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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Ton macht nicht immer die Musik
Zwischenüberschrift:
Das "Schrottorchester" lärmte in den 70er-Jahren - Bewegende Reaktionen auf Hammersen-Foto
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
cbi Osnabrück. Was muss das für ein Lärm gewesen sein, wenn das " Schrottorchester" durch die Straßen von Osnabrück zog. Mehrfach war es in den 1970er-Jahren Bestandteil der Ferienpass-Aktion: Jungen und Mädchen bastelten aus allerlei Schrott Instrumente und bildeten einen schrillen Spielmannszug.
Erinnern Sie sich an das " Schrottorchester"? Waren Sie selbst dabei? Erkennen Sie sich oder Freunde auf unserem unbekannten Foto wieder? Aufgenommen wurde es vor 1977 in der Großen Straße - wissen Sie mehr? Haben Sie Fotos? Teilen Sie Ihre Bilder und Geschichten in der Internetgemeinschaft OS-Nachbarn.de mit.
Weit weniger ausgelassen als das " Schrottorchester" waren die Reaktionen auf unser unbekanntes Foto der alten Textilfabrik Hammersen. Der einst größte Baumwollkonzern Europas lag zwischen Wörthstraße und Iburger Straße in Osnabrück und wurde nach dem Konkurs im Jahr 1982 abgerissen. Zum Untergang des Unternehmens gab es allerdings kaum Rückmeldungen - stattdessen erinnerten sich unsere Leser an die Zerstörung der Fabrik im Zweiten Weltkrieg.
" Der Krieg hat dazu beigetragen, dieses Imperium zu zerschlagen", schrieb etwa Jürgen Schulte. " Am 13. September 1944 hat die 8. US Air Force mit 300 B17- und B24-Liberators in einem Tagesangriff um sechs Uhr nachmittags die Firma und das alte Osnabrück total zerstört. Mit der abgeladenen Bombenlast von 1263 Tonnen war dies einer der größten Angriffe auf Osnabrück. Die Firma Hammersen hat sich nie wieder von diesem Schlag erholt."
Schulte war 1965 in die USA ausgewandert und ist mit einem Enkel des Firmengründers befreundet, der in Helen, Georgia, ein Hotel betreibt. " Herr Hammersen erzählt oft von seiner großen Familie, die sehr verzweigt in Europa geschäftlich tätig war. [?] Seine Onkel und Tanten waren tätig in Holland, Norwegen, England, Österreich und München."
Wie der Arbeitsalltag bei Hammersen aussah, schilderte Friedrich Glasmeyer aus Hagen, der 1941 seine Lehre begann: " Arbeitsbeginn war dort morgens um 6 Uhr. Wir Lehrlinge mussten um 5.45 Uhr auf dem Dachboden eines mehrstöckigen Gebäudes zum morgendlichen Frühsport präsent sein. Das bedeutete für mich (ich fuhr damals von Hagen kommend mit dem Fahrrad ca. 10 km bis Osnabrück), dass ich spätestens um 5.30 Uhr am Eingangsbetriebstor sein musste, um nach einem langen Weg über den Betriebshof pünktlich auf dem Dachboden einzutreffen. Das war damals für mich eine ganz schöne Herausforderung." Eine weitere Leserin erinnerte unser Foto an das Schicksal einer Verwandten: Hannelore Lohmann hatte von 1939 bis 1941 im Lohnbüro der Spinnerei gearbeitet und wurde dann im Alter von 18 Jahren zum sechsmonatigen " Reichsarbeitsdienst" nach Schlesien berufen. Im Anschluss daran musste sie im sogenannten Kriegshilfsdienst weitere sechs Monate in der Breslauer Straßenbahn arbeiten.
Am 21. August 1942 schickte ihr ihr Osnabrücker Arbeitgeber einen Brief: " Sehr geehrtes Fräulein Lohmann! Wir haben heute über Sie in der Personalabteilung gesprochen und waren der Meinung, dass Sie Anfang Oktober wieder zu uns zurückkommen, weil Ihr Arbeitsdienst beendet ist." Doch Hannelore Lohmann kehrte nie zur Firma Hammersen zurück: Nachdem sie bis Kriegsende als Flakhelferin in der Luftwaffe hatte dienen müssen, nahm sie 1946 eine Stelle beim " Neuen Tageblatt" an.
Im November 1947 erblindete sie - Diagnose: Multiple Sklerose. 1951 starb Hannelore Lohmann im Alter von nur 28 Jahren.

Autor:
cbi


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