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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Waldschule ist okay, Lüstringen nicht
Zwischenüberschrift:
Friedhelm Broxtermann kämpft dafür, dass Gretesch nicht untergebuttert wird
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Die Schlachten wurden vor 40 Jahren geschlagen, aber manche Wunde ist bis heute nicht verheilt. Friedhelm Broxtermann schmerzt es noch immer, wenn das kleine, aber wichtige Gretesch untergebuttert wird. Da muss nur die Waldschule Lüstringen in einem Zeitungsbericht erwähnt sein, schon versetzt es ihm einen Stich ins Herz. Denn die Waldschule steht eindeutig auf Gretescher Grund.
- Gretesch wäre gern selbstständige Gemeinde geblieben, wurde 1972 aber gemeinsam mit Lüstringen und Darum zu einem Osnabrücker Stadtteil verschmolzen. Mit den Gewerbesteuereinnahmen der Papierfabrik Schoeller lebte das 1800 Seelen-Dorf wie die Made im Speck. Gretesch war damals schon eine sportfreudige Gemeinde - und konnte sich sogar eine Sportanlage mit Kunststoffbahn leisten, eine große Sporthalle, von der andere Landgemeinden nur träumen konnten, und als Sahnehäubchen das Hallenbad auf dem Berg.
Der Gemeinderat, dem Friedhelm Broxtermann Ende der Sechzigerjahre angehörte, hatte schon weitere Pläne in der Schublade. Zum Beispiel die Einrichtung eines Altenheims in einer alten Villa. Daraus wurde nichts mehr, weil Gretesch eingemeindet wurde und die Steuereinnahmen fortan in die Stadtkasse flossen. Aber die neue Schule wurde gebaut. Mit Gretescher Geld, wie Friedhelm Broxtermann (76) und sein früherer Gemeinderatskollege Heinz Klaaßen (75) beteuern. Für 750 0000 Mark hatte die kleine Gemeinde seinerzeit Flächen auf Gruners Berg gekauft. Einen Teil davon stellte sie für das Schulgrundstück zur Verfügung. Und legte noch 250 000 Mark für den Bau obendrauf - " als verlorenen Zuschuss", wie Friedhelm Broxtermann betont. Sonst hätte es nämlich keinen Pfennig aus Hannover gegeben.
Wäre Gretesch damals nicht mit Riesenschritten vorangegangen, dann hätte der Stadtteil Darum-Gretesch-Lüstringen heute ein Kulturdefizit zu beklagen. Das meinen jedenfalls die alten Kämpen aus dem Gemeinderat. Knapp 40 Jahre nach der Gebietsreform wissen viele jüngere Einwohner des Stadtteils gar nicht, dass es einmal eine selbstständige Gemeinde Gretesch gegeben hat. Und gerade deshalb empfindet Friedhelm Broxtermann die Bezeichnung " Lüstringer Bergschule" als Höhepunkt der Geschichtslosigkeit. Denn mit Lüstringen hat der Berg so wenig zu tun wie ein Kuhfladen mit einem Computervirus. In alten Quellen wird er als " Gruners Berg" bezeichnet. Doch in aktuellen Karten hat sich " Lüstringer Berg" durchgesetzt - aus unerfindlichen Gründen, wie der Gretescher Protagonist vermerkt. Seine vor fünf Jahren gestartete Initiative, dem Berg seinen alten Namen zurückzugeben, hat die Vermessungsbehörde nicht aufgegriffen.
Da könnte doch wenigstens die Schule den geografischen Fehler ablegen, meint Friedhelm Broxtermann und lächelt spitzbübisch. Nein, nicht " Waldschule Gretesch" solle es heißen, sondern einfach nur " Waldschule". Die Entscheidung darüber müsste die Schule selbst treffen. Schulleiterin Martina Deakin ist noch nicht lange im Amt, die Gretescher Hintergründe kennt sie nicht. Im Kollegium, sagt sie, sei eine Umbenennung " bisher kein Thema". Aber wer weiß, vielleicht darf Friedhelm Broxtermann demnächst mal von früher erzählen.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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