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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das ist mein Ding
Zwischenüberschrift:
Der "Osnabrück-Verbesserer"
 
Für Rolf Brinkmann ist ökologisches Bewusstsein ein Lebensinhalt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Thomas Wübker - Osnabrück. Rolf Brinkmann ist 70 Jahre alt und Realist. Dennoch wird er in Kürze seinen Lebenstraum verwirklichen: ein Ökodorf in Osnabrück.
Rolf Brinkmann ist ein schlanker, sportlich aussehender Mann. Das liegt wohl daran, dass er zu seinen Terminen mit dem Fahrrad fährt. Das war mal anders. Für ein großes Unternehmen hat er in England in der Marketing-Abteilung gearbeitet und gutes Geld verdient. Damals fuhr er ein dickes Auto und jettete um die Welt. Den Umsatz des Unternehmens habe er versiebenfacht, sagt er, ohne damit angeben zu wollen. " Aber das ging nicht spurlos an mir vorüber."
Rolf Brinkmann gab den Stress auf. Er hatte genug Geld verdient, dass er es sich leisten konnte, nicht zu arbeiten. Ungefähr um die gleiche Zeit, etwa Anfang der Achtzigerjahre, hörte er zum ersten Mal davon, dass der Sohn eines Kollegen ein " Grüner" sei. " Ich dachte, das ist ein Spinner", sagt Brinkmann und lacht süffisant. Was er damals noch nicht wusste: Er hatte eine Wandlung vom Saulus zum Paulus vor sich. Auch er wurde ein " Grüner", wobei er keiner Partei angehört.
Seine damalige Freundin war " ökoorientiert", erzählt Rolf Brinkmann. Sie habe ihn darauf gebracht. " Sie hat Brot beim Bio-Bäcker gekauft", sagt er, als wäre das etwas Exotisches. Anfangs habe er noch gedacht, der Öko-Trip sei eine Mode-Erscheinung. Doch er belehrte sich eines Besseren und gewann an innerer Überzeugung. Schließlich kaufte sich Rolf Brinkmann 1988 sein erstes Fahrrad.
Anfang der Neunzigerjahre reifte die Idee, ein Ökodorf zu errichten. Das Vorbild fanden Rolf Brinkmann und seine Mitstreiter in Dänemark, wo es " Cohousing" genannte Siedlungen gibt, in denen Menschen gemeinsam nach ökologischen Kriterien leben. Ein Konzept wurde entwickelt, vom niedersächsischen Sozialministerium gab es etwas finanzielle Unterstützung, und ein Ort war auch gefunden worden. Ein Ökodorf mit 45 Wohneinheiten, Blockheizkraftwerk und Pflanzenkläranlage sollte auf dem Gelände der ehemaligen General-Martini-Kaserne entstehen. Dann platzte die Blase. " Es war zu überfrachtet", sagt Rolf Brinkmann.
" Jetzt sehe ich das realistischer", sagt er. Eine Siedlung auf dem Sonnhügel ist anvisiert worden, alles steht fest auf rechtlichen Füßen - und die Bewohner dürfen mit ihren Autos sogar vor ihren Häusern parken. Das sei ein Grund gewesen, warum die erste Vision des Ökodorfs nicht Wirklichkeit wurde, erzählt Rolf Brinkmann und schüttelt grinsend seinen Kopf. Es werde auch nicht mehr Ökodorf, sondern " Gemeinschaftssiedlung Sonnenhügel" heißen, sagt er. Gewohnt wird nach umweltschonenden Gesichtspunkten und gemeinschaftlich.
Ökologisch zu leben bedeute keinen Verzicht, meint Rolf Brinkmann. " Wenn man zu der Erkenntnis gekommen ist, dass man das ganze Gedöns wie Flugzeuge, teure Hotels und dicke Autos nicht braucht", fügt er an. Glücklicher sei er dadurch nicht geworden, dennoch sei sein ökologisches Bewusstsein zu seinem Lebensinhalt geworden. Dass er durch sein Engagement manchmal fast genau so viel Stress hat wie in seinem früheren Job, nimmt er schmunzelnd in Kauf. Auf der faulen Haut liegen sei nicht sein Ding, sagt der Mann, der seine Anliegen unaufdringlich, aber bestimmt vorträgt.
Auf die Frage, ob er ein Weltverbesserer im (positiven) Wortsinn sei, schüttelt er den Kopf. " Das trifft wohl auf Leute wie Jesus oder Gandhi zu", sagt er bescheiden. Er hält einen kurzen Augenblick inne, lächelt in sich hinein und schlägt einen anderen Begriff vor: " Osnabrück-Verbesserer."

Autor:
Thomas Wübker


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