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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Rohre von 1929 waren doch von 1989
Zwischenüberschrift:
Verschwundene Akten und ein kleines Staatsgeheimnis
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
rll Osnabrück. In der Rehmstraße erneuern die Stadtwerke den Regenkanal von 1989, obwohl Betonröhren eine Lebenserwartung von 100 Jahren bescheinigt wird. Aber die Stadtwerke glaubten, sie hätten es mit einem Kanal von 1929 zu tun. Eine Panne, die auf unvollständige Unterlagen zurückgeführt wird. Dennoch sieht Bauleiterin Daniela Fiege gute Gründe, die Rohre auszuwechseln.
Bäckermeister Hermann Bröcker kann sich noch gut erinnern, dass in den 80er-Jahren vor seinem Geschäft ein neuer Regenkanal verlegt wurde. Deshalb war er überrascht, als kürzlich der Bagger kam und die dicken Betonröhren wieder zum Vorschein brachte. Als er sich bei den Stadtwerken erkundigte, bekam er zu hören, die Kanäle seien von 1929 und müssten dringend erneuert werden. Hermann Bröcker verstand die Welt nicht mehr und wandte sich an die Zeitung.
Das Recherchieren war in diesem Fall nicht ganz einfach. Selbst die Tiefbaufirma, die noch vor 21 Jahren die Arbeiten ausgeführt hatte, behandelte die Angelegenheit wie ein Staatsgeheimnis. Vielleicht stand die Angst dahinter, einen Auftrag verlieren zu können. Erst eine Anfrage bei der Fachvereinigung Betonrohre und Stahlbetonrohre (FBS) in Bonn half weiter. Nach Auskunft von Geschäftsführer Wilhelm Niederehe gibt es Betonrohre mit Gummidichtung erst seit den späten 60er-Jahren. Und die Rohre aus der Rehmstraße haben ganz eindeutig solche Dichtungen. Von 1929 können sie also nicht sein.
Bauleiterin Daniela Fiege bedauert, dass sie einem Irrtum aufgesessen ist. Aber in den Bauakten sei von einer Reparatur des Regenwasserkanals in den 80er-Jahren nichts vermerkt. Die Unterlagen stammen vom Tiefbauamt der Stadt Osnabrück. Im Januar 2001 wurde die Abteilung für Stadtentwässerung von den Stadtwerken übernommen. 90 Mitarbeiter und etliche Kartons voller Akten zogen von der Bierstraße zur Alten Poststraße. Ob das eine oder andere Dokument dabei verloren gegangen ist?
An der Situation ändere sich dadurch nichts, sagt Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer. Die Bauarbeiten in der Rehmstraße seien notwendig, weil der Schmutzwasserkanal dringend erneuert werden müsse. Und der besteht aus gemauertem Backstein - zweifellos ein Werk von 1929. Bei einer Untersuchung mit dem Kameraroboter seien gravierende Schäden entdeckt worden, die ein schnelles Handeln erforderten, sagt Bauleiterin Daniela Fiege.
Für sie gibt es gute Gründe, den 21 Jahre alten Regenkanal gleich mit auszuwechseln. Zum einen, weil beide Rohre sehr dicht aneinander liegen. Durch die Arbeiten könnten die Regenrohre Schaden erleiden und nachträglich absacken, was teure Reparaturen zur Folge hätte. Zum anderen, weil die Hausanschlüsse heute am oberen Teil der Rohre angebracht werden. Damit reduziere sich die Gefahr volllaufender Keller. Die alten Anschlüsse mündeten im unteren Drittel des Kanals.
Entstehen durch den Einbau der neuen Betonrohre höhere Kosten? Die Bauleiterin sagt Nein. Das sei schon durchkalkuliert worden. Und mit Blick auf die skeptischen Nachbarn der Baustelle vermerkt sie, dass der Kanalbau in der Rehmstraße nicht durch Anliegerbeiträge finanziert werde, sondern aus dem Gebührenhaushalt. Die Anschlusskosten werden allerdings den Anwohnern in Rechnung gestellt.

Autor:
rll


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