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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
NABU warnt vor tödlicher Tierliebe
Zwischenüberschrift:
Experte sieht Modernitätsflucht
Artikel:
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Originaltext:
kas Osnabrück. Frösche im Eisfach, Kältesorgen um Igel bereits im August sowie eine Schlange, die sich als schlichter Wurm entpuppt: Übertriebene Tierliebe und Entfremdung von der Natur sorgen zunehmend für kuriose und abstruse Begegnungen zwischen Mensch und Tier, berichtet der Naturschutzbund (NABU).
" Das Unwissen über Wildtiere wächst in der Bevölkerung enorm", beobachtet Rüdiger Wohlers vom NABU Niedersachsen. So erhielt er bereits in diesen warmen Sommertagen mehrfach Anfragen, ob untergewichtig erscheinende Igel nicht vor der nahenden kalten Jahreszeit geschützt werden müssten. " Purer Unsinn", erklärt der Experte. Eine andere Anruferin hätte gar bereits mehrere Tiere eingesammelt gehabt und sie erst nach ausgiebiger Diskussion wieder ausgesetzt. Zum Glück, denn wer gesunde Igel ins Haus hole, riskiere deren Tod und verstoße sowohl gegen Naturschutz- als auch Tierschutzrecht, betont Wohlers.
Das Gros der Anfragen käme aus dem städtischen Bereich und sei auf " totale Unkenntnis" zurückzuführen, meint Wohlers: " Nicht nur Kinder, denen man nachsagt, sie würden 36 Handy-Klingeltöne erkennen, aber keine drei Vogelarten, sondern auch die Eltern kennen sich nicht mehr in der heimischen Tierwelt aus." NABU-Biologe Julian Heiermann fordert, die Ausbildung der Lehrer zu verbessern, denn diese und selbst Professoren könnten viele Tierarten nicht mehr bestimmen. Er habe den Fall erlebt, dass eine Lehramtskandidatin den Unterschied zwischen Spatz und Sperling wissen wollte. Dabei sind beide Begriffe Synonyme für dieselbe Vogelart.
Auch deshalb fragt Kerstin Elbing vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin: " Wie soll die Artenvielfalt in Deutschland geschützt werden, wenn wir keine Experten mehr haben?" Zugleich kritisiert sie, dass der Biologie-Unterricht wegen des verkürzten Abiturs reduziert worden sei.
Alfred Fuhr vom Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen sieht neben Unkenntnis noch einen weiteren Grund für den falschen Umgang mit wild lebenden Tieren. Die große Zahl der Fernsehsendungen, die zwar das normale Fressen-und-gefressen-werden in der Tierwelt thematisierten, zugleich aber den Menschen als Feind der Tiere darstellten, würden einen öffentlichen Druck ausüben nach dem Motto: Du bist nur ein guter Mensch, wenn du Tiere schützt. Die Komplexität der Welt werde dadurch so weit vereinfacht, dass sie moralisch handhabbar werde. Fuhr sieht darin eine Modernitätsflucht. Auch Heiermann stellt eine Entfremdung fest: " Tiere werden vermenschlicht, um dann die eigenen Ansprüche auf sie zu übertragen."
Bärbel Rogoschik, Leiterin des Artenschutzzentrums Leiferde im Kreis Gifhorn, sieht zudem das Problem, dass manche Fernsehzuschauer Szenen wie die Haltung eines Fuchses im Wohnzimmer als normal betrachten würden.
Dass dem nicht so ist, müsste einem schon der gesunde Menschenverstand sagen, findet Rogoschik. Doch der setzt offenbar manchmal aus: Wie etwa bei einem Mann, der vermeintlich mit einer Schlange in Leiferde aufgetaucht war. Das Tier im Marmeladenglas habe sich dann aber als Regenwurm entpuppt, erzählt Rogoschik.
Wohlers schildert den Fall eines Mannes, der Frösche zum Überwintern ins Eisfach seines Kühlschranks gepackt hatte. Und den einer Frau, die einen Tipp haben wollte, wie sie am besten kiloweise Brei zum Möwenfüttern herstellen könne. Ein weiterer Mann habe Schwalben fangen wollen, um sie vor ihrem " gefährlichen" Flug in den Süden zu bewahren.
Kurios sei auch der Fall eines in einen Hühnerstall zum Überwintern eingesperrten Eichhörnchens. " Und ich werde nie den Anruf einer älteren Dame vergessen", sagt Wohlers. " Sie bat uns, 30 Marienkäfer abzuholen, damit diese ein warmes Quartier finden."

Zusammen in den Wald
Von Karsten Grosser - In den USA sollen Kinder schon Hühner mit sechs Beinen gemalt haben, weil es Hühnerkeulen im Supermarkt immer im Sechserpack gibt. Lustig? Nein, eher traurig. Denn auch hierzulande nimmt das Wissen über die heimische Flora und Fauna ab. Ergebnis des jüngsten Jugendreports Natur: Nur sechs Prozent der befragten Sechst- bis Neuntklässler wussten, dass das Junge vom Hirsch Kalb heißt. Und es gibt noch mehr Beispiele.
Klar, das gesamte Wissen der Menschheit ist mittlerweile so umfangreich, dass niemand mehr alles wissen kann. Das Zeitalter der Universalgelehrten ist schon lange vorbei und wird auch nie wiederkommen. Gleichwohl ist Bildung ein Schlüssel für ein erfolgreiches Berufsleben. Und zwar ein so bedeutender, dass manche Eltern meinen, schon die Freizeit der Kleinsten mit Lernangeboten zupflastern zu müssen. Zudem reißen die Forderungen nach neuen Unterrichtsfächern und - inhalten nicht ab. Doch zählen tatsächlich nur Sprachen, Wirtschaft, Technik und Informatik?
Wie sollen Kinder lernen, dass die Welt schützenswert ist, wenn sie nicht einmal die Natur vor ihrer Haustür kennen? Eine Frage, die sich auch die Eltern stellen müssen. Antworten bietet zum Beispiel ein gemeinsamer Waldspaziergang.

Autor:
kas,Karsten Grosser


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