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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Freizeit? In den Semesterferien Fehlanzeige
Zwischenüberschrift:
Arbeiten, lernen, kochen: Was Osnabrücker Studenten so alles in der vorlesungsfreien Zeit machen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück. Semesterferien - das klingt nach Zeit zum Faulenzen, zum Füßehochlegen oder einfach nur nach wochenlangem Urlaub. Doch stimmt das eigentlich? Unsere Zeitung hat sich mitten in der vorlesungsfreien Zeit auf die Suche nach Studenten begeben. Und so viel sei schon einmal vorab verraten: Urlaub sieht anders aus.
- Arbeit, Arbeit, Arbeit
Das kann Natalie Junghof nur bestätigen: " Das letzte Mal hatte ich nach dem ersten Semester vier Wochen lang frei", sagt die Studentin des Fachs Kommunikationsmanagement an der Fachhochschule Osnabrück-Lingen. Die 21-Jährige ist im vierten Semester. " Wir müssen Praktika machen oder für Prüfungen lernen", erläutert sie ihr Programm für die " Ferien".
Derzeit absolviert sie ein Praktikum im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) in Osnabrück. Für die neun Wochen hat sie fest umrissene Aufgaben. Da ist zum einen die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für den Wettbewerb " Entdecke die Vielfalt", den die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) für Schüler und Jugendliche ausrichtet. Die DBU ist das Mutterschiff des ZUK. Natalie Junghof stellt Kontakt zu den Bewerbern her, versendet Informationsmaterial an Lehrer oder pädagogisches Personal von Umwelteinrichtungen. " Und ich pflege den Internetauftritt", erläutert sie.
Und auch in die Organisation des Kongresses " Jugend, Zukunft, Vielfalt" ist Junghof eingebunden. Hier pflegt sie die Internetseiten und steht in Kontakt zu den Jugendlichen. Überdies recherchiert sie Inhaltliches für die Workshops und Diskussionsrunden. Außerdem plant sie die Inhalte mit.
Der Kongress, der vom 3. bis zum 5. September stattfindet, wird den Abschluss ihres Praktikums im ZUK bilden. Rund 200 Teilnehmer zwischen 16 und 25 Jahren erwartet das Organisationsteam im Garten der Umweltstiftung. In Zelten werden die Teilnehmer Fragen der biologischen Vielfalt diskutieren. Vor Ort werden Wissenschaftler sein, auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen wird nach Osnabrück kommen, um sich den Fragen der Teilnehmer zu stellen. Und in die Organisation von all dem ist Junghof involviert. " Es sind noch Plätze frei", verrät sie.
Aber was ist mit Urlaub? " Das Verreisen verschiebe ich auf die Zeit nach dem Bachelor", sagt Junghof und blitzt unternehmungslustig mit den Augen.
Rennwagen-Bau
Ausflugspläne werden auch andernorts hinten angestellt: In wenigen Tagen geht es nämlich los. Dann startet der neueste Rennwagen der Fachhochschule Osnabrück, der IR 10, auf dem Hockenheimring. 50 Studenten haben den Flitzer seit September 2009 konstruiert und gebaut, einen Finanzplan entwickelt, Sponsoren gewonnen und für Öffentlichkeit gesorgt. Andrea Förster kümmert sich um die Planung von Veranstaltungen rund um den Boliden.
Trotz knapper Zeit nippt die 23-Jährige entspannt am Kaffee. Eben kommt sie vom Schreibtisch, an den sie gleich wieder verschwinden wird. Ihre Rolle: Event-Captain im Ignition Racing-Team (IRT). Zusammen mit zwei Kommilitoninnen kümmert sie sich um die Koordination der Verpflegung, der Anfahrt und der Übernachtung der 40 Teamkollegen, die bei der " Formula Student" am Hockenheim dabei sein werden. " Und wir kümmern uns darum, dass unsere Teamkollegen jeweils pünktlich bei ihren Terminen sein werden", erzählt die Studentin des Fachs Betriebswirtschaft und Management an der FH.
