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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der "eiserne Ring" wurde angehoben
Zwischenüberschrift:
Iburger Straße: Mit dem Bau der Eisenbahnbrücke 1910 endete der Dauer-Stau
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Sicherlich nicht so teuer wie " Stuttgart 21" dieser Tage, aber von ähnlicher Bedeutung für die städtische Infrastruktur war ein Verkehrsprojekt, das Osnabrück vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigte: die Höherlegung der Eisenbahnlinien. Der damals oft beklagte " eiserne Ring", der den Straßenverkehr im Würgegriff hielt, wurde endlich angehoben, sodass Fußgänger und Fahrzeuge darunter her passieren konnten.
- Das historische Bild zeigt den Bau der Eisenbahnbrücke über die Iburger Straße. Ganz Osnabrück litt damals unter dem Verkehrsinfarkt. Fuhrleute verbrachten bis zu zwei Stunden am Tag vor geschlossenen Bahnschranken. Zwar ist die Verkehrsdichte 1910 nicht mit der heutigen zu vergleichen. Aber immerhin übertraf sie diejenige der 1850er-Jahre, als die Ost-West-Bahnlinie Löhne-Rheine niveaugleich mit dem Straßennetz geplant wurde, um ein Vielfaches.
Das lässt sich auch an der Entwicklung der Einwohnerzahl ablesen: 1852 hatte Osnabrück so viele Einwohner wie heute die Gemeinde Belm, nämlich 13 700. Mit der Industrialisierung ging eine Verfünffachung einher, 1910 zählte man bereits 66 000. Die Bahn war der Faktor, der dieses Wachstum ermöglicht hatte, und paradoxerweise war sie es auch, die die weitere Entwicklung hemmte.
Die städtischen Gremien bissen sich die Zähne an der Königlichen Eisenbahndirektion Hannover aus. Wenn die eine Brücke bewilligte, dann nur, um die eigenen Betriebsabläufe günstiger gestalten zu können. Seit 1890 wurde geplant, beantragt, verworfen. Hannover schlug vor, die Stadt könne ja die Bahnstrecken untertunneln, die Straßen mittels Serpentinen auf die notwendige Tiefe bringen. Nur an einer Stelle wurde das ausgeführt: im Verlauf der Buerschen Straße durch den Klushügel. Erst mit dem Bau des Güterbahnhofs im Fledder einigte man sich mit der Bahn auf die Höherlegung aller innerstädtischen Strecken.
Die Iburger Straße wird von der 1871 eröffneten Bahnlinie Hamburg-Venlo gequert. Auf dem Bild sind unterhalb des offensichtlich gerade frisch aufgelegten eisernen Brückenträgers die niedergelassenen Schranken der noch ebenerdig verlaufenden Bahnstrecke zu erkennen. Sie wurde später auf den hier noch nicht geschütteten Bahndamm verlegt.
Der " eiserne Ring" hatte auch Osnabrücks Straßenbahnnetz eingeschnürt, da die Bahnverwaltung eine Kreuzung von Straßenbahn und Staatsbahn, die technisch möglich gewesen wäre, durch unerfüllbar hohe Auflagen verhindert hatte. Kaum war nun dieÜberbrückung der Iburger Straße fertiggestellt, verlängerte die Stadt die ehedem am Rosenplatz endende " Rote Linie".
Ab Dezember 1910 verkehrten die Wagen durchgehend vom Hasetor bis zum Schölerberg. Für die Befestigung des Fahrdrahtes an der Unterseite der bahneigenen Brücke stellte die Bahnverwaltung der Stadt eine jährliche Nutzungsgebühr von einer Mark in Rechnung.
Das heutige Erscheinungsbild der Brücke lässt ihr Alter von gut hundert Jahren erahnen. Die Widerlager aus großformatigen Formsteinen und der Eisen-Trog des Überbaus sehen kaum verändert aus. Die eingeschnürte Fahrbahnbreite und die eingeschränkte Durchfahrthöhe lassen erkennen, dass die Brücke nicht für die Verkehrsverhältnisse des 21. Jahrhunderts ausgelegt wurde. Aus neuerer Zeit stammen die gläsernen Lärmschutzwände längs der Gleise und ein davor liegender Wartungssteg.
Am rechten Bildrand, hinter der Einmündung der Spichernstraße, liegt das Haus Iburger Straße 6, das der Autohändler Rahenbrock nach dem Krieg errichtete. Zwischen 1957 und 1960 wurde der markante Erker im Fachwerkstil davorgeblendet. Auf der historischen Aufnahme ist die Dachfläche des Vorgängerbaus zu sehen, der den Krieg nicht überlebte. Davor steht einer der für die damalige Zeit typischen Verkaufskioske, auch " Seltersbuden" genannt.
Beim Betrachten der Baustelle fällt auf, dass nach dem Motto " Schipp, schipp hurra!" mit der Hand gearbeitet wurde. Kein Bagger, kein Kran, stattdessen Schiebkarren, Schaufeln, hölzerne Leitern und Schalungen. Bleibt zu hoffen, dass der gusseiserne Mast, der bei der Erneuerung des Straßenbettes in Schieflage geraten ist, nicht noch einem Passanten auf den Kopf gefallen ist.
Autor:
Joachim Dierks


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