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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Urwald-Tropenholz im Kinderbuch
Zwischenüberschrift:
Diskussion über die Schattenseiten der Papierproduktion
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
nor OSNABRÜCK. Deutschland ist Weltmeister im Papier-Recycling. Und Deutschland ist Europameister bei der Papier-Produktion. Das sind die guten Nachrichten. Doch das Geschäft mit dem strahlend weißen Papier hat auch eine Kehrseite.
So werden in Südafrika und Asien immer noch Wälder illegal gerodet - ohne Rücksicht auf die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung. Über " Die dunkle Seite des weißen Papiers?" diskutierten Vertreter der Papierindustrie mit Umwelt- und Verbraucherschützern in der Katholischen Familienbildungsstätte. Die Stadt hatte mit dem Aktionszentrum 3. Welt und der Osnabrücker Klimaallianz zu der Runde eingeladen, nachdem ein Schreiben des Oberbürgermeisters Boris Pistorius auf Widerstand des Verbandes Deutscher Papierfabriken (VDP) gestoßen war.
Pistorius hatte Eltern von Schülern zu Recyclingpapier geraten, weil bei der Papierherstellung Umwelt und Klima belastet würden. " Diese Vorwürfe haben in den 80er-Jahren gegriffen", räumte VDP-Vertreter Gregor Geiger ein. Seither seien vieleökologische Probleme aufgearbeitet worden. " Wir setzen auf nachhaltige Forstwirtschaft", stellte Geiger klar und wies auf entsprechende Zertifizierungen hin.
Der Verbandssprecher sprach sich auch für die Verwendung von Recyclingpapier aus. Derzeit würden 61 Prozent Altpapier bei der Papierherstellung als Rohstoff eingesetzt. " Altpapier ist ein wertvoller Rohstoff, der weltweit gehandelt wird", betonte er. Schon aus wirtschaftlicher Sicht werde Altpapier verwendet, da es billiger als Holz und Zellstoff sei. Allerdings könne Papier im Durchschnitt nur bis zu sechsmal wiederverwendet werden. " Unendliches Recycling geht nicht", so Geiger. Um den Recycling-Kreislauf in Gang zu halten, werde immer wieder Frischfaser-Papier benötigt.
Dr. Friederike Texter vom Osnabrücker Spezialpapierhersteller Felix Schoeller erklärte, dass ihr Unternehmen nur eigenes Papier recycele und wiederverwende. Außerdem würden nur Rohstoffe aus nachhaltiger Produktion eingesetzt. Daher sei der gesamte Betrieb mit dem FSC-Siegel zertifiziert worden. Monika Nolle von der Aktionsgemeinschaft Regenwald und Artenschutz hob allerdings hervor, dass die Zertifizierungskontrollen in vielen Ländern nicht ausreichend seien. So sei etwa in Schweden ein großer Naturschutzverband aus dem zuständigen Gremium ausgetreten, weil jahrelang gegen die Zertifizierungsbestimmungen verstoßen worden sei.
Nach Auskunft von Friederike Farsen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kommt Papier aus illegalem Einschlag trotzdem leicht nach Deutschland, beispielsweise über Frankreich, Italien und Holland. Auch in vielen in China gedruckten Kinderbüchern sei Urwald-Tropenholz zu finden. Farsen kritisierte zudem den mit 251 Kilogramm pro Jahr und Kopf zu hohen Papierverbrauch in Deutschland. Darin eingerechnet sei der komplette Verbrauch in Industrie, Handel und Verwaltung.
Durch den hohen Verbrauch steige der Druck auf die weltweiten Holzreserven, betonte Nolle. In Deutschland würden 80 Prozent des Zellstoffes importiert. Um den Bedarf zu stillen, gebe es auf der Welt immer noch Kahlschläge. So seien 80 Prozent aller Holzeinschläge in Indonesien illegal. In B ra silien hätten 7000 Familien der indigenen Guarani fast 40 Jahre dafür gekämpft, ihr Land zurückzubekommen. Ein großer Holzlieferant und Papierhersteller, der auch Hauptlieferant der Firma Felix Schoeller sei, habe die Menschen vertrieben, um Regenwald abzuholzen und Plantagen anzulegen.
Wie kann der Papierkonsum gesenkt werden, wenn der Einzelne auf den industriellen Verbrauch kaum Einfluss hat? Nach Ansicht der Verbraucherschützerin sind in Büro und Verwaltung immense Sparmöglichkeiten ungenutzt. Der E-Mail-Verkehr habe die Büros keinesfalls papierlos gemacht. Viele Ausdrucke seien überflüssig. Weiter forderte Farsen dazu auf, bei Schreib-, Drucker- und Kopierpapier verstärkt auf Recyclingprodukte zurückzugreifen: " Wir produzieren sehr viele Altpapierprodukte, aber wir nutzen sie nicht."

Autor:
nor


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