Es ist nicht die erste Veranstaltung für das IRT. Ihre Aufgabe war es, die Eröffnung der Werkstatt vorzubereiten, die Weihnachtsfeier und den Roll-out zu organisieren - vor zwei Wochen wurde der Wagen erstmals öffentlich präsentiert. Vor allem kurz vor den Veranstaltungen muss sie kräftig mit anfassen. Doch die drei Tage Kurzurlaub vergangene Woche in Düsseldorf waren dann doch nicht so entspannend wie gehofft: " Ständig hat das Handy geklingelt", erzählt sie lachend. Nicht drangehen ging nicht. Sie engagiere sich einfach zu gern für das Team.
Die Mitarbeit im IRT wird Andrea Förster für das Studium angerechnet. " Dafür mussten wir uns aber auch einsetzen", erzählt sie. Wenn das Rennen am 8. August gelaufen ist, steht noch die Abschlussveranstaltung für die Mannschaft aus. Denn im kommenden Semester werden sich neue Studenten zusammentun, um den nächsten Rennwagen für die Osnabrücker Fachhochschule zu bauen.
Beim Abschlussfest wird die künftige Event-Managerin auch selbst einmal im IR 10 eine Runde drehen. " Das wollen wir alle mal, da freue ich mich schon drauf", sagt sie mit leuchtenden Augen. Denn bislang haben zumeist nur Techniker und Konstrukteure hinterm Steuer Platz genommen. Derzeit bereiten sie den Wagen auf einem Gelände in Dreierwalden auf das Rennen vor.
Nach dem Abschlussfest kann Andrea Förster jedoch nicht die Beine hochlegen. Am 16. August beginnt ihr letztes Pflichtpraktikum, das sie in Frankfurt bei Nestlé absolvieren wird. Es dauert bis Ende Januar, dann folgt die Bachelor-Arbeit. Und dann - endlich - der wohlverdiente Urlaub. Jetzt aber geht es erst einmal zurück an den Schreibtisch, denn wer ein Rennwagen-Team managt, der darf natürlich keine wertvollen Sekunden verlieren.
Tasmanien
Ortswechsel auf einen anderen Kontinent. " Sehr, sehr kalt": So beschreibt Sophie Veres ihren ersten Eindruck von Tasmanien, wo sie derzeit ein Auslandssemester verbringt. " Es ist ja schließlich Winter hier", fügt die 21-jährige Studentin des Fachs Cognitive Science an der Uni Osnabrück hinzu. Auf der anderen Seite unseres Planeten starten die Semester zu anderen Zeiten, sodass Veres dort Seminare besucht, während für ihre Kommilitonen auf deranderen Seite des Erdballs die vorlesungsfreie Zeit läuft.
An der University of Tasmania (UTAS) in der tasmanischen Hauptstadt Hobart hat sie sich für die Fächer Psychology and Antarctic Studies eingeschrieben. Bis vor ein paar Monaten war Veres das Land völlig unbekannt. Ein Kommilitone machte sie darauf aufmerksam, dass sie auch dort das vorgeschriebene Auslandssemester verbringen kann. " Ich war erst einmal komplett ratlos, wo das liegt", erinnert sich die Studentin. Als sie sah, dass das Eiland vor der südlichen Küste Australiens fast 19 000 Kilometer von der Heimat entfernt ist, stand ihr Ziel fest, denn: " Ich werde in meinem Leben wohl nie wieder die Chance bekommen, so weit weg von Deutschland zu leben." Den Aufenthalt finanziert sie mithilfe eines Stipendiums vom Deutschen Akademischen Austauschdienst - und durch eine Finanzspritze der Eltern.
Nach wenigen Wochen in Tasmanien ist sie von dem Land völlig begeistert. " Die Natur ist einfach atemberaubend", schwärmt sie und " die Menschen sind unglaublich nett." Jeden Morgen sieht sie die Sonne über dem Indischen Ozean aufgehen. " Und jeden Abend darf ich einen Karibik-Sonnenuntergang erleben."
" Australisches Barbecue ist sehr, sehr beeindruckend", schwärmt Sophie Veres. Aber das Essen sei teurer und auch nicht so gesund wie hier. " Und Heizungen sind definitiv kein Standard in den Häusern." Einige Male ist sie bereits knapp einem Unfall entkommen, denn " die Autos fahren hier auf der linken Seite".
