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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ganz Osnabrück ein Aufmarschgebiet
Zwischenüberschrift:
September 1910: Im Fledder begann der Bau des Güterbahnhofs
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Im September 1910 begannen die Erdarbeiten für den Güter- und Rangierbahnhof im Fledder. Zufrieden schauten auch die städtischen Kollegien auf den Baubeginn, der zahlreichen Arbeitern auf Jahre Arbeit bieten würde. Begonnen wurde gegenüber dem Stahlwerk. Die Verlegung der Hase, ein provisorischer Brückenbau über den Fluss und ein Gleisanschluss zwischen dem Hannoverschen Bahnhof und dem Fledder gingen allen anderen Arbeiten voraus.
Von Christiana Keller - Noch vor dem Winter sollten auch die Bauarbeiten an der Bahnunterführung Buersche Straße vorankommen. Den Beginn machte der Geländedurchstich hinter dem Restaurant Felsenkeller. Etliche Häuser mussten dann für den weiteren Streckenabschnitt abgerissen werden. Für die schwersten Arbeiten waren hier, wie im Fledder, Lokomobilen eingesetzt.
In diesem Monat lagen erstmals alle Gleise auf den dafür aufgeschütteten Dämmen. Die Eisenbahn fuhr von nun an auf Brücken über die Johannis-, Klöntrup-, Iburger und Sutthauser Straße. Durch die Unterführungen konnte der Straßenverkehr auf diesen Strecken nun endlich barrierefrei fließen. Nun war auch der Weg frei für die Erweiterung des Straßenbahnnetzes. Im Rathaus wurde schon eifrig daran geplant.
Jenseits der neuen Eisenbahntrasse konnte nun ein neuer Stadtteil entstehen. Der Gemeinnützige Wohnungsbauverein hatte bereits große Flächen angekauft. Im Winkel zwischen der Magdalenenstraße und der Sutthauser Straße sollte ein " Spielplatz für die Jugend" entstehen. " Auf die Schaffung freier Plätze legt heute jede Stadt besonderen Wert", war dazu im Osnabrücker Tageblatt zu lesen.
40 Jahre nach der gewonnenen Schlacht bei Sedan am 2. September 1870 füllten Berichte über Festkommerse, Veteranentreffen und Jubelfeiern noch immer die Lokalnachrichten aller Zeitungen. An diesem Tag war es in vielen Kommunen üblich, den Veteranen ein Ehrengeschenk von 40 Mark zu überreichen. Die Osnabrücker Stadtväter übergaben den Obolus 1910 noch an 240 ehemalige Kriegsteilnehmer.
Ein Mädchenhändler-Ring trieb in Deutschland sein Unwesen. Auch aus Osnabrück wurde ein Mädchen vermisst, das wahrscheinlich in Frankfurt am Main verschleppt worden war. Gut ein Dutzend junge Frauen aus dem ganzen Reich waren verschwunden. Eine hatte nach Hause geschrieben, sie habe ein lukratives Angebot, als Dienstmädchen ins Ausland zu gehen, angenommen. Im Taunus hatte man einen Mann festgenommen, der mit mehreren jungen Frauen nach Argentinien auswandern wollte. Das Schicksal der anderen Mädchen war unbekannt.
Es regnete unentwegt
Der lang anhaltende Regen führte 1910 zu empfindlichen Ernteausfällen. Zwar war es gelungen, den Weizen, den Hafer und die Gerste einigermaßen trocken unter die Dächer zu bringen, aber die Roggenernte galt als verloren. Hackfrüchte hatten vom Regen profitiert, Kartoffeln waren weitgehend auf den Feldern verfault. Auch die Obsternte war nur mäßig, es fehlten die sonnigen Tage. Ergiebige Regenfälle verwandelten auch damals die Niederungen zwischen Eversburg und Bramsche in ausgedehnte Seenlandschaften.
Die Bevölkerungsstatistik für den August zeigte wieder einmal einen gewaltigen Geburtenüberschuss. Osnabrück wuchs rapide. 174 Kinder waren ins Leben getreten, und 74 Personen waren im selben Zeitraum gestorben.
Osnabrück und Umgebung hatte " Einquartierung", denn trotz Dauerregens fanden die Herbstmanöver statt. Im großen Bogen, westlich der Stadt, von Tecklenburg, bis in den Gehn hinein waren Soldaten aufmarschiert und " kämpften" gegeneinander. Für die Biwaks waren Plätze bei Hasbergen bereitgestellt. Von allen Bahnhöfen gingen Züge ab, um neugierige Zivilisten zu extra eingerichteten Zuschauerplätzen zu bringen.
In vielen Osnabrücker Häusern waren Soldaten und Offiziere untergebracht, und am Abend erschollen fröhliche Trinklieder aus den Quartieren. Die " Vaterlandsverteidiger", wie sie der Lokalreporter im Osnabrücker Tageblatt nannte, brachten allabendlich Unruhe und Leben in die beschaulichen Gassen.

Autor:
Christiana Keller


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