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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
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Überschrift:
Atomvertrag schneidet Stadtwerken den Saft ab
Zwischenüberschrift:
Laufzeitverlängerung benachteiligt die kleinen Erzeuger und bremst Öko-Investitionen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
hin Osnabrück. Die geplante Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke schmälert die Rendite der Stadtwerke Osnabrück und durchkreuzt ihre strategischen Planungen. " Die zwölf Jahre Laufzeitverlängerung sind für uns ein Problem", sagt Stadtwerke-Vorstand Manfred Hülsmann. Der Wettbewerb werde zum Nachteil der kleinen Erzeuger verzerrt.
Am Dienstag will das Bundeskabinett das Energiekonzept verabschieden, das die Laufzeiten von Atomkraftwerken um durchschnittlich zwölf Jahre verlängert, den Ausbau der erneuerbaren Energien fördert und die Energieeffizienz bis 2050 steigern will.
Wie wirkt die Laufzeitverlängerung auf die Pläne der Stadtwerke Osnabrück? Die Kernkraftwerke lieferten im vergangenen Jahr 21, 9 Prozent des gesamten Strombedarfs in Deutschland. 17, 7 Prozent wurden aus Steinkohle, 23, 8 Prozent aus Braunkohle und 19 Prozent aus erneuerbaren Quellen gewonnen. Der Rest kam aus sonstigen Energieträgern. Nach dem rot-grünen Ausstiegsplan sollte ab 2020 der Atomstrom wegfallen. In diese Lücke wollten auch die Stadtwerke Osnabrück stoßen - mit den Steinkohle-Kraftwerken Hamm und Lünen, mit dem Gas-und-Dampf-Kraftwerk (GuD) in Uentrup, mit Windrädern und Sonnendächern. Doch diese Lücke wird sich nach dem Laufzeiten-Beschluss des Kabinetts erst sehr viel später öffnen.
Damit ist fraglich, ob die Stadtwerke wie geplant 180 Millionen Euro in den kommenden zehn Jahren in den grünen Bereich investieren werden. Fraglich ist, ob 2050 der Ausstieg aus dem Kohlestrom und die Umstellung auf eine komplett CO2-neutrale Energieversorgung gelingen können. Bis dahin werde die Energieerzeugung aus Gas und Kohle gebraucht, um die Versorgung zu sichern und wettbewerbsfähige Preise bieten zu können, sagen die Stadtwerke.
Warum wollen die Stadtwerke unbedingt selbst Strom erzeugen? Die Stadtwerke verdienen das Geld am Ende der Versorgungskette - beim Verkauf des Stroms an den Endverbraucher. Die lukrative Stromproduktion teilen sich die vier großen Energieerzeuger RWE, Eon, Vattenfall und EnBW. Die Stadtwerke Osnabrück nutzten die allmähliche Öffnung des Erzeugungsmarktes in den vergangenen Jahren für Investitionen in Windräder, Blockheizkraftwerke, Fotovoltaik und vor allem in Beteiligungen an neuen Kohlekraftwerken in Hamm und Lünen und dem GuD-Werk in Hamm-Uentrup in jeweils zweistelliger Millionenhöhe. Ziel ist es, sich von den Preisschwankungen unabhängiger zu machen und selbst an der Erzeugung zu verdienen.
Hat die Laufzeitverlängerung Folgen für die Rentabilität der eigenen Stadtwerke-Kraftwerke? Ja, erhebliche sogar, wenn Stadtwerke-Vertriebschef Klaus Siedhoff mit seinen Prognosen recht behält. Der Strom aus den neuen hocheffizienten Kraftwerken ist teurer als der aus den Kernkraftwerken. Die Rendite für die Stadtwerke Osnabrück werde kleiner ausfallen.
Warum sind die großen Erzeuger die Gewinner auf dem Strommarkt? Der Strompreis wird auf der Strombörse in Leipzig ermittelt. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass der Strom aus erneuerbaren Quellen vorrangig eingespeist wird. Für den Bedarf darüber hinaus werden die Kraftwerke zugeschaltet, die am billigsten anbieten können. Der Kalkulation liegen die Grenzkosten zugrunde, das bedeutet: Was kostet es, eine weitere Kilowattstunde Strom zu produzieren? Mit weitem Abstand am billigsten sind die Atommeiler, es folgen die Braunkohlekraftwerke, die Gas- und Dampfturbinen und die Steinkohleanlagen. Deshalb erzielen die Atombetreiber die größte Gewinnmarge. Wären sie wie geplant 2020 aus dem Markt, würde Platz frei werden für andere, aber auch teurere Anbieter. Wahrscheinliche Folge für die Verbraucher: Der Strompreis steigt.
Die hohen Gewinnmargen, die den Kernkraftwerksbetreibern weitere Jahre zugestanden werden, durchkreuzen nach den Worten von Stadtwerke-Vorstand Hülsmann auch das Engagement der kleinen Erzeuger in Windparks. Denn am wirtschaftlichsten sind die Offshore-Anlagen draußen auf hoher See, doch die könnten sich nur die Konzerne leisten.
Was muss nach Meinung der Stadtwerke im Energiekonzept geändert werden? Die alten Kohlekraftwerke mit einem Wirkungsgrad von 30 Prozent sollen abgestellt werden. Das senkt den CO2-Ausstoß und macht die Lücke frei für die neuen Kohlekraftwerke mit 46 Prozent Wirkungsgrad.

Kommentar
Nachteil für die Stadt
Von Wilfried Hinrichs - Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) ist der Fürsprecher der deutschen Stadtwerke in der Hauptstadt, doch dessen Lobbyarbeit hat offenbar nichts bewirkt. Die mittelständischen Stromerzeuger, zu denen seit einigen Jahren auch die Stadtwerke Osnabrück gehören, sind die Verlierer der Laufzeitverlängerung. Und das gilt auch für die Kommunen.
Wenn die Stadtwerke Osnabrück nicht die erhoffte Rendite aus dem Kohle-Engagement in Hamm und Lünen erwirtschaften können, schlägt sich das direkt im städtischen Haushalt nieder. Im Schnitt überweisen die Stadtwerke fünf Millionen Euro Gewinn jährlich an die Stadt - und die braucht, wie wir wissen, davon jeden Cent. Wieder einmal wird in Berlin etwas beschlossen, was am Ende zulasten der Kommunen geht.
Kritiker des Kohle-Engagements der Stadtwerke werden jetzt einen Ausstieg aus der Kohle fordern. Aber das würde die Stadtwerke schwächen und Mitbewerbern Marktanteile überlassen. Besser wäre es, wenn die Forderung des VKU in Berlin Gehör fände: die alten Kohlemeiler abschalten.

Autor:
hin


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