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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Region versinkt im Wasser
Zwischenüberschrift:
Katastrophenalarm in Osnabrück - Noch nie so viel Regen an einem Tag
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
hin Osnabrück. Die gute Nachricht nach dem historischen Regenchaos am Freitag: Es gibt keine Verletzten. Der Dauerregen hatte Hase, Düte und Werse auf Rekord-Pegelstände ansteigen lassen und mehrere Hundert Häuser unter Wasser gesetzt. Zum ersten Mal in der Nachkriegszeit herrschte Katastrophenalarm in Osnabrück. Der Schaden geht in die Millionen.
Am Ende eines dramatischen Tages entspannte sich die Lage: " Wir hoffen, dass im Laufe der Nacht die Pegel der Flüsse Hase und Hunte nicht mehr steigen, vielleicht sogar auch fallen", sagte der Leiter des Krisenstabes beim Landkreis Osnabrück, Winfried Wilkens, am Abend.
Im Georgsmarienhütter Stadtteil Oesede wurden in der Nacht zu Freitag zehn Häuser und eine Möbelfabrik regelrecht geflutet, nachdem die Düte über die Ufer getreten war. In Osnabrück traf es besonders den Stadtteil Hellern. In einigen Häusern stand das Wasser kniehoch. Zeitweise fiel der Strom aus. In Bad Essen-Wehrendorf lief ein Regenrückhaltebecken über und drohte sogar zu brechen. Vorsorglich wurden etwa 80 Personen in Sicherheit gebracht.
Die Fabriken von Rabe Agri in Bad Essen und Neuero Metallbau in Melle-Buer liefen voll. Beide Betriebe stellten die Arbeit ein. In den Meller Stadtteilen Gesmold, Oldendorf und Buer ergossen sich die braunen Fluten der Else in zahlreiche Häuser. Das Drachenfest in Melle, das gewöhnlich über 20 000 Besucher anzieht, wurde abgesagt.
Die A 30 (Hannover - Amsterdam) musste an der Anschlussstelle Osnabrück-Nahne wegen Überflutung zeitweise gesperrt werden. Der Zugverkehr zwischen Rheine und Osnabrück wurde unterbrochen, weil ein Stellwerk in Ibbenbüren unter Wasser stand.
Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia fiel in Osnabrück so viel Regen an einem Tag wie seit mehr als 100 Jahren nicht. Von Donnerstag (8 Uhr) bis Freitag (15 Uhr) gingen 140 Liter pro Quadratmeter nieder. Die Hase erreichte einen historischen Pegelstand von 2, 73 Meter. Der bisherige Höchststand lag bei 2, 46 Meter.
Die höchsten Niederschlagsmengen meldete Steinfurt mit 190 Liter. Dort fiel eine Kläranlage aus, für die Anwohner wurden mobile Toiletten aufgestellt. Auf einem Friedhof in Emsdetten sackte im aufgeweichten Boden ein Viertel der Gräber ein. Der Ort Stadthagen 40 Kilometer westlich von Hannover stand gestern komplett 30 Zentimeter unter Wasser.
Ursache für die heftigen Regenfälle war nach Auskunft von Meteomedia das Aufeinanderprallen von Luft mit extrem unterschiedlichen Temperaturen. In Baden-Württemberg wurden am Donnerstag noch 32 Grad gemessen, im nördlichen Niedersachsen waren es nur 16 Grad. Seiten 9, 10, 11 und 34

Kommentar
Der Lehrmeister Natur
Von Frank Henrichvark - Und plötzlich steht das Wasser auf der Straße, im Vorgarten, dann im Keller. Kein Strom, kein Telefon, im Hobbykeller eine braune Brühe. Außer nassen Füßen, für die Betroffenen sehr viel Arbeit und Ärger sowie einen Tag schulfrei bringt uns dieser Regentag vor allem eine ernüchternde Erkenntnis: welche Gewalten doch die Natur hat und wie schwach dagegen die Kräfte der Menschen sind.
Dabei muss niemand apokalyptische Visionen vom drohenden Klimawandel bemühen, um zu der einfachen Feststellung zu kommen: Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt. Zu viele Straßen sind gebaut worden. Auf Ackerland wachsen jetzt Gewerbehallen, in den dorfnahen Wiesen sind Wohngebiete entstanden. Unsere bäuerlichen Vorfahren haben um diese Zusammenhänge übrigens immer schon gewusst. Wie sonst wäre zu erklären, dass zwar hier und dort auf den Weiden die Kühe bis zum Bauch im Wasser stehen, aber noch niemals einer der alten Bauernhöfe überschwemmt worden ist?
Jetzt hat Osnabrück erstmals in Friedenszeiten wieder einen Katastrophenalarm erlebt. Wobei festzuhalten ist, dass es sich dabei vor allem um eine verwaltungstechnische Einstufung handelte. Wirkliche Katastrophen, man denke an Pakistan in diesen Wochen, sehen anders aus. Wir könnten etwas daraus lernen: Die Kräfte des Menschen sind und bleiben beschränkt. Auf Dauer werden wir nur mit der Natur leben können. Aber niemals gegen sie.

Autor:
hin


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