Auf Englisch zu studieren war für sie keine große Umstellung. Immerhin hat sie die ersten vier Semester in Osnabrück ebenfalls in dieser Sprache studiert. Doch es gibt Unterschiede zum Studium in Deutschland. So sei die Lehre in Tasmanien stärker an der Praxis orientiert. Zu jedem Fach gibt es eine Vorlesung und ein Praxis-Seminar, in denen Studien betrieben oder Forschungszentren besucht werden. Während des Semesters gibt es mehrere kleine Forschungsprojekte für sie und ihre Kommilitonen.
" Ein bisschen habe ich das Gefühl, dass die Professoren hier nicht so sehr an ihre Studenten glauben", überlegt Sophie Veres. In Hobart ist sie die einzige Studentin aus Osnabrück und kennt kaum jemanden, der mit ihr in den Vorlesungen sitzt. Sie glaubt, dass sich das auch bis zum 31. Januar, dem Ende ihres Aufenthaltes, auch nicht ändern wird. " Die Studiencommunity ist nicht so groß und gut organisiert, wie zu Hause", erklärt Sophie Veres. Aber weil sie bereits in Clubs eingetreten ist, habe sie schnell Kontakt zu Einwohnern Tasmaniens bekommen. So ist die Osnabrückerin beim Wildwasser-Rating und beim Bush-Walking dabei.
Und das wird sie auch noch genießen, bevor sie Ende Januar wieder in den Flieger steigt, um in 28 Stunden die etwa 19 000 Kilometer bis in ihre Osnabrücker Heimat zurückzulegen.
Internationale Köche
Doch warum eigentlich in die Ferne schweifen: Auch am Studienstandort Osnabrück geht es international zu. Aus aller Welt kommen sie, um in der Hasestadt fürs Leben zu lernen. Und geht es in den Semesterferien zurück in die Heimat? Nicht in allen Fällen, wie der Besuch in der Lehrküche der evangelischen Fabi zeigt.
Denn hier hatten sich 20 ausländische Studierende der Fachhochschule Osnabrück eingefunden, um gemeinsam europäische Gerichte nachzukochen. Die jungen Gäste aus Südkorea, den USA, Schottland, Dänemark und Deutschland versuchten sich an Gerichten aus Tschechien, Italien oder Schottland. Der Abend gehörte zur " International Summer University", die das " International Faculty Office" der FH erstmals anbietet - das klingt also nicht nur international, es ist auch international.
" Die Studierenden widmen sich Fachkursen zu International Business, International Management und Public Health und besuchen einen Deutschkurs", erläutert Organisatorin Silvana Dieckmann das dreiwöchige Programm. Zudem befassen sich die Studierenden mit Fragen zu Deutschland und Europa und besuchen ein Teamcoaching.
Im Rahmenprogramm gucken die jungen Menschen in Kochtöpfe, unternehmen Ausflüge nach Berlin und Paris und lernen ihren Studienstandort Osnabrück kennen. Die Rezepte, die Kursleiterin Gabriele Pendl zusammengestellt hat, nehmen die Studierenden mit, wenn sie am 14. August zurück in die Heimat reisen.
Üben, üben, üben
Reisen - das hat Julia Behrendt auch vor. Im September will sie für zwei Wochen an die polnische Ostseeküste fahren, erzählt die Studentin. Doch bis dahin bleibt noch einiges zu tun. Im August steht ihre sogenannte Bachelor-Instrumental-Abschlussprüfung auf dem Programm. Das hört sich wohl nicht nur ziemlich kompliziert an, sondern ist es auch: Drei Stunden übe sie derzeit täglich für den großen Auftritt. Mit Sopran-Saxofon und Klavier heißt es, das musikalische Können unter Beweis zu stellen. " Nebenbei habe ich auch noch zwei Jobs an der Uni", erzählt sie fast beiläufig. Und dann wären da auch noch ihre Saxofon-Schüler, die sie unterrichtet.
Immerhin, die haben jetzt noch Schulferien. Es bleibt also etwas mehr Zeit, sich dem eigenen Lernpensum zu widmen. Doch so viel steht nach dieser Recherche fest: Nicht nur für Julia Behrendt gilt in der vorlesungsfreien Phase des Studiums: Freizeit? In den Semesterferien Fehlanzeige!

Autor:
Marie-Luise Braun


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