User Online: 1 | Timeout: 13:16Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Stadt will Baufirma die Krallen zeigen
Zwischenüberschrift:
Lürmannstraße: Linde im Lageplan falsch eingezeichnet - Ersatzpflanzung an derselben Stelle
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
rll Osnabrück. Daumenschrauben will die Stadt dem Investor anlegen, den sie für den Baumfrevel an der Lürmannstraße verantwortlich macht. Politiker aller Ratsfraktionen waren sich im Stadtentwicklungsausschuss einig, dass ein Exempel statuiert werden müsse. Nur so lasse sich verhindern, dass auch künftig Bauvorschriften mutwillig ignoriert würden. Für die gefällte Linde soll ein Ersatzbaum gepflanzt werden - " in maximaler Größe", wie es heißt, und an derselben Stelle.
Die geschützte Linde, die am 3. August unter maßgeblicher Beteiligung eines Baggers zu Fall kam, liegt noch immer in der Baugrube am Westerberg, die im Auftrag der Massivhaus-Systeme GmbH (mhs) für ein exklusives Wohnprojekt ausgehoben wurde.
Noch immer gilt der Baustopp, den die Stadt verhängt hat. Und an diesem Zustand wird sich möglicherweise auch in nächster Zeit nichts ändern. Denn die Verwaltung betrachtet die Baugenehmigung als nichtig, weil gegen elementare Auflagen verstoßen wurde. Die Stadt könne einen Bauantrag bis zu zwölf Monate zurückstellen, um neue Planungsziele festzulegen, kündigte Stadtbaurat Wolfgang Griesert an. Mit diesem Instrument hofft er den Investor beeindrucken zu können, denn eine solche Zeitverzögerung " tut richtig weh".
Offenbar hat der Antragsteller sogar falsche Angaben gemacht, um sein Bauprojekt genehmigen zu lassen. Die Linde, deren tragischer Fall die Nachbarschaft in Rage bringt, war im Lageplan falsch eingezeichnet. Darauf wies Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, vor dem Stadtentwicklungsausschuss hin. Laut Plan sei sie 30 Meter von der Lürmannstraße entfernt gewesen, in Wirklichkeit aber nur 27 Meter. Da wäre ihr die geplante Tiefgarage bedrohlich nahe gekommen. So bedrohlich, dass der Baum gar nicht überlebensfähig gewesen wäre, wie es Griesert ausdrückte. Für den falschen Lageplan machen die städtischen Planer den Bauherrn verantwortlich, zumal der Fachbereich Umwelt schon im Vorfeld Zweifel am eingezeichneten Standort der Linde geäußert hatte.
Der Plan sei daraufhin geändert worden, sagt Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Umwelt - und aus einem kleinen Fehler sei ein großer Fehler geworden.
Einigkeit bestand unter den Politikern von CDU, SPD, FDP und Grünen, dass die Stadt dem Investor die Krallen zeigen soll - schon allein um Nachahmungseffekte konsequent zu unterbinden. Auflage für eine neue Baugenehmigung soll die Verpflichtung sein, einen möglichst großen Baum exakt an die Stelle der gefällten Linde zu pflanzen. Wegen des felsigen Untergrunds wollen die Fachleute aber keine zu hohen Erwartungen wecken. Deshalb ist von etwa 50 cm Stammumfang die Rede. Die umgestürzte Linde hatte einen Umfang von 2, 50 m.
Nach dem Willen der Politiker soll der Baumstandort im Bebauungsplan als geschützt markiert werden. Die Tiefgarage müsste umgeplant und damit verkleinert werden. Voraussichtlich zwei Stellplätze fielen damit weg.
Die Verwaltung bekam von der Politik überdies den Auftrag, eine wirksame Sanktion gegen den Bauherrn zu verhängen. Und für die Zukunft erwägt die Stadt, gravierende Verstöße gegen Bauauflagen mit Konventionalstrafen zu ahnden.

Kommentar
Und das Positive?
Von Rainer - Nein, was an der Lürmannstraße passiert ist, sieht nicht nach einem " zufälligen und unvorhersehbaren Ereignis" aus, wie es der Investor glauben machen will. Mit ihrem gemeinsamen Beschluss machen die Ratsmitglieder von CDU, SPD, FDP und Grünen deutlich, dass sie sich nicht für dumm verkaufen lassen. Die Stadt war dem Investor weit entgegengekommen. Eine stattliche Kastanie, eine Buche und ein Ahorn durften verschwinden, weil sie dem Bauvorhaben im Weg standen. Daraus ergab sich die Verpflichtung, die verbliebenen Bäume umso wirksamer zu schützen. Aber die Auflagen wurden konsequent missachtet.
Den Politikern ist klar: Wenn sie diese Dreistigkeiten durchgehen lassen, ist es vorbei mit dem Schutz für alle Bäume, die in Bebauungsplänen als erhaltenswürdig eingezeichnet sind. Vielleicht musste erst ein Investor über die Stränge schlagen, um diese Einsicht zu fördern. Wenn das anderen Bäumen nützt, hat dieser Skandal sogar etwas Positives.

Autor:
rll


Anfang der Liste Ende der Liste