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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Stadt ein Trümmerfeld
Zwischenüberschrift:
Blick von der Iburger Straße in die Johannisstraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Bahnreisende, die sich im Frühjahr 1945, von Münster kommend, dem Osnabrücker Hauptbahnhof näherten, konnten von der Bahnüberführung Iburger Straße einen Blick auf die bombenzerstörte südliche Innenstadt werfen. Wie gut, dass es die Türme von St. Johann gibt - sonst wären überhaupt keine Ähnlichkeiten mit der heutigen Aufnahme vom gleichen Standort aus erkennbar.
Von Joachim Dierks - Reger Verkehr herrschte damals wie heute auf der Hauptausfallstraße Richtung Süden. Nur dass damals im sechsten Kriegsjahr nur Fußgänger und Radfahrer unterwegs waren und heute fast nur Autos. Damals mussten die Verkehrsteilnehmer Slalom um Bombentrichter und nur notdürftig zusammengekehrte Schuttberge fahren. Für die Straßenbahn - die Schienen der Linie 2 auf dem Bild führten vom Schölerberg bis nach Haste - gab es nach den letzten schweren Angriffen noch kein Durchkommen. In den Straßenbahn-Chroniken ist allerdings nachzulesen, dass es den Aufräumtrupps meistens erstaunlich schnell gelang, Trümmer aus dem Weg zu räumen, verbogene Schienen zu ersetzen und Oberleitungen zu flicken, sodass wenigstens ein notdürftiger Verkehr wieder rollen konnte. Erst am 25. März 1945, als der berüchtigte Palmsonntags-Angriff mit 2518 Sprengbomben und 200 000 Stabbrandbomben über der Stadt niederging und 15 000 Osnabrücker obdachlos machte, kam der Straßenbahnverkehr endgültig zum Erliegen.
Der hier abgebildete Bereich um Rosenplatz und Meller Straße gehörte zu den am härtesten vom Bombenkrieg getroffenen. Von 649 der Neustadt zugerechneten Häusern wurden 607 zerstört (94 Prozent). Die räumliche Nähe zu Bahnanlagen und Industriebetrieben erwies sich als verhängnisvoll, während beispielsweise in der Nordstadt und der Weststadt bei Kriegsende " nur" 15 Prozent der Gebäude unbewohnbar waren.
Auch in den Wiederaufbaujahren war die südliche Vorstadt schlechter dran als die übrigen Stadtteile. Durch Verbreiterungen des Straßenraums hatten sich gerade die Eckgrundstücke so verkleinert, dass die Pläne für eine repräsentative Neubebauung nur nach schwierigen Verhandlungen Gestalt annahmen. Im Januar 1959 feierte es das Osnabrücker Tageblatt als überfällige Erfolge zäher Bemühungen, dass endlich große Baulücken an Johannisstraße und Rosenplatz geschlossen werden konnten.
Der heutige Blick auf das Quartier offenbart wiederum eine Baustelle. Der Rosenplatz und seine Umgebung werden mit Millionenzuschüssen aus dem Programm " Soziale Stadt" städtebaulich aufgewertet. Bislang haben die Tief- und Straßenbauer noch das Sagen: Leitungen und Kanäle werden erneuert und Straßenführungen verändert, bis dann später auch Grünanlagen mit standortgerechten Rosen und Häuserfassaden an der Reihe sind. Die Initiative Haller Willem setzt sich dafür ein, einen Bahnhalt am Rosenplatz einzurichten.
Für das " Problemhaus" Ecke Rosenplatz/ Johannisstraße in der Bildmitte links ist leider noch keine schnelle Lösung in Sicht. Die vier Wohngeschosse oberhalb der Parterre-Läden stehen inzwischen leer, die Treppenhaus-Türen sind verschweißt, damit niemand mehr hineinkommt. Nach Bränden und einem tödlichen Unfall im September 2005 - ein Mieter war in einen Fahrstuhlschacht gestürzt - kommt das 1961 gebaute Haus nicht mehr aus den Schlagzeilen. Der ortsfremde Eigentümer sei nicht willens oder in der Lage, die auf 4, 5 Millionen Euro geschätzten Sanierungskosten aufzuwenden, heißt es.

Autor:
Joachim Dierks


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