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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Landidyll mitten in der Stadt
Zwischenüberschrift:
Langzeitarbeitslose helfen beim Erhalt seltener Nutztierrassen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück. Welch eine Idylle mitten in der Stadt. Da gackern Sundheimer Hühner. Weiter hinten auf dem Feld wiehern Exmoor-Ponys und grasen schottische Hochlandrinder. Dazwischen sägen und hämmern ein paar Menschen an einem neuen Gatter. Es sind Langzeitarbeitslose, die hier am Burenkamp für den Weg in die Arbeitswelt gestärkt werden.

" Das sind ja hier keine Löwen, sondern Schafe"
Thomas, Teilnehmer

- Aktivierung und Stabilisierung ist das Ziel des " A+ S-Projektes", für das sich der Awo-Kreisverband in der Region Osnabrück, die Arbeitgemeinschaft für Osnabrück (Agos) und der Verein Weidelandschaften zusammengeschlossen haben. " A+ S" bewirkt jedoch noch mehr, als Arbeitslosen eine Chance für den Arbeitsmarkt zu bieten: Mithilfe der zwölf Teilnehmer kann der sonst ehrenamtlich tätige Verein Weidelandschaften mehr vom Aussterben bedrohte Nutztiere erhalten.
Nicht zuletzt gibt das Projekt einen kleinen Einblick in die Artenvielfalt der Natur und deren Bewirtschaftung. Ab sofort ist das sechs Hektar große Gelände jeden Donnerstag von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Vor allem Kindergärten sollen die Gelegenheit haben, hier ein Stück Natur zu erleben. Führungen sind möglich.
" Schreiben Sie, wie fleißig alle sind", lacht die pädagogische Leiterin Andrea Atkin von der Arbeiterwohlfahrt. 250 Pfähle haben die Teilnehmer in den vergangenen Monaten gesetzt, 1, 3 Kilometer Drahtzäune gezogen, Gatter und Futterhäuser gebaut. Während der langen Wintermonate wurden die Holzarbeiten im Awo-Wohnheim Sutthausen vorbereitet.
" Das Projekt ist super angelaufen", freut sich Jan-Philip Kunath, zuständig für das Projekt Weidelandschaften und Awo-Fachanleiter. Die Teilnehmer hätten nach einer Einarbeitungszeit viele Arbeitsschritte selbstständig weitergeführt: " Sie bewähren sich täglich aufs Neue, arbeiten gründlich und motiviert."
Jeder wird nach seinen Fähigkeiten eingesetzt. Wer einige Jahre aus dem Arbeitsleben herausgefallen ist, muss manchmal erst wieder lernen, den Alltag sinnvoll zu gestalten. Wer sieht, was er mit seiner Hände Arbeit geschaffen hat, bekommt neues Selbstvertrauen. Bei den handwerklichen Tätigkeiten kommt Andrea Atkin leichter ins Gespräch mit den Teilnehmern: Wo gibt es Probleme, die noch gelöst werden müssen? Wie können wir die Schulden in den Griff bekommen? Auf diese Art und Weise werden mögliche Vermittlungshemmnisse abgebaut.
Die Versorgung der Tiere setzt ein hohes Maß an Verantwortung voraus. Die Teilnehmer haben sie übernommen, berichtet Awo-Mitarbeiter Engelbert Hülsmann. Besonders erfreulich seien die außerordentlich niedrigen Fehlzeiten. Das zeige, dass sich die Teilnehmer mit dem Projekt identifizieren.
Und wie ist so der Umgang mit Tieren, von denen man vorher keine Ahnung hatte? " Na ja", sagt Thomas (Name geändert) grinsend: " Es sind ja keine Löwen und Tiger, sondern Schafe." Für Katharina ist das Projekt eine wunderbare Vorbereitung auf ihren Traumberuf: Landwirtin oder Tierpflegerin möchte die 20-Jährige gerne werden. Einige Bewerbungen hat sie hinter sich, jetzt wartet sie auf Antworten, und alle drücken die Daumen, dass es klappt.
Marita Klenke und Christian Voßgröne von der Agos zeigen sich ebenfalls beeindruckt von den Leistungen der Teilnehmer. Vorerst läuft das im Juni 2009 gestartete Projekt bis Ende dieses Jahres. Ob es weitergeht, steht in den Sternen. Aufgrund der Einsparpläne der Bundesregierung ist nicht klar, wie viel Geld der Agos im kommenden Jahr zur Vermittlung von Langzeitarbeitslosen zur Verfügung stehen wird.
Rauwollige Pommersche Landschafe, Vorwerkhühner, Zackelschafe und bald auch Meißner Widder - dass all diese Rassen am Burenkamp zu sehen sind, ist auch der Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen zu verdanken. Sie fördert das Projekt " Naturerlebnisräume schaffen - seltene Nutztierrassen in ihrer Kulturlandschaft erlebbar machen".
Mit dem Projekt macht der Verein Weidelandschaften darauf aufmerksam, dass nicht nur bestimmte Wildtiere, sondern weltweit auch jede dritte Nutztierrasse vom Aussterben bedroht ist. Nach Auskunft von Jan-Philip Kunath können alte Nutztierrassen in der modernen Landwirtschaft wirtschaftlich nicht mehr mit den Intensivrassen mithalten: " Die heute dominierenden Rassen geben mehr Milch, wachsen schneller oder legen eine größere Zahl von Eiern."
Dennoch sei es wichtig, auch die selteneren, alten Nutztierrassen und ihre Eigenschaften wie Robustheit, Langlebigkeit, Genügsamkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten zu erhalten. Aufgrund ihrer Robustheit und Anpassung an weniger nährstoffreiches Futter könnten diese Rassen sehr gut in der Landschaftspflege wie am Burenkamp eingesetzt werden.
Zuspruch gibt es für die Projektteilnehmer von Anwohnern, die täglich vorbeikommen. Vor allem Ältere freuen sich, wenn sie ihren Enkelkindern die alten Rassen zeigen und den Jungen und Mädchen erzählen können, dass Eier nicht aus dem Kühlregal im Supermarkt kommen und Wolle von Schafen stammt.
Kontakt , auch für Besuche: Telefon 0 15 20/ 9 85 79 64

Natur pur
Die Viehweide am Burenkamp gehört zu den sogenannten Kompensationsarealen in der Stadt. Durch die Wohn- und Gewerbebebauung gingen in der Vergangenheit wichtige Flächen für ein intaktes Stadtklima und die Naherholung verloren.
Zum Schutz des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes sind Unternehmen, die größere Bauvorhaben umsetzen, seit einigen Jahren verpflichtet, Ausgleichsflächen für verloren gegangene Wiesen und Haine zu schaffen. Diese Kompensationsareale werden extensiv genutzt: Die Natur wird möglichst wenig in ihren Abläufen beeinträchtigt.
Dadurch entstehen natürliche Lebensbedingungen für viele Insekten wie Bienen und Hummeln oder Schmetterlinge. Für das Gelände am Burenkamp ist der Verein Weidelandschaften verantwortlich.
Autor:
Ulrike Schmidt


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