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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Alte Fabrik, neue Ideen
Zwischenüberschrift:
Osnabrück. Der Letzte macht das Licht aus. In der alten Chemiefabrik Hagedorn an der Lotter Straße wird nicht mehr produziert. Die Maschinen gehen nach Lingen und nach Italien, vieles landet auf dem S
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Der Letzte macht das Licht aus. In der alten Chemiefabrik Hagedorn an der Lotter Straße wird nicht mehr produziert. Die Maschinen gehen nach Lingen und nach Italien, vieles landet auf dem Schrott. Ende dieser Woche sollen die Betriebsgebäude leer geräumt sein. Die Zentrale bleibt aber in Osnabrück.
- Seit 1885 besteht eine Produktionsstätte an der Lotter Straße. Zuerst unter dem Namen Hagedorn und Sanders, später Hagedorn und Fricke. Anfangs wurden Gusskugellager und diverse Fahrradartikel hergestellt. 1897 entstand das Fabrikgebäude mit angrenzendem Maschinen- und Kesselhaus. Wenig später begann die Fertigung von Fahrradgriffen aus Zelluloid. Das war der Einstieg in die Kunststoffproduktion, mit der die Hagedorn AG noch heute erfolgreich ist.
Für den altertümlich anmutenden Chemiebetrieb wurde die Luft in Osnabrück allerdings immer dünner. Mehrere Brände, zuletzt in den 90er-Jahren, ließen den Ruf nach einer Verlagerung laut werden. Konkret wurde es allerdings erst, als das Karree mit dem alten Busdepot und der Hagedorn? schen Fabrik zum Sanierungsgebiet erklärt wurde. Das Land Niedersachsen finanzierte schließlich den Umzug nach Lingen, wo Hagedorn seit 1910 Nitrozellulose verarbeitet.
An der Lotter Straße haben zuletzt weniger als 20 Mitarbeiter Pigmentpräparationen hergestellt - trockenen Lack in Pillenform. Aus diesem Halbfabrikat entstehen Lacke, die vor allem in der Lebensmittelindustrie verwendet werden. Etwa zum Bedrucken von Chipstüten, Süßigkeitenverpackungen und Joghurtbechern. Vor dem Krieg hatte der Betrieb auf demselben Areal noch über 400 Arbeiter beschäftigt.
Ein großer Teil der Fabrik von 1897 steht schon lange leer. So verstaubten zum Beispiel die Maschinen, mit denen früher Tischtennisbälle aus Zelluloid hergestellt wurden. Die meisten von ihnen wurden in den vergangenen Wochen verschrottet. Wer durch die Hallen geht, kann sich kaum vorstellen, dass Pingpongbälle noch vor 21 Jahren in der hölzernen Bims trommel ihre raue Oberfläche bekamen.
Das Gerät sieht nicht nur aus wie Marke Eigenbau - es wurde tatsächlich in der betriebseigenen Schlosserwerkstatt gefertigt, wie Personalchef Christian Kuhlmann erklärt.
Wie im 19. Jahrhundert
Wer die Werkstatt betritt, wähnt sich im 19. Jahrhundert. Nebenan, im Kesselhaus, stehen noch die großen Ungetüme aus der Dampfkesselfabrik von Julius Meyer an der Sutthauser Straße. Kaum zu glauben: Einer von ihnen wird noch beheizt. " Weil wir warmes Wasser brauchen", sagt Kuhlmann. Aber nicht mehr lange.
Auf dem Fabrikgelände machen sich ein paar Monteure im Blaumann an den letzten Maschinen zu schaffen. Den Mitarbeitern, die an diesen Maschinen gestanden haben, sind Jobs in Lingen angeboten worden. Einige haben die Kündigung bekommen.
Ende September will das Unternehmen die Fabrik an der Lotter Straße mehr oder weniger besenrein an die Baubecon übergeben, die als Sanierungsträger im Auftrag der Stadt Osnabrück die Neuordnung des Quartiers vorantreiben soll.
Bagger noch nicht bestellt
Nebenan reißen die Bagger das alte Busdepot der Stadtwerke ab. Es wird nicht mehr lange dauern, bis das ganze Gelände abgeräumt ist. Da könnten die Abbruchspezialisten auf dem Hagedorn-Gelände doch gleich weitermachen. Denn die Fabrikschuppen aus der Nachkriegszeit, in denen sich noch vor drei Wochen die Glattwalzen zur Herstellung von Farbchips drehten, werden das neue Zeitalter für das Quartier an der Lotter Straße nicht erleben. Aber bei Hagedorn wird vorerst nichts abgerissen.
Vereinbart ist, dass der Sanierungsträger Ende des Monats die Schlüssel erhält, wie Clemens Hoffstätter von der Baubecon berichtet. Und dann soll zunächst einmal abgewartet werden, welche Lösung aus dem Investorenwettbewerb hervorgeht. Wie es heißt, wird der Rat in den kommenden Monaten die Entscheidung treffen.
Deshalb ist derzeit auch noch offen, was aus dem denkmalgeschützten Fabrikgebäude von 1897 wird. Wer durch die leer geräumten Etagen geht, braucht nicht viel Fantasie, um sich eine schicke Loftwohnung vorzustellen, ein angesagtes Restaurant oder eine kreative Bürogemeinschaft. Vielleicht auch alles nebeneinander.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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