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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Piesberg bekommt noch etwas drauf
Zwischenüberschrift:
Über den Südstieg nach ganz oben: Bis zur Feldbahn-Endstation und dann zu Fuß weiter
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Felsrippe. Für alle, die sich unterwegs noch eine Prise Western-Romantik gönnen wollen, ist die Fahrt mit dem Schmalspur-Express durch den Canyon aus Piesberger Karbonquarzit ein willkommenes Abenteuer. Von der Endstation sind es noch 269 Treppenstufen bis zum höchsten Punkt der Stadt.
Von Rainer Lahmann-Lammert - Rechtzeitig zum Bergfest ist der Südstieg fertig geworden. Dieser neue Wanderweg verbindet den Haseschacht mit dem Hochplateau, auf dem sich die neuen Windrotoren der Stadtwerke drehen. Für einen Wanderweg ist der Südstieg zwar recht kurz - je nach Variante zwischen 1, 2 und 1, 9 Kilometer Länge. Dafür hat er etwas, das andere Wege nicht haben: 84 Meter Höhenunterschied, eine historische Feldbahn als Wegbegleitung, zwei riesige Freitreppen, die an sich schon eine Sehenswürdigkeit sind, und eine Aussicht, die im Umkreis von 100 Kilometern einzigartig sein dürfte.
Probieren wir es mal aus. Wir treffen uns am Fürstenauer Weg, vor dem Lokschuppen, den die Aktivisten vom Museum für feldspurige Industriebahnen im ehemaligen Pumpenhaus eingerichtet haben. Von hier aus kann sich eigentlich niemand verlaufen, der dem Schmalspurgleis folgt. Jörg Sprengelmeyer und seine fünf ehrenamtlichen Mitstreiter haben ihren Jahresurlaub und viele Stunden zusätzlich geopfert, um ihre Maschinen auf die Strecke zu bringen. Fünf Loks sind fahrbereit, weitere 20 und über 100 Wagen stehen ihnen zur Verfügung.
An den letzten Metern wird noch gearbeitet. Mit zwei Kipploren bringen die Schmalspurfreunde den Schotter zur Baustelle am Südhang. In der Zugmaschine, Baujahr 1963, tuckert ein 28 PS starker Deutz-Motor mit zwei Zylindern. Ende September oder Anfang Oktober sollen auch Personen auf der Schmalspurbahn befördert werden.
13 Cheopspyramiden
Auf einer 36 Meter langen Betonbrücke überqueren wir das Betriebsgelände der Firma Cemex, ohne von den riesigen Radladern und Muldenkippern aus dem Steinbruch behelligt zu werden. In Gestalt einer acht Tonnen schweren Baggerschaufel begegnet uns die erste Erlebnisstation, ein Crashkurs über die Erdzeitalter und Fossilien, über den Kohlebergbau und die Industriegeschichte, den Gesteinsabbau und die unter der Grasnarbe schlummernde Mülldeponie.
Wanderer, kommst du zum Piesberg, so erfährst du, dass hier schon Gestein in der Größenordnung von 13 Cheopspyramiden abgetragen wurde. Und dass die Steinbruchfirma Cemex bis 2030 so viel Karbonquarzit aus dem Berg holen will, dass sie damit weitere sechs Pyramiden bauen könnte. Die kompakte Wissensvermittlung war Bedingung für einen Zuschuss, den die Deutsche Bundesstiftung Umwelt beisteuerte.
Das nächste Abenteuer ist der Canyon, der für den Südstieg in den harten Karbonquarzit gefräst wurde. Wenn dann auch noch die Feldbahn mit 18 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit ins Bild rollt, wäre dieses Stück Piesberg die ideale Kulisse für einen Western.
Stellen wir uns mal zwei dunkle Gestalten vor, die sich an der einsamen Endstation duellieren. Aber nein, Schluss mit der Träumerei, da tummeln sich nur friedliche Menschen. Zum Beispiel Dirk Boknecht und Udo Stegelmeyer, die gerade eine Lore Schotter auskippen.
Moment, was ist das für ein Geräusch? Klingt wie ein Düsenjet am Flughafen, nur nicht so laut. Das ist der Sound der neuen Windriesen, wenn die Luftströmung über ihre 41 Meter langen Flügel gleitet. Die Turbine steht am Ende einer schnurgeraden Treppe, die so steil und lang ist, dass manche Wanderer den längeren Fußweg vorziehen mögen. Wer den direkten Aufstieg wagt, sollte die Stufen zählen. Und die Zebrastreifen, die oben über die Asphaltstraße führen. Zusammengerechnet kommt man auf eine Zahl, die, mit einer Million multipliziert, das Alter des Piesberges ergeben soll. Hinter dieser Quizfrage steht Daniela Barlag vom Projektbüro Piesberg, die den Wanderern noch etwas Wissenswertes mit auf den Weg geben will.
200 Meter über NN
Wenn wir schon einmal beim Rechnen sind, gleich ein weiteres Zahlenspiel. Der Piesberg kommt durch Aufschüttungen auf eine Höhe von 188 Metern über Normalnull, auch wenn das noch nicht in allen Landkarten so vermerkt ist.
Die Stadt hat das Niveau noch etwas angehoben, wie Detlef Gerdts vom Fachbereich Umwelt erläutert: Mit Abraum wurde ein kleiner Hügel aufgeschüttet, der weitere sechs Höhenmeter bringt. Macht also 194 Meter für die künstliche Spitze.
Und nun kommt der Clou: Aus dem Stumpf einer alten Windturbine soll ein Aussichtsturm entstehen, der Gipfelstürmer auf volle 200 Meter über NN bringt. Dieser Blick wäre wohl kaum zu toppen. Umweltminister Hans-Heinrich Sander hat schon durchblicken lassen, dass sich das Land Niedersachsen an diesem Höhe-Punkt beteiligen könnte.

Geld aus Brüssel
900 000 Euro hat der Südsteg gekostet. Geld, das die Stadt allein wohl niemals aufgebracht hätte. Aber mit Unterstützung der Europäischen Union, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und des Naturparks Terra Vita ließ sich das Projekt stemmen. Für den Südstieg wurde eine 36 Meter lange Brücke gebaut, damit Wanderer und Feldbahnen nicht das Betriebsgelände der Steinbruchfirma Cemex überqueren müssen. Die Pläne, die der Landschaftsarchitekt Klaus Wiebold für den Südstieg ausgearbeitet hatte, bezogen sich zunächst nur auf den Wanderweg. Als die Anträge schon gestellt waren, musste die Feldbahn noch eingearbeitet werden.

Südstieg mit der Feldbahn
Eigentlich wollten die Feldbahnfreunde schon beim Bergfest mit der Personenbeförderung über den Südstieg starten. Das hat allerdings nicht ganz geklappt, zumal es durch den starken Regen zu Verzögerungen kam. Wenn die Landeseisenbahnaufsicht die Strecke freigibt, wird der Betrieb voraussichtlich Ende September oder Anfang Oktober beginnen. An jedem ersten und dritten Sonntag im Monat wird die Feldbahn dann fahren. Die Hin- und Rückfahrt kostet für Erwachsene zwei Euro, für Kinder einen Euro.

Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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