glandorf, das Dienstfahrzeug von Klärwärter Ludwig Vogelpohl. Die Stadtwerke Osnabrück haben seit Anfang September auch den ersten Wagen im Einsatz, ein Modell mit dem Namen Tazzari Zero aus Italien. Elektroautos sollen also populär werden, ohne großartig im Verkehr vertreten oder bei Händlern erhältlich zu sein.
Das liegt auch an den Herstellern, ist Lutze sicher. Seiner Meinung nach treten gerade deutsche Automobilhersteller bei der Elektromobilität auf die Bremse. Die ersten Serienwagen werden aus Frankreich kommen. So gebe es bisher nur Kleinserienfahrzeuge, aber die seien noch teuer. Dadurch habe es die Technik schwer. " Die Leute müssen aber sehen, dass es funktioniert. Der Ausbau der Ladestationen ist in Ordnung. Ist die Infrastruktur einmal da, wird sich langsam ein ganz neues Tankverhalten entwickeln", ist er überzeugt.
Strom tanken, aber wie?
Daran arbeiten zum Beispiel die Stadtwerke Osnabrück, wie Pressesprecher Marco Hörmeyer betont: " Wir lernen selbst noch viel aus den Rückmeldungen der Menschen." Mit der Werbekampagne habe man auf das Thema aufmerksam machen wollen. Frank Hoffmeister ist Leiter Unternehmensentwicklung bei den Stadtwerken und zugleich Projektlei ter E-Mobilität: " Es kommt eine Erwartungshaltung auf, auch bei uns. Wir hadern mit den verfügbaren Fahrzeugen", sagt er. Es sei eine " Henne-oder-Ei-Frage", ergänzt Julian Isken von der Unternehmensentwicklung. Man könne nicht mit der Infrastruktur warten, bis die Fahrzeuge da sind, sondern wolle schon jetzt zeigen, was möglich ist.
Daher setze man derzeit vor allem auf Elektro-Roller. Insgesamt zwölf gehören den Stadtwerken. Zwei davon stellt man der Stadt, zwei dem Internet-Fernsehsender os1.tv und zwei der Hochschule zur Verfügung. " Die Übrigen sind in unserem Fuhrpark und werden gerade im Sommer sehr gerne von den Kollegen genutzt", sagt Hoffmeister. Tanken können alle diese Roller an sechs verschiedenen Ladestationen der Stadtwerke in der Stadt Osnabrück.
Im Landkreis steht bisher nur eine Elektro-Zapfsäule explizit für Autos. Das Unternehmen RWE (Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk) hat sie vor dem Rathaus in Bad Essen aufgestellt. An solchen speziellen Stationen mit genormtem Stecker und Gleichstrom können neue Elektroautos in kurzer Zeit geladen werden. Der Kewet von Lutze allerdings nicht. " Das funktioniert nur mit Lithium-Ionen-Akkus", sagt er. Damit bleiben diese Ladesäulen zunächst vor allem Vorzeigeprojekte.
Blick in die Glaskugel
Muss also, wer gerne elektrisch fahren will, auch noch mit Steckern und Spannungen kämpfen? Nicht unbedingt. Die älteren Modelle lassen sich in der Regel bequem zu Hause an der Steckdose aufladen.
Es ist damit zu rechnen, dass die Stromanbieter sich hier in Zukunft nicht gegenseitig im Weg stehen wollen. Es gibt viele Kooperationen, schließlich soll, wer beispielsweise einen Vertrag mit den Stadtwerken hat, auch in anderen Städten problemlos tanken können. " Aber wer sich jetzt ein Elektro-Auto anschaffen will, der muss sich schon viel mit dem Thema beschäftigen", findet auch Hoffmeister. Einfach losfahren und überall tanken, das ginge noch nicht.
Wann die ersten Serienwagen sich durchsetzen, wie gut sie sein werden und wie die Verbraucher sich dann verhalten - " da schauen wir alle in die Glaskugel", sagt Hoffmeister.
Die Infrastruktur-Anbieter gehen daher mit gutem Beispiel voran. Auch die Teutoburger Energie Netzwerke prüfen Standorte für Ladestationen. Ach sie haben Elektroroller im Fuhrpark, allerdings noch kein reines Elektro-Auto.
Bis 2020 rechnet die RWE mit etwa 2, 4 Millionen Elektro-Autos in Deutschland. Andere Prognosen schwanken zwischen einer Million und vier Millionen. Wer jetzt selbst elektrisch fahren will, der wird noch bis 2011 vor allem auf zwei Rädern unterwegs sein. Noch, denn in den nächsten zwei Jahren soll viel geschehen. Bis dahin halten Exoten wie Lutze die Stellung und sorgen mit ihren kleinen Flitzern im Straßenverkehr für Aufsehen.
Es gibt sie also, die modernen Elektro-Fahrzeuge im Landkreis und der Stadt Osnabrück, aber sie stehen auf den Betriebsgeländen der Energieversorger.

Fragen zum Elektro-Auto
Wie ist die CO2-Bilanz? Das hängt sehr davon ab, welche Schritte zur Strom-Produktion man in die Rechnung aufnimmt. Fährt ein Elektro-Auto mit durchschnittlich 15 kWh auf 100 Kilometern und tankt den derzeit üblichen Strommix, dann ist die erzeugte CO2-Menge nicht geringer als bei einem normalen Verbrennungsmotor mit einem Verbrauch von fünf Litern, da auch bei der Stromproduktion CO2 entsteht. Hersteller wie RWE wollen daher ausschließlich sogenannten grünen Strom durch die Ladestationen fließen lassen.
Wie weit fährt ein Elektroauto? Das hängt von der Fahrweise ab: Der Sportwagen Tesla Roadster kann mit einer Aufladung bis zu 390 Kilometer weit fahren. Der Tazzari Zero der Stadtwerke schafft etwa 140 km. Erste Serienmodelle 2011 werden ebenfalls in dem Bereich zwischen 100 und 200 Kilometern liegen.
Wie schnell fährt es? Da die gesamte Energie direkt anliegt, beschleunigen Elektroautos zügig. Der Tesla ist von 0 auf 100 km/ h in 3, 8 Sekunden. Der Tazzari fährt immerhin maximal 100 km/ h schnell. Der recht weit entwickelte Mitsubishi i-MiEV, ebenfalls schon zu kaufen, beschleunigt bis auf 140 km/ h.
Was kostet mich das? Der reine Kaufpreis des Tesla Roadster beträgt derzeit 84 000 Euro. Der i-MiEV liegt umgerechnet bei 33 000 Euro. Die Hersteller rechnen damit, dass sich die Preise fast halbieren könnten, wenn entsprechende Stückzahlen produziert werden. Elektro-Roller, die auch in Sachen Leistung kaum einem normalen Roller nachstehen, kosten zwischen 1800 und 3000 Euro.
Was kostet der Strom für 100 Kilometer? Derzeit rechnen die Anbieter mit einem Strompreis von etwa 22 Cent/ kWh. Bei einem Verbrauch von durchschnittlich 15 kWh auf 100 Kilometer liegt der Preis bei gut drei Euro.

Autor:
Christian Wopen


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