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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Teilzeit-Vulkan am Rande Osnabrücks
Zwischenüberschrift:
Sechsmal hielt der Meiler im Heger Holz die Köhler mit Puffungen auf Trab
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Marie-Luise Braun - Osnabrück. Es klingt wie ein entspanntes Ausatmen, doch die Wirkung ist enorm. Erde rutscht herab und fliegt herum, Kohlebröckchen, sogar ganze Holzstücke speit der Meiler aus. Und die vier Köhler, die eben noch beim Bier saßen, stieben davon. Holen Schippe, Forke und schließlich auch den Wasserschlauch, um den Meiler wiederherzustellen, Löcher zu flicken, und ihn zu beruhigen. Sechsmal müssen sie das Prozedere in der Nacht zum Sonntag wiederholen.
Die Augen immer noch auf den Meiler gerichtet, die Arme auf eine Schaufel gestützt, schiebt Herbert Nowak seinen schwarzen Hut in den Nacken. Schweißnass kräuseln sich die Locken darunter, als er kopfschüttelnd sagt: " Wenn einer ein Patentrezept hätte, das zu verhindern, dem würde ich nen Sechser im Lotto abgeben." Der Köhler hat es kommen hören, ließ deshalb eines der drei Zuluftlöcher am Fuße des Meilers schließen - aber verhindern konnte er das Puffen nicht. " Man sieht halt nicht, was drinnen vor sich geht", resümiert er nüchtern.
Dass ein Meiler pufft, sich setzt und Kohle ausspeit, sei völlig normal. " In der Häufigkeit aber habe ich das noch nie erlebt", staunt Heinz Sprengel, Präsident der Europäischen Köhlervereinigung. Und es sei immerhin schon sein 25. Meiler.
Für die Gäste des Köhlerfests im Heger Holz bietet sich ein interessantes Schauspiel, das sie bei Bier, Köhlersteak und jazzigen Klängen geboten bekommen. " What goes up, musst come down" spielt die Big Band der Angelaschule auf der anderen Seite der Lichtung sinnigerweise gerade, als der Meiler zum zweiten Mal pufft.
Diszipliniert blasen und trommeln die Schüler unter der Leitung von Ekkehard Sauer weiter, während sich einige Gäste dann doch vorsichtig dem Meiler nähern, den vier Köhlern bei der Arbeit zuschauen und Dinge sagen wie: " Das ist wirklich archaisch." Was so viel heißt wie altertümlich.
Viel weißer Rauch
Einige Hundert Besucher waren den Tag über in die Nähe des Schütterhauses gekommen, um rund um den Meiler das 450. Jubiläum der Heger Laischaft zu feiern. Nachmittags spielte die Rentnerband. Zu den Klängen einer Blaskapelle liefen Vertreter der Heger Laischaft einen kleinen Schnatgang.
Abends haben die Schüler der Angelaschule ihren Auftritt. Drei Stunden lang begleiten die 12- bis 19-Jährigen das Fest. Es sind auch Ehemalige darunter. " Es gab keine Wiederholung", betont Sauer, der das Repertoire der Kapelle mit " Jazz, Rock-Pop, Funk und Soul" beschreibt. Die Titelmelodie der Muppet-Show erklingt zum Abschluss, bevor die Jugendlichen ihre Instrumente in den Transporter packen und " Gute Nacht" sagen.
Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Meiler bereits wieder beruhigt. Er stiebt zwar immer noch viel weißen Rauch aus, aber er wirkt kontrolliert. Um dem Teilzeit-Vulkan wieder Form zu geben, klettert Nowak hinauf, sucht mit dem Traugott (einemüberdimensionalen Hammer aus Holz) nach Löchern, schiebt Erde beiseite, legt Buchenscheite und Gras nach.
" Der Qualität der Kohle tut das nix", sagt sein Kollege Wilhelm Papen am Fuße des Meilers. Müde sieht er aus. Seit fünf Uhr morgens ist er mit kleinen Pausen vor Ort. Die Nachtschicht teilt sich dann auch Herbert Nowak mit dem vierten Köhler im Bunde, Dieter Marggraf.
Während sich die Köhler wieder ihrem Bier widmen, fachsimpeln Männer um den Meiler herum über Ursachen des Puffens und über die Kraft, die in einem solchen Meiler steckt. Langsam leeren sich die Bänke und Tische, die Mitarbeiter der Stände verkünden die letzte Wurst, das letzte Bierchen. Und über dunkle Waldwege führt der Weg spätnachts hinein in die Stadt, wo die Kohle aus der Tüte kommt.
" Heute war der Meiler wieder schön ruhig, brav und artig", teilte Frank Henrichvark, der Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft, gestern Abend mit.

Autor:
Marie-Luise Braun


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