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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
18 Wespennester auf einem Dachboden
Zwischenüberschrift:
Experte: Umsiedeln besser als Abtöten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Ich habe schon ein Nest von zwei Metern Durchmesser gesehen"
Konrad Brockmann, Schädlingsbekämpfer

- Osnabrück. Sie haben eine schlanke Taille und ein schillerndes Kleid. Und sie werden gehasst - meistens von Frauen. " Es ist wirklich schade", sagt der Osnabrücker Schädlingsbekämpfer und städtische Berater für Hautflügler, Konrad Brockmann, " dass die meisten Anruferinnen am Telefon das Abtöten des Wespenvolkes fordern, wenn sie ein Nest auf dem Boden oder im Garten entdeckt haben."
Die Angst vor den summenden Untermietern, die sich gerade jetzt ungefragt auf Kuchenstücken und Bratwürstchen niederlassen, um ihre Brut mit den Leckereien zu füttern, sei einfach zu groß. Dabei seien Wespen nützliche Schädlingsvernichter, die Fliegen und auch Mücken fressen. " Es gibt natürlich Umstände, die das Abtöten eines Wespenvolkes erfordern", sagt Konrad Brockmann. Gerade Kinder und Allergiker müssten vor Stichen geschützt werden. " Am stechfreudigsten", so Brockmann, " ist die gemeine Wespe. Und das kann gefährlich oder sogar tödlich werden - vor allem bei Stichen im Mundbereich, wenn man den Räuber auf dem Kuchenstück oder dem Glas nicht rechtzeitig bemerkt.
Dennoch versucht Brockmann, Wege zu finden, wie Mensch und Hautflügler nebeneinander existieren können. Momentan ist der Schädlingsbekämpfer dafür rund um die Uhr im Einsatz. 60 Euro kostet der Einsatz von Konrad Brockmann, wenn er ein Nest abtöten oder umsiedeln soll.
" Die Wespen sind in diesem Jahr spät dran", sagt Brockmann. Das liege wahrscheinlich an dem langen Winter. Und: " In diesem Jahr gibt es eine ungewöhnliche Häufung von Wespennestern. Auf einem Dachboden habe ich 18 Wespennester nebeneinander gefunden. Das heißt, dass die Königinnen sich aufgrund der Kälte nicht so weit fortbewegt haben." Mit Kälte im Winter können die Königinnen gut umgehen - im Gegensatz zu Temperaturschwankungen, so Brockmann. " Wespennester" so der Schädlingsbekämpfer, " fallen größer aus, wenn genug Baumaterial - wie Holz - in der Nähe ist. Die Wespen schaben das Holz mit ihren Kieferzangen ab und mischen es mit ihrem Speichel und stellen so eine Art Pappmaschee her, mit der sie ihr Nest ausbauen."
" Ich habe schon ein Nest von zwei Metern Durchmesser gesehen, Nester bis zu einem Meter sind nichts Ungewöhnliches", so Brockmann. Wenn er ein Nest nicht umsiedeln kann und ein Nebeneinander von Mensch und Wespe nicht möglich ist, dann tötet Konrad Brockmann das Wespenvolk fachmännisch innerhalb von einer Minute ab. " Ich träufele mit einer Pipette eine Betäubung in das Nest und fülle es mit einer Schaumsubstanz. Die Tiere sind innerhalb von einer Sekunde tot und merken nichts", sagt Konrad Brockmann.
Vor Eigeninitiative warnt er. " Zum einen ist das Anzünden von Nestern Tierquälerei, zum anderen kann man sich selbst dabei ernsthaft verletzen und auch gestochen werden, wenn man keinen Schutzanzug trägt, so wie ich. Das Geld sollte man nicht sparen." Die Nester, die Konrad Brockmann umsiedeln kann, nimmt er oft mit auf seinen Bauernhof in Vox trup.
" Wir können viel lernen von Insekten, die im Staatenverbund leben", schmunzelt er. " Sie kümmern sich vorwiegend um ihren Nachwuchs und leben friedlich auf engstem Raum zusammen. Jedes Mitglied des Staates erfüllt seine Aufgabe."
" Bei den Hummeln", erklärt er, " wird es allerdings am Ende des Sommers ungemütlich für die Königin. Sie wird von ihrer eigenen Brut totgezwickt und aus dem Nest geschmissen. Das passt eigentlich nicht zum allgemeinen Verhalten der friedliebenden Hummeln, die eigentlich nur in seltenen Ausnahmefällen Gebrauch von ihrem Stachel machen."
Fasziniert ist Brockmann nicht nur von Wespen, sondern insbesondere von Hornissen. " Ich halte sie für besonders intelligent. Sie wollen eigentlich mit Menschen friedlich zusammenleben. Wie die Wespen mögen sie keine Erschütterungen, schnelle Bewegungen, und sie schätzen es gar nicht, wenn man sie anhaucht. Dann gehen sie zum Angriff über.
Bevor es ernst wird, ändern sie allerdings ihren Flügelschlag, sodass der potenzielle Angreifer durch ein tiefes Brummen gewarnt wird", so Brockmann, der von sich sagt, dass er seit 15 Jahren den schönsten Beruf der Welt ausüben darf. Früher war er Geschäftsführer einer Genossenschaft, bevor er sich für eine Ausbildung zum Schädlingsbekämpfer entschied.
Autor:
Kerstin Pentermann


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