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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das kann kein Regenrückhaltebecken fassen
Zwischenüberschrift:
Bauen im Überschwemmungsgebiet war lange Zeit ganz normal - was kann die Stadt jetzt tun?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Das 100-jährige Hochwasser hat Hellern gerade erlebt. Ein 250-jähriges Hochwasser würde die nächsten Wohngebiete bis zum grünen Tal fluten. Im Internet kann sich jeder Osnabrücker anschauen, wie weit die Düte dann kommt. Irgendwann wird es passieren, die Stadt kann es nicht verhindern. Auch nicht mit dem Bau noch größerer Regenrückhaltebecken.
- Wer den Stadtplan von heute mit dem vor 50 Jahren vergleicht, erkennt die neuralgischen Punkte. Großflächig wurden Wohn- und Gewerbeansiedlungen in die Überschwemmungsgebiete von Hase, Düte und Nette ausgedehnt. Da liegt es nahe, dass die Flüsse, wenn sie über ihre Ufer treten, Keller und Betriebsgebäude in Besitz nehmen.
Die Stadtplaner orientieren sich am Jahrhunderthochwasser, das im Fachchinesisch auch als HQ100 bezeichnet wird. Erst seit 2004 darf in der entsprechenden Überschwemmungszone nicht mehr gebaut werden. Diese Vorschrift geht auf die große Elbeflut zurück, die sich zwei Jahre zuvor ereignet hatte.
Wenn es um den Hochwasserschutz geht, wird nach wie vor gefeilscht wie auf einem orientalischen Basar. Als die Stadt vor einigen Jahren vorübergehend erwog, für die Ikea-Ansiedlung das Überschwemmungsgebiet der Düte anzutasten und dafür einen Ausgleich an anderer Stelle zu schaffen, gab es sogleich eine empörte Reaktion aus der Nachbarschaft: Das Bürgerforum Atter forderte " gleiches Recht für alle" und schlug neue Baugrundstücke entlang der Birkenallee vor. Da hätten die Bewohner jetzt nasse Füße bekommen.
Bei Ikea setzte die Düte zwar die angrenzenden Wiesen und Felder unter Wasser, nicht aber den Parkplatz. Ein 250-jähriges Hochwasser würde sich allerdings bis ins Erdgeschoss ergießen. Das ist das Risiko, im Überschwemmungsgebiet zu bauen.
Dieses Risiko ging auch die Spedition Egerland ein, als sie vor zehn Jahren ein Parkdeck an der Wellmannsbrücke errichtete. Als am 27. August die Hase über ihre Ufer trat, musste das Untergeschoss frei geräumt werden. So strömte der Fluss planmäßig durch den aufgeständerten Bau.
Das Augusthochwasser zeigt allerdings auf, dass die planmäßige Vorsorge an Grenzen stößt. In Eversburg strömten 72 Kubikmeter pro Sekunde haseabwärts - 20-mal mehr als an normalen Tagen. Eine solche Flut würde sämtliche 90 Osnabrücker Regenrückhaltebecken innerhalb von 104 Minuten komplett volllaufen lassen. Diese Becken sind meist nur für ein zehnjähriges Hochwasser ausgelegt, und es gibt sie ohnehin nur in neueren Siedlungen.
Wenn die große Welle kommt, setzt die Stadt auf ein natürliches Becken: In Wissingen kann die Hase noch über ihre Ufer treten. Etliche Millionen Kubikmeter Wasser würden so zurückgehalten, sagt Detlef Gerdts vom Fachbereich Städtebau der Stadt Osnabrück. Wichtig sei, diese Überschwemmungsflächen auch in Zukunft frei zu halten. An der Hase funktioniere das, an der Düte allerdings nicht.
Erschwerend für die Planer, verteilt sich der Regen nicht gleichmäßig in der Region. Dieses Mal traf es die Düte mit voller Wucht, während die Nette vergleichsweise glimpflich davonkam. So bleibt die Überschwemmungsgefahr unkalkulierbar. " Wer dieses Mal trockene Füße behalten hat, kann nicht sicher sein, dass er nächstes Mal nicht dran ist", sagt Detlef Gerdts.
Für die Stadt bedeutet Vorsorge deshalb, an viele Eventualitäten zu denken. Vor allem aber, dass bei jeder neuen Planung die Abflussmenge nicht erhöht werden darf, wie es Stadtbaurat Wolfgang Griesert ausdrückt. Ganz konkret heißt das, Regenwasser möglichst an Ort und Stelle zu versickern oder auf Gründächern zurückzuhalten. Wo das nicht reicht, müssen Rückhaltebecken gebaut werden.
Wasserschäden entstehen aber auch durch Rückstau, weil Schmutz- und Regenkanäle nicht mehr abfließen können. Die Stadt rät zum Einbau von Rückschlagventilen. In einem Faltblatt wird Hausbesitzern empfohlen, technische Einrichtungen nicht in den Keller zu bauen. Und wenn doch, Waschmaschinen und andere Geräte auf Sockel zu setzen.

HQ100: Das Jahrhunderthochwasser
Mit HQ100 bezeichnen Fachleute ein Hochwasser, das im statistischen Mittel einmal in 100 Jahren vorkommt. In der Realität kann es ebenso gut morgen oder in 237 Jahren eintreten. Analog dazu gibt es Berechnungen für andere Zeiträume, zum Beispiel HQ250. Maßgeblich sind die gemessenen Jahreshöchstwerte und eine Häufigkeitsanalyse.
Die Berechnung ist zuverlässiger, wenn die zugrunde liegenden Daten über einen langen Zeitraum ermittelt wurden. Pro gnosen sollten nicht über den dreifachen Beobachtungszeitraum hinausgehen, bei HQ100 gelten 30 Jahre als Minimum.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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